Interview„Wir arbeiten daran, dass Alexa glücklich klingt“

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Amazons Sprachassistent Alexa hat Deutsch als zweite Sprache gelernt. Über 25.000 Anwendungen gibt es inzwischen. Die Deutschen fragen Alexa vor allem nach dem Abfallkalender, „Alexa, wann muss ich die gelbe Tonne rausstellen?“

In Berlin arbeiten Sie mit Ihrem Team vor allem an der Sprachausgabe von KI – was genau heißt das?

Unser Team arbeitet an der besseren Erkennung von Sprache, ihrer Verarbeitung und der Sprachausgabe. Verkürzt gesagt helfen wir dem Alexa-Team, Antworten zu optimieren, zum Beispiel in dem künstliche Intelligenz Gefühle vermitteln kann. Die Sprachbausteine, sogenannte Phoneme, werden über ein Machine Learning-System zusammengesetzt, so dass Alexa auch glücklich klingen kann und nicht wie ein gefühlloser Computer.

Und tut sie das?

Wir testen das mit vielen Kunden. Die sagen uns, dass sie Alexa als menschlich empfinden. Vor allem Kinder fangen sofort ein Gespräch mit ihr an.

Ziele bei Amazon sind selten Dollar-Ziele, sondern immer solche, die zuerst dem Kunden zugutekommen. Dann steigt auch der Umsatz.

Ralf Herbrich

Und Amazon treibt über diesen Weg seine eigenen Verkäufe weiter nach oben?

Wir haben einen Grundglauben: Kunden schätzen kleine Preise, große Auswahl und hohe Bequemlichkeit. Das ist heute so und wird in 50 Jahren immer noch so sein. Alexa ist ein Baustein, um Kunden in der Bequemlichkeit entgegenzukommen. Mit Sprache kann man beispielsweise viel bequemer einkaufen, da das freie Sprechen für Kunden viel einfacher ist als die Bedienung mit Maus und Tastatur.

Und gehen die Bestellungen schon rauf?

Ich kenne die Zahlen nicht. Es mag verrückt klingen, aber Amazon konzentriert sich auf Anwendungen, die zu niedrigeren Preisen, mehr Auswahl und Bequemlichkeit führen, und nicht auf mehr Profit oder mehr Umsatz. Wenn man den Input verbessert, steigen die Bestellungen von allein, weil Kunden zufriedener sind. Ziele bei Amazon sind selten Dollar-Ziele, sondern immer solche, die zuerst dem Kunden zugutekommen. Dann steigt auch der Umsatz.

Im Moment macht Alexa vor allem Schlagzeilen mit Pannen. In Hamburg hat Alexa neulich alleine Party gefeiert, der Besitzer war nicht da, am Schluss griff sogar die Polizei ein. In den USA hat ein Kind einen Haufen Puppen bestellt, weil Alexa auf den Fernseher hörte.

Alexa lernt noch und wird jeden Tag weiter verbessert. So kann sie jetzt Stimmen besser unterscheiden und zum Beispiel nicht mehr mit Fernsehstimmen verwechseln. Frauen- und Männerstimmen kann sie nun auseinanderhalten. „Ich bin Ralf, ich bin Marika“ – das Gerät kann jetzt personalisieren, sonst werden mir immer die Musikwünsche meiner zwölfjährigen Tochter vorgespielt. Im Moment arbeiten wir an Dialogen, derzeit ist es ja noch ein Frage-Antwort-Spiel. Die Frage „Alexa, wie wird das Wetter in Berlin“ wird beantwortet, dann ist sie wieder ruhig. Eine richtige Konversation über zwei, drei Themen gibt es bisher nur in wenigen Alexa-Skills.

Sie haben Alexa als Plattform konzipiert, an der sich andere Firmen andocken sollen…

Ja, es gibt bereits über 25.000 Anwendungen für Alexa. Amazon selbst hat nur einige wenige dieser Skills entwickelt. Unter den Skills-Anbietern sind Unternehmen wie die Bahn oder My Taxi, die über diesen Weg ihre Fahrkarten verkaufen oder Taxibestellungen organisieren. Je mehr Drittanbieter ihre Dienste anbieten, desto interessanter ist der Service.

Ist Alexa denn auch in der Montagehalle oder in der Industrie einsetzbar, also können Sie so über Stimmen Maschinen steuern?

Denkbar ist das schon, aber so weit sind wir noch nicht. Wir bieten die Idee, Text in Sprache zu übersetzen, für jeden Softwareentwickler an. Das System heißt Amazon Polly. Kunden von Amazon Web Services können für ihr Unternehmen bis zu 48 verschiedene Stimmen – männlich oder weiblich – für 24 Sprachen auswählen.

Wird der Sprachassistent einmal das Smartphone ersetzen?

(lacht) Selbst wir bei Amazon können die Zukunft nicht vorhersagen, wir können aber daran arbeiten, sie zu erfinden.