History-SerieKrise von 1931: Der Bankencrash und der Aufstieg der Nazis

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Jakob Goldschmidts Danat-Bank preschte voran und umwarb auch gerne Großkunden, bei denen sich die vorsichtigere Konkurrenz zierte. Kreditnehmer wie die Lahusens mit ihrem Wollimperium, die sich nicht nur einen imposanten neuen Landsitz und einen edlen neuen Firmenpalast in Bremen gönnten, sondern auch konzernstrategisch das ganz große Rad drehen wollten.

Das Ende dieses Wohlstands auf Pump begann bereits ein gutes Jahr vor dem großen Oktober-Crash 1929. In Amerika stiegen die Aktienkurse immer rasanter, und viele US-Anleger lenkten ihr Geld lieber an die Wall Street als ins ferne Deutschland, wo die Konjunktur nachgab. Nach dem Schwarzen Freitag dann fehlten die Mittel plötzlich ganz.

Der Kredit versiegte, Deutschland musste hart sparen – und stürzte in eine Spirale aus wirtschaftlichem Niedergang und Zerfall der Republik: Die Zahl der Arbeitslosen stieg rasch, im Streit um die Unterstützung für sie zerbrach Anfang 1930 die SPD-geführte Regierungskoalition. Neuer Kanzler wurde der gestrenge Heinrich Brüning vom katholischen Zentrum, der aber keine eigene Mehrheit mehr im Parlament hatte und mit Notverordnungen regieren musste – gehalten wurde der gelernte Finanzpolitiker alleine von der Macht des nationalkonservativen Reichspräsidenten, des greisen Weltkriegsgenerals Paul von Hindenburg.

Dem neuen, erst 44 Jahre alten Kanzler fiel es auch zu, die Sparzwänge umzusetzen, die sich aus dem sogenannten Young-Plan ergaben – einer kurz zuvor mit den Siegermächten ausgehandelten Neuordnung der Reparationszahlungen, die vor allem von der politischen Rechten wütend bekämpft wurde.

„Krankheit als Waffe“

Auch für Brüning war das oberste Regierungsziel die Streichung aller Reparationen. Der offene Bruch der Verpflichtungen, den die Extremisten lautstark forderten, kam für ihn jedoch nicht infrage. Deutschland musste kreditwürdig und geschäftsfähig bleiben.

Sein eigener Plan hieß „Krankheit als Waffe“: Wenn Deutschland zeigte, dass die Forderungen des Auslands auch mit äußerster Austerität nicht zu erfüllen waren, würden die Gläubiger einlenken müssen.

Innenpolitisch endeten Brünings erste Manöver allerdings im Fiasko: Bei den Neuwahlen im September 1930, die ihn eigentlich stärken sollten, triumphierten die Nazis; über Nacht stiegen sie von einer Splittergruppe zur zweitgrößten Parlamentsfraktion auf. Deutschland wurde unberechenbar, und seine Geldgeber waren spätestens ab jetzt extrem nervös.

Mit jedem neuen Pleitegerücht und mit jeder politischen Krise zogen die Ausländer nun Gelder ab – vor allem bei den Großbanken. Als im Mai 1931 Österreichs Creditanstalt insolvent wurde, löste ihr Ende auch eine neue Welle der Kapitalflucht aus Deutschland aus.