SehnsuchtBeruf: Aussteiger

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Der Urlaub wird zum Job

Hauptsächlich geht es jedoch um das Bordleben. Mal müssen Stürme auf hoher See abgewettert werden, mal nagt Seekrankheit an den Nerven. Zweimal wurde die „Delos“ überfallen. Dabei werden aber keine Heldengeschichten geschrieben, Trautman und seine Freunde gerieren sich weder als Draufgänger noch Hasardeure. Vielmehr kämpft die Crew mit den Tücken des Alltags. Mit verstopften Toiletten, einer defekten Steueranlage oder mit Behörden. Vor allem aber genießen sie ihr Leben an den schönsten Orten der Welt. Das Konzept geht auf.

Die SV Delos vor der atemberaubden Naturkulisse Namibias

1 928 Patrone zahlen derzeit 14 400 Dollar – pro Film. Drei Episoden erscheinen im Schnitt pro Monat, das macht über eine halbe Million Dollar im Jahr. Dazu kommen Einnahmen von Youtube. Allerdings verzichtet Trautman darauf, dass Werbung die Filme unterbricht, auch wenn das noch mehr Geld in die Bordkasse spülen würde. „Wir sind so dankbar, dass unsere Unterstützer unser Abenteuer ermöglichen. Wir können sogar Geld für die Rente zurücklegen. Mehr brauchen wir nicht.“ Der Urlaub wurde zum Job.

„An manchen Tagen arbeiten wir zwölf Stunden“, sagt Trautman. An anderen gar nicht, dann genießen sie das Leben ohne Kameras. Drei bis vier Stunden seien es im Durchschnitt, die jedes Crewmitglied täglich der Arbeit widmet: filmen, schneiden, Blogs schreiben, die Social-Media-Kanäle bedienen. Wenn sie WLAN-Empfang haben, stellen sie mehrere Beiträge pro Tag bei Face­book und Instagram ein. Als Trautman an seinem Geburtstag mit einem Bauchplatscher in einen Pool springt, bekommt das Video 37 000 Likes. Hunderte Glückwünsche werden gesendet. Und viele Biere.

Der Buy-us-a-beer-Button

Trautman lacht. „Wir lieben Bier.“ In den USA sei es ganz normal, ein Bier auszugeben, wenn man in der Kneipe einem Typen zuhört, der etwas Spannendes erzählt. Nichts anderes machten sie mit ihren Videos. Also hatten sie die Idee, einen Button auf ihrer Website zu platzieren. „Buy us a beer“ steht da. Wer ihn anklickt, kann ein paar Dollar für Bier überweisen. Jedes Video endet mit der Crew, wie sie an einem einsamen Strand im Sonnenuntergang Bier trinkt, und dem Aufruf, doch mal ein Bier auszugeben. „Es ist unglaublich, aber uns wurden auf diese Art schon Tausende Biere ausgegeben“, sagt Trautman.

Der „Delos-Tribe“, so nennt Trautman die Fans, liefert immer neue Ideen. Als die Crew Shirts mit dem Logo der Yacht trägt, kommen Anfragen, ob es die Shirts zu kaufen gäbe. Mittlerweile haben die Segler einen Onlineshop mit T-Shirts, Mützen, Tassen und Bierhaltern.

Nach neun Jahren wieder zurück auf dem amerikanischen Kontinent. Die SV Deos vor dem Panorama von Rio de Janeiro

Das Lifestyle-Business boomt. Patrone, die sie an Bord einladen, können mittlerweile umsonst mitsegeln. Über 60 Gäste aus 14 Nationen waren an Bord. Mal für ein paar Tage, mal für Monate. Unternehmen, die Produkte wie Sonnenbrillen oder Klamotten platzieren wollen, lehnt Trautman ab. „Wir sind keine klassischen Influencer“, sagt er. Aber es gibt Ausnahmen. Als sie einen Maschinenschaden in Südafrika hatten, schickte ein Hersteller eine neue Maschine. Ein Segelmacher bestückte die „Delos“ mit neuen Tüchern. „Das sind Produkte, hinter denen wir stehen“, sagt Trautman. Aus den alten Segeln würden jetzt Taschen gefertigt, die von der Crew signiert und verkauft werden – der Erlös wird gespendet. Überhaupt spendet die Crew 20 Prozent ihrer Einkünfte an Umweltprojekte.

Seit Mitte April liegt die „Delos“ in der Karibik auf dem Trockenen. Sie muss überholt werden. Trautman macht gerade Urlaub vom Urlaub. Und plant die Zukunft. Er lacht. „Zurück in einen Bürojob? Niemals!“ Es werde eine „Delos 2“ geben, verrät er. Vielleicht ein historisches Schiff, das sie erst restaurieren müssen. Vielleicht ein neues, ganz nach ihren Vorstellungen. Mehrere Werften wollen mit ihnen kooperieren.

Aber im Spätsommer stechen sie noch einmal mit der alten Yacht in See. Das Ziel ist Japan. „Wir werden den längsten möglichen Weg nehmen“, sagt Trautman. „Wir haben ja Zeit.“ Warum Japan? „Da wollten wir beim letzten Mal schon hin. Aber da waren wir gerade pleite.“