History-SerieKrise von 1931: Der Bankencrash und der Aufstieg der Nazis

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Heinrich Brüning, Ökonom, Weltkriegsoffizier und Finanzexperte der Zentrumspartei, wurde in der Krise Anfang 1930 Kanzler. Sein harter Sparkurs und sein schroffer Charakter trugen ihm wenig Popularität ein
Heinrich Brüning, Ökonom, Weltkriegsoffizier und Finanzexperte der Zentrumspartei, wurde in der Krise Anfang 1930 Kanzler. Sein harter Sparkurs und sein schroffer Charakter trugen ihm wenig Popularität ein

Auch Brüning selbst hat freilich seine Schwächen, will alles ganz alleine machen. „Vor lauter Verantwortungsbewusstsein neigt er dazu, die Dinge ungeheuer zu komplizieren, um hinterher mit größter Kraftanstrengung die Trümmer wieder zu reparieren“, urteilt der zeitgenössische Journalist Richard Lewinsohn. „Er ist, bei aller Gottergebenheit, von einem Hochmut sondergleichen besessen, der sich hinter einer asketischen Verschlossenheit verbirgt, bis er schließlich in militärischem Kommandoton durchbricht.“

Als einige Minister und Staatssekretäre Montagfrüh um zwei nach Hause gehen, lässt Brüning sie wieder aus den Betten holen. Der Finanzminister Hermann Dietrich ätzt, die flüchtigen Herren hätten sich wohl vor der Schlussabstimmung drücken wollen.

Im Hin und Her der Krisenrunde zeigt sich, dass die Bankiers das Desaster am liebsten als Einzelfall präsentieren wollen: als ein Problem der Danat, die als aggressiver Aufsteiger ohnehin bei den Konkurrenten unbeliebt ist – ganz besonders bei den Chefs der Deutschen Bank, die sich als die wahren Hüter einer soliden Kreditwirtschaft sehen.

„Jeder glaubte, aus einer Krise dieser Art dadurch sich retten zu können, dass er einen andern denunzierte“, schreibt Brüning später in seinen Memoiren. „Es war eine furchtbare Erkenntnis für mich, denn nunmehr sah ich, dass alle diese Persönlichkeiten engstirnig waren und von den unvermeidlichen Begleiterscheinungen, vor allem des psychischen Zusammenbruchs der Einleger bei jeder Bankenkrise, keine Vorstellung hatten.“

Tief in der Nacht entscheidet die Regierung trotzdem, nur die Schalter der Danat-Bank zu schließen und deren Kunden mit einer Staatsgarantie zu beruhigen. Sofort erweist sich das als Fehler: Kaum sammeln sich Montagfrüh vor den Danat-Filialen die Menschen, da stürmt das Volk die anderen, geöffneten Institute.

Andrang vor einer Sparkassen-Filiale
Andrang vor einer Sparkassen-Filiale

Noch am Abend dieses 13. Juli verfügt die Regierung „Bankfeiertage“: Alle Geldhäuser müssen für zwei Tage schließen, der Zahlungsverkehr bleibt für Wochen eingeschränkt, die Börse bis Anfang September geschlossen. Der freie Devisenverkehr wird abgeschafft und durch eine staatliche Zwangsbewirtschaftung ersetzt; später kommt auch noch eine „Reichsfluchtsteuer“ hinzu.

Die Hiobsbotschaften gehen aber erst einmal weiter: Die Dresdner Bank, deren Vorstand am Sonntag noch flüssig getan hatte, meldet ebenfalls Illiquidität; sie muss später mit der Danat fusioniert und – wie auch die Commerzbank – verstaatlicht werden. Viele ausländische Banken kündigen angesichts des Chaos alle ihre Kredite in Deutschland.