Bilderstrecke15 prominente Konflikte in deutschen Familienunternehmen

Capital: Herr Prof. Binz, immer wieder kommt es in Familienunternehmen zu Streitigkeiten zwischen einzelnen Familienmitgliedern. Jüngstes Beispiel ist die Kaffeedynastie Darboven. Ist es immer eine Generationenfrage oder wo liegen die Hauptursachen?

Rechtsanwalt Mark Binz
Mark Binz ist Seniorpartner der auf Familienunternehmen spezialisierten Kanzlei Binz & Partner (Foto: E. Feuerbacher)

Mark Binz: Die Frage, ob ein Nachfolger aus der Familie wirklich geeignet und ausreichend talentiert ist, kann zwischen Vater und Sohn, aber auch innerhalb mehrerer Familienstämme durchaus gegensätzlich eingeschätzt werden, birgt also erheblichen Zündstoff, zumal es dabei auch um die Höhe der Geschäftsführervergütung und unternehmerischen Einfluss geht. Ganz generell kann man sagen, dass sich die meisten Konflikte in einem Familienunternehmen, gleich welcher Größe, fast immer innerhalb des magischen Dreiecks von Macht, Liebe und Geld abspielen.

Warum fällt es manchen Firmenpatriarchen wie Albert Darboven oder Heinz-Hermann Thiele so schwer loszulassen?

Das sind tiefverwurzelte psychologische Gründe. Erfolgreiche Patriarchen haben meist mit viel Fleiß, Können und Hingabe ein Firmenimperium aufgebaut, ihr Lebenswerk eben. Nach so vielen Jahren als Alphatier den Staffelstab an eines der Kinder weiterzugeben, fällt nicht nur schwer, sondern ist auch eine große Verantwortung. Natürlich mag auch die Furcht mitschwingen, nicht mehr die erste Geige zu spielen oder gar, nicht mehr gebraucht zu werden. Wenn dann der Nachwuchs nicht über dieselbe persönliche Exzellenz verfügt oder sich gegenüber dem Vater respektlos oder aufgrund seiner internationalen Ausbildung an privaten Elite-Hochschulen auch noch besserwisserisch verhält, ist der Eklat programmiert.

In einigen Fällen streiten Geschwister um eine Firma. Bahlsen war so ein Beispiel. Bleibt dann nur die Aufteilung des Geschäfts unter den Familienmitgliedern?

Wenn ein Streit zu lange und zu fundamental eine Familie oder Gesellschafterstämme entzweit und Mediationen scheitern, ist eine Trennung oft der einzige Ausweg. Neben einer Realteilung, die freilich oft Synergien vernichtet, gibt es noch andere Möglichkeiten: gesellschaftsinterne Auktionen, bei denen der Meistbietende das Unternehmen oder die Mehrheit der Anteile übernimmt, ein Verkauf, ein IPO, die Aufnahme eines weiteren unternehmerischen Partners in den Gesellschafterkreis, insbesondere um Pattsituationen aufzulösen. Oder der Rückzug der zerstrittenen Senioren in einen Beirat oder Aufsichtsrat kann einen probaten Lösungsansatz darstellen.

Manchmal landet der Familienzwist auch vor Gericht. Ihre Kanzlei war mehrfach an solchen Prozessen beteiligt. Wie kann man verhindern, dass es so weit kommt?

Eine vorausschauende Familienverfassung, vorab festgelegte Regeln zur Konfliktlösung, externe Aufsichtsräte oder Beiräte, die zwischen den streitenden Parteien vermitteln, oder ein kompetent besetztes Schiedsgericht, das Zeit und Geld spart, vor allem aber vor der Öffentlichkeit schützt: Es gibt mehrere Instrumente, damit ein Konflikt nicht eskaliert. Ich rate Mandanten gerne, statt kontroverse Punkte immer unter den Teppich zu kehren, besser eine eigene Streitkultur aufzubauen, bei der man sich inhaltlich miteinander auseinandersetzt, ohne dass dabei persönliche Verletzungen entstehen. Es ist alles eine Frage des guten Willens, aber auch der Organisation!

Familienstreit: 15 prominente Beispiele deutscher Unternehmen