ZeitfragenEntschleunigung ohne Smartphone

IWC-CEO Christoph Grainger-Herr
IWC-CEO Christoph Grainger-Herr


Der studierte Innenarchitekt Christoph Grainger-Herr ist seit 1. April 2017 CEO von IWC Schaffhausen. Er folgte auf Georges Kern, der die Geschicke der Schaffhausener Uhrenschmiede über 15 Jahre lenkte. Grainger-Herr gehört dem Unternehmen seit zehn Jahren an.


Capital: Wofür würden Sie sich gerne mehr Zeit nehmen?

Christoph Grainger-Herr: Ich hätte manchmal gern mehr Zeit auf meinen Reisen. Etwa für Begegnungen mit unseren Kunden und Partnern, oder auch um abgelegenere Orte zu spüren – jenseits von den großen Metropolen und Einkaufszentren.

Was bedeutet für Sie Entschleunigung?

Die erlebe ich immer in Zeiten ohne Smartphone, also beim Sport oder mit meiner Familie.

In der Hektik des Alltags vergisst man viel zu oft…

… die Besinnung auf das Wesentliche. Und dass die Antwort oft viel einfacher ist, als man denkt.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, in welches Jahr würden Sie reisen – und warum?

In die Übergangszeit vom 19. ins 20. Jahrhundert: Der Beginn der Industrialisierung, die Zeitenwende zur Moderne, die Demokratisierung und Internationalisierung, das alles fasziniert mich ungemein.

Wie sieht für Sie die Uhr der Zukunft im Jahr 2100 aus?

Hoffentlich schön, aber lassen Sie mich kurz meine Kristallkugel befragen…

Wofür schlägt ihr Herz: Handaufzug, Automatik, Quarz, Digital oder Smart?

Meine Wahl fällt auf die Automatik, denn ich mag die ständige Dynamik des Rotors.

Welchen Tag/und oder welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

17:51 Uhr. Um diese Zeit fuhr vor vielen Jahren mein Zug aus London ab. Seither blicke ich fast jeden Tag um diese Zeit auf die Uhr.

Welche Komplikation, welches Feature würden Sie gern einmal in eine Uhr integriert sehen?

Ich träume von einem mechanischen Sport-Chronographen, der auch unter großer physischer Belastung noch leicht abzulesen ist.

Ihr liebstes Buch mit Uhren-Bezug?

„The Watchmaker of Filigree Street“ von Natasha Pulley. Ein im Wortsinn fantastischer Roman, der 1883 in England spielt.

Ihr liebster Film, bei dem es um Zeit oder Uhren geht?

„Inception“ von Christopher Nolan. Auch deshalb, weil er mit „Time“ von Hans Zimmer von der besten Musik zum Thema Zeit begleitet wird, die jemals komponiert wurde.

Die größte Herausforderung … für einen Uhrmacher heute?

Die perfekte Balance zwischen Handwerkskunst und Technologie zu finden.

… für die Uhrenbranche insgesamt?

Die Faszination für mechanische Uhren bei kommenden Generationen zu entfachen – und uns als Industrie immer wieder neu zu erfinden.

… in Ihrem derzeitigen Job?

Die Marke IWC weiter erfolgreich zu entwickeln, und dabei sowohl neue Märkte als auch die Essenz unserer Marke immer im Blick zu behalten.