Anleihekaufprogramm8 Thesen zur Geldflut der EZB

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These 04: Der Ausstieg ist möglich

Nicht nur der Kauf der Anleihen machte vielen Ökonomen Sorge, sondern mehr noch die Frage, wie eine Notenbank die Papiere wieder loswird. Immerhin, die amerikanische Notenbank Fed macht es jetzt vor.

Technisch ist eine solche Reduktion gar nicht so schwer: Bisher kaufte die Fed – und so wird es auch die EZB halten – alle auslaufenden Anleihen im gleichen Umfang nach. Zahlte ein Schuldner also das ausstehende Geld einer Anleihe zurück, kaufte die Fed für den Betrag einfach eine neue Anleihe. Der Bestand an Anleihen in der Bilanz stieg zwar nicht mehr, aber er ging auch nicht zurück. Und über die Nachkäufe beeinflusst die Notenbank -weiter Kurse und Zinsen.

Seit diesem Oktober wird die Fed auslaufende Anleihen nicht mehr voll ersetzen. Der Anteil an Anleihen, die nicht mehr nachgekauft werden, steigt langsam an, der Bestand wird abschmelzen. So einfach das Prinzip ist, die Operation hat dennoch etwas Unheimliches: Eine eingehende Zahlung eines Schuldners bucht die Notenbank gegen die entsprechende offene Forderung in ihrer Bilanz, beide Positionen sollten sich genau ausgleichen. So verschwinden die einstigen Schulden und das zusätzliche Geld der Notenbank einfach wieder – als wäre nie etwas gewesen.

These 05: Europa hinkt hinterher

Von einem solchen Rückzug ist die EZB noch zwei, eher sogar drei Jahre entfernt. Zuvor muss Draghi mindestens zwei andere Hürden nehmen. Erstens wird er eine ganze Weile vergehen lassen, in der er zwar keine zusätzlichen Anleihen mehr kauft, aber (wie die Fed) auslaufende Staatsanleihen vollständig durch neue ersetzt. Während sich die EZB heute beim Kauf der Anleihen an den Anteilen der Eurostaaten am EZB-Kapital orientiert, will sie sich in der „Nachkauf-Phase“ weitgehend frei entscheiden können, wo sie Staatsanleihen nachkauft. So möchte sie sich den Spielraum erhalten, auch weiterhin die Zinsen zu beeinflussen.

Erst nach dieser Ruhephase, die frühestens im Herbst 2018 beginnt und etliche Monate dauern wird, würde sie die Zinsen anheben. In den USA betrug diese Frist fünf Monate, in Europa dürfte sie länger ausfallen. „Wahrscheinlich würde Draghi selbst gerne den ersten Zinsschritt machen“, vermutet ein EZB-Insider, „das wäre eine persönliche Genugtuung für ihn.“ Draghis Amtszeit endet am 31. Oktober 2019. Frühestens im Jahr 2020, eher 2021 könnte die Notenbank dann anfangen, Anleihebestände abzubauen.

These 06: Die Nullzinsen bleiben

Das bedeutet, dass die Zinsen noch lange niedrig bleiben werden. Zusätzlich zur Geldpolitik sorgen die riesigen Kapitalflüsse aus dem Ausland infolge der starken deutschen Konjunktur dafür, dass das Zinsniveau kaum steigen wird. Sollte sich die Konjunktur aber überraschend abschwächen, spricht erst recht alles gegen einen Zinsanstieg. So oder so werden sich Sparer gedulden müssen.