BankenIch bastel mir eine Bank

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Eine Chance für die Großen

Sieht so die Zukunft des Bankings aus: Man nutzt die API – oder man wird geapit? Zumindest spricht für die These einiges: Seit Jahren heißt es ja immer wieder, die finanzielle Wertschöpfungskette der Banken werde durch die Fintechs aufgebrochen. „Diese Entwicklung ist aber abgeschlossen. Jedes Produkt, das früher klassischerweise von einer Bank kam, kann der Kunde heutzutage bei einem Fintech kaufen – wie in einem hoch spezialisierten Feinkostladen“, sagt Karsten Junge von der Beraterfirma Consileon. Die Frage allerdings sei: „Will der Kunde das überhaupt? Oder sucht er sich letzten Endes doch nicht lieber einen Aggregator, der das für ihn erledigt?“

Anders ausgedrückt: Überlebt das Hausbankprinzip womöglich doch? Auch wenn es nicht auf dem Girokonto, sondern – mit Junge gesprochen – auf der Aggregatorfunktion beruht?

Die Strategie der Erste Group und Deutschen Bank scheint darauf jedenfalls hinauszulaufen. „Es geht darum, das Frontend zu besetzen und damit die erste Anlaufstelle für den Kunden zu bleiben“, sagt Dirk Franzmeyer, Ex-Vorstand der Biw Bank. Gerhard Kebbel, digitaler Vordenker der Helaba, sieht das ähnlich: „Das Frontend soll zum Hub nicht nur für die eigenen, sondern auch für die Produkte fremder Banken werden – ähnlich wie in einem Supermarkt.“

Der Vorteil: Selbst wenn der Kunde lieber zum Produkt des Wettbewerbers greift, bleibt er doch „im Ökosystem der eigenen Bank“, wie Erste-Group-Mann Bosek das nennt. Nebeneffekt: Die Bank erhält vom Produktanbieter eine Vertriebsprovision. Die Commerzbank wendet dieses Prinzip schon seit Jahren in der Baufinanzierung an. Und die Deutsche Bank hat angekündigt, in ihr „Multibanking“-Schaufenster neben das eigene Tagesgeldangebot demnächst auch höher verzinste Sparprodukte anderer Banken zu stellen.

Ein Wettstreit widerstreitender Ökosysteme bahnt sich an. Gegen die Georges und Multibankings treten Start-ups wie die Münchner Outbank oder die Schweizer Numbrs an. Anders als klassische Banken und anders auch als das Berliner Vorzeige-Fintech N26 verzichten diese beiden Anbieter auf eine eigene Bilanzsumme aus Einlagen und Krediten. Stattdessen wollen sie nur noch Supermarkt sein. Um ihre Regale zu füllen, greifen sie ausschließlich auf die Produkte von Banken oder anderen Fintechs zurück. Vom Robo-Advisor für die Wertpapieranlage bis hin zum Festgeldvermittler für die Spareinlagen.

Daneben dürften bald weitere Akteure ins Spiel eingreifen. Das Münchner Vergleichsportal Check24 zum Beispiel startet im Juli mit einem digitalen Bankordner. „Dort können unsere Kunden dann alle ihre Konten, Geldanlagen und Kredite zentral verwalten – egal ob sie die Produkte über uns abgeschlossen haben oder nicht“, sagt Geschäftsführer Christoph Röttele. Auch von Apple oder Google heißt es immer wieder, sie könnten über ihre Wallet genannten Proto-Konten demnächst ins richtige Bankgeschäft einsteigen. Andere Kandidaten dürften Facebook oder Paypal sein.

Und wo werden bei alldem letztlich die guten alten Sparkassen und Volksbanken bleiben? Für die müsse man vielleicht gar nicht so schwarzsehen, wie es immer heiße, sagt Bankingexperte Junge: „Natürlich kann ein hoch spezialisiertes Fintech jede einzelne Leistung ein wenig besser anbieten, als das eine Sparkasse kann. Wenn der Kunde aber das Gefühl hat, seine Hausbank bietet ihm die komplette Produktpalette in vergleichbarer Qualität und zu fairen Preisen – dann geht er weiter dorthin. Das ist eben auch wie mit Rewe und Edeka.“

Der Beitrag ist zuerst in Capital 06/2017 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon