NachfolgestreitArthur Darboven: „Es ist auch Teil meines Lebenswerks“

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Albert Darboven führt seit 1966 das Handelshaus und die Rösterei. Er liebt Pferde, züchtet auch selbst
Albert Darboven führt seit 1966 das Handelshaus und die Rösterei. Er liebt Pferde, züchtet auch selbst

Wie soll es dann weitergehen?

Gott sei Dank haben wir noch immer viele gute Leute im Unternehmen. Aber wir brauchen eine Zukunftsstrategie. Jeder Geschäftspartner will wissen, wie es mit dem Unternehmen nach Albert Darboven weitergeht. Und auch die Mitarbeiter haben ein Recht darauf. Unsere Familienfirma bekommt man für eine gewisse Zeit geliehen, um sie dann mit einem Mehrwert an die nächste Generation weiterzugeben.

Warum verkaufen Sie Ihre Anteile nicht und ersparen sich den Ärger? Sie haben ein eigenes Unternehmen, könnten Ihr Ding machen.

Ja, ich bin stolz, was wir hier aufgebaut haben, wir sind mit Benecke Coffee in den vergangenen acht Jahren von 65 Mio. auf 140 Mio. Euro Umsatz gewachsen, haben heute 25 Mitarbeiter und viele neue Kunden gewonnen. So ein Streit wie mit meinem Vater zieht einen natürlich immer mal runter, aber zum Glück bin ich mit meiner Aufgabe hier sehr gut ausgefüllt und erfüllt.

Ihr Unternehmen ist ein Rohkaffeehändler, Sie arbeiten auf einem Markt, der dramatisch in Bewegung ist: Der Lebensmittelkonzern Nestlé und die Familie Reimann kaufen gerade eifrig Kaffeemarken auf. Was ist der Auslöser für diese massive Konzentration?

Dies ist nicht allein ein Phänomen von sehr viel Liquidität in der Hand einer Familie und eines Konzerns. Kaffee ist ein sehr attraktives, krisenerprobtes Produkt. Selbst im Zweiten Weltkrieg haben die Leute noch versucht, Kaffee zu trinken. Wenn sich Investoren gerade nach lohnenden Investitionen umschauen, dann kommt man auf Kaffee. Fast jeder mag und trinkt Kaffee.

Also ist es kein Hype?

Die Familie Reimann kauft hochprofilierte Unternehmen, die hochwertige Produkte anbieten: Peet’s Coffee aus Kalifornien, Caribou Coffee aus Minnesota, Keurig Green Mountain aus Vermont und jetzt noch Unternehmen, die auch Backprodukte anbieten, wie Krispy Kreme Doughnuts und Panera Bread. So erschließt man sich über Kaffee einen spannenden Markt, auf dem sich gute Preise erzielen lassen.

Kaffee ist heute ein Lifestyleprodukt, das immer teurer wird – was war eigentlich der Auslöser dafür?

Zunächst: Sie können auch für Filterkaffee so viel Geld ausgeben, und so zubereitet schmeckt er auch am besten. Der Auslöser für den Kaffeeboom war Starbucks. 1999 kam der Gründer Howard Schultz nach Deutschland und verkündete, dass er hier innerhalb von fünf Jahren 200 bis 300 Filialen eröffnen will. So kam es nicht. Aber das war der Startschuss für viele Café-Besitzer, zu investieren und aufzurüsten. Viele Bäckereien bieten heute das Coffeeshop-Erlebnis.

Immer noch sprießen Cafés, Kaffeeketten, lokale Röstereien oder Start-ups aus dem Boden. Ist der deutsche Markt nicht langsam gesättigt – oder geht da noch was?

Ich würde sogar sagen, wir stehen noch ganz am Anfang. Wenn wir ein paar Jahre zurückgehen, dann gab es in Deutschland fünf große Markenartikler, ein paar Discounter und eine Handvoll regionale Röstereien. Heute gibt es ungefähr 600 bis 700 Röstereien. Die fangen klein an, sind Kaffee-Enthusiasten, aber krempeln komplett den Markt um.