DigitalisierungBanken im Umbruch: die neue Geldmacht

Symbolbild Die neue Geldmacht
Tech-Giganten greifen das Geschäft der Banken an. Deutschland steht dabei im Fokus des Interesses.

Der Überfall war generalstabsmäßig vorbereitet. Immer wieder hatten sich die Spezialisten der drei Angreifer getroffen, abwechselnd in den bunten Hamburger Google-Büros, bei Mastercard in einem gesichtslosen Bürokomplex am Frankfurter Flughafen und in einem Gewerbegebiet vor den Toren Berlins. Hier hat Paypal seine Deutschlandzentrale zwischen Autobahn und märkischen Wäldern. Bei gutem Wetter verlegte sich die Runde gerne nach draußen und drehte eine „Seerunde“ bis ins nahe Dorf Dreilinden.

Anfang Oktober setzten die drei US-Unternehmen ihren Plan dann um: Nutzer von Android-Handys können nun in Geschäften an der Kasse mit der Bezahlapp Goo­gle Pay über ihr Paypal-Konto bezahlen, technisch ermöglicht durch eine virtuelle Mastercard. Einfach, indem sie ihr Handy kurz an das Bezahlterminal halten.

Hinter dem neuen Angebot steht eine globale Kooperation der drei Unternehmen, die 2017 in den USA an den Start ging. Dass sie sich als zweiten Markt ausgerechnet Deutschland ausguckten, war wohlüberlegt: Statt die Deutschen mühselig von Kreditkarten zu überzeugen oder eine Bank nach der anderen abzuklappern, besitzt Paypal mit 20,5 Millionen Kunden heute hierzulande schon einen anderen Hebel. „Wir können in Deutschland wirklich einen Unterschied machen“, heißt es aus dem Umfeld des Bündnisses.

Google in der Poleposition

Was nach dem x-ten neuen Angebot klingt, um sein Geld an der Kasse loszuwerden, ist in Wahrheit ein gewaltiger Schlag für alle deutschen Banken. Denn der Wachstumsmarkt für mobiles Bezahlen sollte ihrer sein, nach etlichen Digitalangeboten, die sich eher als Flops entpuppt hatten. Dafür investierten sie Milliarden und statteten Hunderttausende Terminals mit der nötigen Technik aus. Ihre Angebote sollten einen großen Markt aufrollen – und endlich wieder ordentlich Einnahmen bringen.

Doch stattdessen wurde die teuer aufgebaute Infrastruktur einfach gekapert, und das ausgerechnet von den größten Angstgegnern der hiesigen Finanzindustrie: den Techgiganten aus den USA. Die Amerikaner hätten die deutschen Bezahlstationen „in einem der größten Coups der jüngeren Vergangenheit regelrecht gehijackt“, urteilt der Payment-Experte André Bajorat vom Hamburger Fintech Figo.

Damit bewahrheitet sich, wovor sich die Bosse von Deutschlands großen Geldinstituten seit Jahren fürchten: Zu all den Krisen, zu den niedrigen Zinsen, die ihr Kerngeschäft aushöhlen, zu den immer neuen Regulierungsauflagen und den zahllosen Finanz-Start-ups, die sich wie Piranhas ständig neue Stücke aus der Wertschöpfungskette reißen, kommen nun noch die großen Techkonzerne Google und Apple und machen ihnen das Geschäft streitig. Mit all ihrer Power an Kapital, an Nutzerdaten und Digital-Know-how.

Wie gefährlich das sein kann, zeigt der Markteintritt der Paypal-Allianz: Dass sie anstelle der Banken nun die Zahlungsgebühr von 0,2 Prozent einstreichen, tut schon weh. Viel schlimmer aber: Sie sichern sich so den Zugriff auf die Kundendaten und verdrängen die Banken von ihrer Poleposition beim Kunden. Bezahlen, da sind sich die Experten einig, ist der Anker der Kundenbeziehung. Wer hier den Kontakt verliert, droht zum Dienstleister im Hintergrund zu werden. Als erste Anlaufstelle für die größeren Geschäfte rund um Geldanlage, Altersvorsorge und Immobilien hat man dann ausgedient.