PodcastAnna Maria Braun: „Man kann Innovation nicht outsourcen“

Seit April 2019 leitet Anna Maria Braun die Geschäfte von B.Braun. Die in England und den USA ausgebildete Führungskraft arbeitete schon lange in leitender Funktion für das Unternehmen, bevor sie an dessen Spitze aufrückte
Seit April 2019 leitet Anna Maria Braun die Geschäfte von B.Braun. Die in England und den USA ausgebildete Führungskraft arbeitete schon lange in leitender Funktion für das Unternehmen, bevor sie an dessen Spitze aufrückteB.Braun


Wie lassen sich Herkunft und Zukunft vereinen? Vor welchen Herausforderungen stehen Familienunternehmen? Und welche Erfahrungen sammeln sie bei der Digitalisierung? Diese Fragen klärt „Alles neu…? Aus dem Maschinenraum”, der Interview-Podcast für den Mittelstand.


Seit April 2019 leitet Anna Maria Braun das Medizinbedarfsunternehmen B.Braun. Noch nicht einmal ein Jahr an der Spitze des 180-jährigen Traditionsunternehmens wurde die Corona-Pandemie für die 41-Jährige zur Feuertaufe: Einerseits stieg die Nachfrage nach Produkten wie Infusionspumpen für Intensivbetten enorm. Andererseits wurden chirurgische Instrumente kaum noch gekauft, weil deutlich weniger operiert wurde.

„Es war eine immense Kraftanstrengung, und das ist es auch immer noch“, sagt Braun im Podcast „Alles Neu…? aus dem Maschinenraum“. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir so ein breites Portfolio haben.“ So habe man in den Hochphasen der Pandemie die Produktion an den 110 Standorten stärker auf die Waren verlagern können, die gebraucht wurden.

Im Krisen-Management habe sich dabei die Aufteilung auf mehrere Krisenstäbe bewährt. So habe das globale Unternehmen mit seinen 64.000 Mitarbeitern angemessen auf die Situation an den jeweiligen Standorten reagieren können. „Gerade in Zeiten der Pandemie ist der Wunsch groß, dass es eine Person gibt, die sagt, wo es lang geht“, sagt Braun. Das sei in der heutigen Zeit aber nicht mehr möglich – schon gar nicht für B.Braun. „Die Welt hat so eine Komplexität erreicht, dass man eine Vielfalt von Perspektiven und Meinungen braucht“, sagt Braun. „Das muss sich auch im Management widerspiegeln.“

„Die Innovationskraft muss aus dem Unternehmen kommen“

Vielfalt ist dabei auch ein entscheidender Faktor bei der Weiterentwicklung des Unternehmens. Neben dem Kerngeschäft gibt es daher auch einen Innovation Hub, der mit Start-ups an neuen Projekten, darunter eine Einheit für digitale Geschäftsmodelle, arbeitet. „Die Innovationskraft muss aus dem Unternehmen kommen“, sagt Braun. Dafür kann es zwar Impulse von außen geben, „aber man kann Innovation nicht outsourcen.“ Kerngeschäft und Innovationsarbeit müssten dabei aber verbunden bleiben, um so ihre Stärke zu entfalten.

Im Interview-Podcast „Alles Neu?… Aus dem Maschinenraum“ sprechen sprechen Tobias Rappers, Geschäftsführer des Maschinenraums und Capital-Redakteur Nils Kreimeier, mit Vordenkern und Machern aus dem deutschen Mittelstand und richten den Blick auf die Persönlichkeiten und ihre Motivation

Die Corona-Pandemie sieht Braun zwar ebenfalls als Impuls, allerdings eher im Umgang mit digitalen Technologien. So habe man durch den neuen Arbeitsalltag viele Tools ausprobiert und nicht gleich bei den ersten technischen Schwierigkeiten verworfen. „Das ist etwas, was man beibehalten muss“, bilanziert Braun.

Auch in Deutschland wünscht sie sich daher mehr Offenheit in der Digitalisierung – insbesondere im Gesundheitsbereich. Es gehe auch darum, die „Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass wir den Patientennutzen mit unserem Bedürfnis nach Datenschutz im Einklang bringen.“

Welches Kapitel sie in der Familiengeschichte schreiben will und was sie im Arbeitsalltag in der Pandemie vermisst, erzählt Anna Maria Braun im Gespräch mit Tobias Rappers, Managing Director von Maschinenraum, und Nils Kreimeier, leitender Redakteur beim Wirtschaftsmagazin Capital. Alle Folgen von „Alles Neu…? Aus dem Maschinenraum“ finden Sie bei Audio Now, Apple Podcasts, Deezer, Soundcloud und Spotify.