History-SerieKrise von 1931: Der Bankencrash und der Aufstieg der Nazis

Seite: 2 von 7

Die Deflation, die sich nach dem Crash im Sommer 1931 noch verschärft, hat sich längst nicht so in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegraben wie die Hyperinflation ein paar Jahre zuvor. Ihre Folgen sind aber noch dramatischer: Deutschland geht als wackelige Demokratie in die Krise hinein – und kommt als mörderische Diktatur wieder heraus.

Es war ein fataler Mix aus Schulden, Politik und Massenpsychologie, der das deutsche Bankensystem fast zugrunde richtete und die Weimarer Republik tödlich vergiftete: Deutschland stand am Ende der Goldenen Zwanziger tief beim Ausland in der Kreide; internationale Institutionen, die bei Zahlungsproblemen hätten helfen und vermitteln können, gab es praktisch nicht. Stattdessen spukten alte Obsessionen und Ängste aus dem Weltkrieg, dem Versailler Vertrag und der großen Inflation von 1923 noch immer herum.

Die hohen Verpflichtungen der Deutschen gegenüber dem Ausland hatten verschiedene Gründe. Da waren zum einen die Reparationszahlungen, ein fast ständiges Thema der Innen- und Außenpolitik. Dass diese Lasten viel zu hoch, ja im Grunde zutiefst ungerecht seien, darin war das ganze Land einig. Über den richtigen Weg, sie abzuschütteln, stritten die Lager jedoch erbittert.

Eigentlich hätten die Reparationszahlungen dazu führen müssen, dass Kapital aus Deutschland abfließt – dass also weniger verbraucht als produziert wird und ein Exportüberschuss entsteht. Tatsächlich geschah jedoch das Gegenteil: Kapital kam herein. Ausländische Anleger, insbesondere aus den USA, gaben gerne und reichlich Kredit, legten ihr Geld bei den großen Banken in Germany an und finanzierten über gut verzinste Anleihen die deutschen Kommunen und Unternehmen. Der Zustrom war so üppig, dass er nicht nur die Abflüsse aus den Reparationen kompensierte, sondern sogar noch zusätzliche Spielräume schuf.

Störungsanfälliges Finanzkarussell

Was auch immer in der Politik über die Ausplünderung der Nation geredet wurde – de facto lebte Deutschland in diesen besten Jahren der Weimarer Republik über seine Verhältnisse.

Rechnete man alles zusammen, dann ließen die internationalen Zahlungsströme der Zwanziger ein ebenso bizarres wie störungsanfälliges Finanzkarussell rotieren: Deutschland zahlte die verhassten Reparationen, mehr als die Hälfte davon an Frankreich. Die europäischen Siegermächte reichten dieses Geld aber gleich selbst weiter – an die USA, bei denen sie die eigenen, ebenfalls verhassten Kriegsschulden begleichen mussten. Aus Amerika floss derweil frischer Privatkredit zurück nach Deutschland – das daraus auch die Reparationen zahlte.

An Warnungen fehlte es nicht. 1927 zum Beispiel ereiferte sich der damalige Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht schon über die verschwenderischen Kommunen, die sich auf Kredit immer neue Schwimmbäder, Parks und Opernhäuser zulegten.

Die große Verwundbarkeit der deutschen Banken und Sparkassen war ebenfalls kein Geheimnis. Es gab nicht nur zu viele Geldinstitute – durch die Hyperinflation hatten sie auch einen Großteil ihres Kapitals verloren. Im Vergleich zum letzten Vorkriegsjahr 1913 beispielsweise war das Eigenkapital der Banken 1925 um mehr als zwei Drittel geschrumpft, ihr Fremdkapital sogar um über 80 Prozent. Bei den deutschen Sparern war nicht mehr viel zu holen, also finanzierten sich Banken stark im Ausland – und das sehr oft auch noch kurzfristig.

Dass so etwas nicht den Regeln des soliden Bankgeschäfts entsprach, wussten die Direktoren selbst. Was, wenn die Ausländer sich abrupt zurückziehen?

Bloß: War es nicht auch richtig, nach all dem Nachkriegselend endlich wieder Kredit zu geben und auf Expansion zu setzen? Waren die Chancen nicht so gut, dass man jetzt auch etwas wagen konnte? Amerika mit seinen roaring twenties und der scheinbar grenzenlosen prosperity zeigte es ja: Mut zahlt sich aus.