AlltagsökonomieWarum schmeckt teures Essen besser?

Sind wir eher von der Wirkung eines Medikaments überzeugt, wenn es teurer ist?Bild von congerdesign auf Pixabay

Das Sofa, mit dem wir uns für 4000 Euro mal richtig etwas gegönnt haben und auf das wir lange gespart haben ist bequem. Viel bequemer als das Alte, welches nur 400 Euro gekostet hat, völlig klar. Schließlich war es teuer und muss ja gewisse Qualitätsstandards erfüllen, oder?

Diesem Denkschluss folgen wohl die meisten Menschen. Der Verhaltensökonom Dan Ariely zeigte einst mit einem Experiment, dass wir Produkte und Dienstleistungen tatsächlich an ihrem Preis messen. Dafür testete er ein angebliches neues Schmerzmittel an 100 Probanden. Den ersten 50 wurde gesagt, die Schmerztablette würde pro Stück 2,50 Euro kosten. Im Anschluss erhielten sie Stromschläge – zuerst einfach so, in einer zweiten Runde dann nach der Einnahme der Tablette.

Dieses Experiment wiederholte Ariely nun. Statt der zweiten Hälfte von Probanden aber den Stückpreis von 2,50 Euro zu verraten, teilte man ihnen mit, eine einzelne Tablette würde nur 10 Cent kosten. Im Anschluss an den Test befragte man nun die Probanden, wie gut die Tablette den Schmerz durch die Stromschläge lindern konnte. Die angeblich teurere Tablette wurde doppelt so gut bewertet wie die für 10 Cent. Dabei hatten beide Gruppen das gleiche Placebo bekommen.

Hängt die Qualität vom Preis ab?

Dieser Test lässt sich nach Ariely auf verschiedene Bereiche anwenden – immer mit dem gleichen Ergebnis. So bewerteten Probanden in einem anderen Versuch einen Energydrink besser, der ihnen zum regulären Preis angeboten wurde, als den im Preis reduzierten anderen Energy-Drink. Der teurere Drink hätte sie wacher gemacht und besser der Ermüdung nach dem Sport entgegengewirkt. Menschen tendieren also tatsächlich dazu, den Nutzen, Wert oder ganz einfach die Qualität von etwas, das sie erworben haben oder potenziell erwerben möchten, am jeweiligen Preis festzumachen. So kann der wahrgenommene Wert des Produktes zu seinem tatsächlichen Wert werden – einfach, weil die menschliche Psychologie nach dem Motto „was teuer ist, muss gut sein“ funktioniert.

Wir müssen uns also vor Augen führen, dass Preis und Qualität nicht zwingend fest aneinandergekoppelt sind. Ob das aber in jedem Falle klappt, ist fraglich. Selbst, wenn das Sternerestaurant uns ein Gericht aus den gleichen Zutaten servieren würde, wie wir es am Imbiss um die Ecke bekommen, schmeckt uns das Essen im Sternerestaurant vielleicht einfach besser. Die Atmosphäre, unsere Erwartung und die saftigen Preise auf der Karte tragen ihren Teil dazu bei.