InterviewRiester-Rente: "Das Glas ist halbvoll"

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Riester- und Betriebsrente verknüpfen

Sie haben vorgeschlagen, ein Standard-Vorsorgeprodukt könnte eher helfen…

Ich halte das für den effizienteren Weg. Die Idee ist, Riester- und Betriebsrente zu verknüpfen und die Leute an so ein Produkt heranzuführen, wenn sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Wer nicht will, kann natürlich widersprechen. In Schweden und Großbritannien gibt es das und dort sind solche Standardprodukte sehr erfolgreich. In Schweden hat das Modell ein wirklich vernünftige Rendite, in Großbritannien läuft es seit 2008 an – und auch dort sieht es so aus, als ob man einen wirklichen Sprung hinbekommt und nicht nur eine marginale Änderung.

Bei der Kapitalanlage für Riester-Produkte gibt es strukturelle Probleme durch Niedrigzins. Halten Sie den garantierten Erhalt der Beiträge unter diesen Umständen noch für zeitgemäß – oder muss man notgedrungen davon weg?

Die Niedrigzinsen an den Kapitalmärkten sind ja nicht gottgegeben. Die ganze Volkswirtschaft kann nicht überleben, wenn sich das noch Jahre hinzieht. Die Niedrigzinspolitik ist ein Desaster – und wir haben immer noch nicht ganz verstanden, wie hoch der Preis dafür eigentlich sein wird. Wichtig aber: Ausgehend von normalen Kapitalmärkten war die Beitragsgarantie ein kluger Schritt, ohne den man den schnellen Aufschwung der Riester-Rente gar nicht hinbekommen hätte.

Aber macht die Garantie heute noch Sinn?

Aktuell sind die Kosten für die Beitragsgarantie unmäßig hoch. Das eigentliche Problem liegt allerdings im Produkt: Weil man die Riester-Rente teilweise als Kapital auszahlen möchte, haben die Anbieter ein Problem, wenn die Märkte gerade zu diesem Zeitpunkt im Tal sind. Eine Lösung wäre, die Auszahlungen generell über Annuitäten oder als Rente lebenslang zu strecken – und die Kapitalauszahlung auf einen Schlag ganz bleiben zu lassen. Damit wird das Problem stark reduziert.

Riestern lohnt in jedem Fall

Also gar keine Kapitalauszahlung mehr?

Klar, dann bekommt man die Garantie viel besser hin und spart sich die augenblicklich abstrus hohen Kosten. Das passt auch zur Riester-Rente: Man will ja eine lebenslange Zahlung ersetzen.

Könnte aber sein, dass die Kunden da nicht mitspielen…

Ja, aber nur weil Sie die Kosten nicht sehen. Wenn Sie die Wahl haben zwischen Garantiekosten im hohen fünfstelligen Bereich für eine einmalige Kapitalzahlung und auf der anderen Seite eine günstige Rente, dann ist die Sache klar.

Lohnt die Riester-Rente unter heutigen Bedingungen überhaupt noch?

In jedem Fall, schon durch die Förderung mit Zulagen und Steuervorteilen. Zudem sind Verluste ausgeschlossen.

Vor einem Jahr haben Sie die Riester-Rente auf einer Schulnoten-Skala bei „drei minus“ oder „vier plus“ gesehen. Bleibt es dabei?

Ich würde es dabei belassen. Für die neuen Informationsblätter kann man vielleicht ein Sternchen vergeben, aber für echte Verbesserungen braucht es mehr Phantasie. Man muss sich weiter anstrengen, bessere Produkte zu machen – und zwar sowohl die Finanzindustrie und als auch die Regulierungsbehörde.

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