SehnsuchtBeruf: Aussteiger

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Das „Lifestyle-Business“

In Australien arbeitet Brian wieder für seine ehemalige Firma. Vom Boot aus, aber es macht keinen Spaß. Sein Bruder jobbt in einem Res­taurant. Nach einem Jahr haben sie genügend Geld, um weiterzusegeln. Sie kommen aber nur bis auf die Philippinen, dann sind sie wieder pleite. Der Traum scheint geplatzt.

Abtauchen, wann immer es geht: Brain Trautman mit seiner Freundin Karen (l.) und der österreichischen Mitseglerin Lisa

Als Trautman seine Finanzen checkt, entdeckt er allerdings neben vielen großen roten Zahlen auch eine kleine schwarze. Youtube hat eine Handvoll Dollar überwiesen. Wofür? Sie hatten für Freunde ein paar Videos hochgeladen, schlecht gefilmt und amateurhaft geschnitten. Trotzdem wurden die Filme Hunderte Male angeklickt. Wildfremde Leute spornen die Crew an weiterzumachen. „Das war der Beginn unseres Lifestyle-Business“, sagt Trautman. Die Idee: „Wenn wir mit ein paar Hundert Klicks bereits ein paar Dollar verdienen, warum versuchen wir dann nicht, ein paar Tausend Klicks zu bekommen?“, sagt er. „Als wir ein paar Tausend Klicks hatten, wollten wir mehrere Zehntausend.“

Doch dazu brauchen die Videos eine bessere Qualität. In Youtube-Tutorials lernen sie, Filme professionell zu schneiden. Aber sie brauchen bessere Software und Kameras. Bislang haben sie mit einem Camcorder für 200 Dollar gefilmt.

Rührende Unterstützung

Dann entdecken sie die Crowdfunding-Plattform Patreon. Künstler und Musiker finanzieren hier ihre Projekte. Warum nicht auch Reisende? Also schreibt Trautman: „Wir lieben segeln. Wir lieben reisen. Und wir lieben es, davon Videos zu produzieren. Mit eurer Unterstützung wollen wir eine bessere Videoausrüstung kaufen und bessere Filme machen.“

Bei der Arbeit: Täglich mehrere Stunden filmt und produziert die Crew die Videos. Hier: Karen und Brian

Wer fünf Dollar pro Video zahlt, ist ein „Deckschrubber“ und bekommt die Videos früher zu sehen, plus Bonusmaterial. Es gibt aber auch den Maat oder Piraten – je höher die Summe, desto mehr Ex­traleistungen, bis hin zum Mitsegeln. Die Idee schlägt ein. Einer der ersten Unterstützer will gleich 250 Dollar pro Film zahlen. Trautman glaubt an einen Fehler. Er schreibt den Mann an. Aber es ist kein Versehen. Die „Delos“-Crew mache genau das, wovon er immer geträumt habe, schreibt der zurück. Jetzt sei er krank und werde das Bett nie wieder verlassen können. Die Videos machten ihm so viel Freude, dass er das Projekt unterstützen wolle. „Da stockt einem der Atem“, sagt Trautman.

Mit der Professionalität der Filme wächst die Anzahl der „Patrone“. Dafür läuft fast immer eine Kamera an Bord. Die Videos leben von atemberaubenden Bildern auf, unter und über dem Wasser, von Landausflügen, von der Neugier auf alles Fremde. Aber auch Themen wie die Verschmutzung der Ozeane oder die Überfischung werden behandelt.