AlltagsökonomieWarum steht man immer in der falschen Schlange?

Einkaufen kann Spaß machen - bis man in der langen Kassenschlange warten muss.Photo by ig: @seteales on Unsplash

Jeder kennt das: Im Supermarkt ist es voll und wir müssen uns für eine von mehreren Kassen entscheiden. Doch kaum hat man sich in eine der langen Schlangen eingereiht, beschleicht uns der Gedanke: „Neben mir scheint es viel schneller zu gehen!“ Wieder mal alles falsch gemacht. Oder?

Treffen wir die Entscheidung für eine von mehreren Wartemöglichkeiten und merken dann, dass die andere Option schneller gewesen wäre – etwa, wenn jemand, der sich später als man selbst an der Nachbarkasse angestellt hat, eher an der Reihe ist – empfinden wir das als ungerecht. Die negative Erfahrung ärgert uns. Wir prägen sie uns ein und erinnern uns schnell daran, wenn wir das nächste Mal in einer vergleichbaren Situation landen. Anders ergeht es uns hingegen, wenn alles glatt läuft. Geht der Bezahlvorgang zügig über die Bühne, haben wir gar nicht die Zeit, uns über etwas aufzuregen oder den glücklichen Umstand unserer Situation überhaupt zu bemerken. Wir freuen uns nicht bewusst darüber. Es entsteht nicht die Erinnerung an ein positives Erlebnis, auf das wir in der Zukunft zurückgreifen.

Denkfehler beim Wählen der Schlange

Liegt der Einkauf im vollen Supermarkt gerade hinter uns, müssen wir uns im Gedränge zügig für eine Kassenoption entscheiden. Nimmt man die, an der vier Leute mit voll beladenen Einkaufswägen anstehen, oder die, an der zwar fünf Personen anstehen, die aber alle nur wenige Teile in der Hand halten? Instinktiv könnte man sich für letztere Option entscheiden, denn die vollen Wägen wirken abschreckend und nehmen doch sicher viel Zeit in Anspruch.

Hier liegt der Denkfehler. Versuchen zufolge dauert der Scanvorgang eines einzelnen Artikels an der Kasse durchschnittlich nur drei Sekunden. Der eigentliche Bezahlvorgang samt Begrüßung und Einpacken dauert viel länger. Bis das Gerät die EC-Karte gescannt hat und die PIN eingegeben wurde oder der ältere Herr vor uns sein Kleingeld passend abgezählt hat, kann schon mal fast eine Minute vergehen. Daher gilt: Schlangen, in denen wenige Kunden mit vollen Wägen stehen, sind oft schneller als viele Kunden mit nur wenigen Artikeln. Von vollen Einkaufwägen muss man sich also nicht abschrecken lassen. Ganz im Gegenteil: Weil so viele Kunden genau davor zurückschrecken, könnte hier Ihre Chance liegen, die schnellere Kasse zu erwischen.

Laut einer Studie der Deutschen Bundesbank zahlen ältere Menschen häufiger mit Bargeld. Eine Zahlung bar zu bezahlen dauert nicht unbedingt länger als eine Kartenzahlung. Jedoch ist es älteren Leuten Befragungen zufolge häufig wichtig, den Betrag passend zu zahlen. Das Kramen nach den richtigen Münzen frisst Zeit frisst. Wem es also genau drauf ankommt, der sollte bei der Kassenwahl auch einen Blick auf das Alter der Mitwartenden werfen.

Links steht man richtig

Und noch ein Tipp: Da die meisten Menschen Rechtshänder sind, zieht ihr Unterbewusstsein sie Psychologen zufolge eher zu Kassen weiter rechts. Die linke Kasse würden demzufolge eine kürzere Wartezeit versprechen.

Zurück zur Ausgangsfrage: Das Phänomen, dass wir uns immer an der Kasse mit der längsten Wartezeit anzustellen scheinen, ist wissenschaftlich nicht belegbar. Es handelt es sich hier um eine subjektive Wahrnehmung. Wenn an der Kasse alles ohne Ärgernisse abläuft, besteht eben auch kein Grund, sich das Erlebnis zu merken. Bei langer Warterei sieht das anders aus, weshalb sie im Gedächtnis bleibt. Doch „in der falschen Schlange“ stehen wir jedenfalls nicht überdurchschnittlich oft. Kassensysteme, bei denen alle Kunden in einer einzigen Schlange warten und der erste in der Reihe zur nächsten freien Kasse aufrückt, kommen beim Kunden übrigens besser an. Studien bestätigen, dass hier weniger Potenzial entsteht, sich als Kunde unfair behandelt zu fühlen.

Wer seine Wartezeit dennoch optimieren will, sollte es künftig also vielleicht einfach mal weiter links versuchen und auf die Zahl der wartenden Kunden achten – nicht auf die Füllhöhe des Einkaufswagens.