BankenIch bastel mir eine Bank

Bastelstunde: das Girokonto bei der Deutschen Bank, den Hauskredit  bei der Sparkasse und die Kreditkarte vielleicht über Apple – und das alles in einer App?  Möglich ist künftig alles, Capital hat schon mal ein paar neue Banklogos entworfen
Bastelstunde: das Girokonto bei der Deutschen Bank, den Hauskredit bei der Sparkasse und die Kreditkarte vielleicht über Apple – und das alles in einer App? Möglich ist künftig alles, Capital hat schon mal ein paar neue Banklogos entworfen

André Bajorat ist der Prototyp des Digital Native. Für das, was er jetzt erklären will, braucht der 45-Jährige aber kein Tablet, keinen Screen und nicht mal Powerpoint. Sondern bloß eine gute alte Wandtafel und einen kräftigen Filzer.

Er krakelt zunächst ein paar Begriffe ans Whiteboard. „Deutsche Bank“, „Sparkassen“, „Paypal“, „Kreditkarte“ und so weiter. „Das sind die Financial Sources“, sagt Bajorat, also die finanziellen Quellen. Als Nächstes tupft er ganz viele Punkte auf die Tafel, „das sind die Drittanbieter, also unsere Kunden“. Schließlich beginnt Bajorat, die Quellen und die Drittanbieter durch Striche miteinander zu verbinden, sodass ein ziemlich dichtes Netz entsteht. Und mitten hinein in dieses Netz malt er in dicken Letten nun den Namen seiner eigenen Firma: Figo.

Figo ist also die Spinne im Netz? „Ja“, sagt André Bajorat. Es mag vielleicht ein bisschen aufschneiderisch klingen. Aber was soll er machen? Figo ist nun mal der Herr über die API. Und auf die kommt es ja neuerdings an. Heißt es jedenfalls immer und überall.

Das Kürzel API steht für „Application Programming Interface“, zu Deutsch: Programmierschnittstelle. Mit diesem Begriff konnten in der Bankenbranche bis vor zwei, drei Jahren höchstens die IT-Menschen was anfangen. Inzwischen allerdings sind die Fachzeitschriften, die einschlägigen Blogs und selbst die Finanzteile in den Tageszeitungen voll von der API. Es wirkt manchmal so, als würden nicht das Zinsniveau, sondern die Schnittstellen über die künftigen Erträge der deutschen Banken bestimmen. Und die Sache ist: Vielleicht stimmt das sogar.

Dazu muss man wissen, dass das Retail-Geschäft der Banken jahrzehntelang nach einer einfachen Gleichung funktionierte: Der Bank, die das Girokonto hatte, gehörte auch der Kunde. Den größten Teil ihrer Marge erwirtschafteten die Banken damit, dass sie die Einlagen der Kunden zu höheren Zinsen weiterverliehen. Daneben gab es für die Institute jedoch noch weitere Möglichkeiten, mit den Kontoinhabern relativ mühelos Geld zu verdienen. Etwa durch Gebühren für die EC- oder Kreditkarte. Orderte der Kunde darüber hinaus regelmäßig Wertpapiere, bekam er ein Depot. Und benötigte er einen Immobilienkredit, konnte man als Bank oder Sparkasse eigentlich nichts mehr falsch machen.

Revolution per Richtlinie

Nun ist das Verhältnis zwischen Hausbank und Kunde, seit es das Internet gibt, natürlich nicht mehr ganz so eng, wie es das früher einmal war. Wer heute ein Hypothekendarlehen braucht, vergleicht erst einmal die günstigsten Angebote online. Und der berüchtigte „Zinshopper“, der auf der Suche nach den besten Konditionen regelmäßig seinen -Tagesgeldanbieter wechselt, ist auch kein neues Phänomen.

Trotzdem: An der Bedeutung des Girokontos hat auch die Erfindung des Onlinebankings wenig geändert. Das erkennt man auch daran, dass Institute wie die Commerzbank neue Kunden bis heute mit einem Bonus von bis zu 150 Euro locken.

Doch hat dieses Geschäftsmodell noch eine Zukunft? Oder verkommt das Girokonto nicht eher zu einer „Commodity oder gar einem Wegwerfprodukt“, wie der Bankenexperte Maik Klotz sagt – „vergleichbar mit der E-Mail-Adresse, von -der inzwischen auch fast jeder zwei oder drei Stück hat“.

Tatsache jedenfalls ist: Die Banken sind momentan dabei, die Hoheit über das Girokonto zu verlieren. Und das liegt an Technologiefirmen wie Figo, die es fremden Anbietern ermöglichen, über die API direkt auf die Kontodaten zuzugreifen „und regelrecht auszulesen“, so Bajorat – vorausgesetzt natürlich, der Kunde stimmt zu. Dafür allerdings reicht im Mobile-Zeitalter ein einziger Klick. Frage also: Was ist das Girokonto für die Bank noch wert, wenn praktisch jeder nun hineinsehen kann?