FernsehenTV oder Streaming: So gucken die Deutschen am liebsten

Seit Jahren sind Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime auf dem Vormarsch
Seit Jahren sind Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime auf dem VormarschMohamed Hassan from Pixabay

Netflix oder „Tagesschau“, YouTube oder ZDF? Diese Frage geht für immer mehr Deutsche zugunsten der Streaming-Dienste aus. Noch vor einigen Jahren gab es Grund zur Befürchtung, dass das klassische Fernsehen angesichts neuer Sehgewohnheiten und digitaler Angebote obsolet werden könnte.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte stellt nun aber in ihrem aktuellen Media Consumer Survey fest: Das klassische Fernsehen hat durchaus Zukunftschancen – wenn es denn auf die richtigen Inhalte und Formate setzt.

Dies sind sechs Erkenntnisse der Umfrage:

  1. Das enorme Wachstum bei Streaming-Angeboten scheint zu Ende zu sein. Deloitte hatte 2017 bei den VoD-Nutzern einen Anstieg von 21 Prozentpunkten im Vergleich zu 2015 verzeichnet. Nun sank das Zweijahres-Plus auf fünf Prozentpunkte. „Video-on-Demand nähert sich augenscheinlich der Sättigungsgrenze innerhalb seiner derzeit adressierbaren Zielgruppe“, lautete das Fazit.
  2. Wer von digitalen Angeboten überzeugt ist, nutzt sie aber intensiver. Fast jeder dritte Befragte und damit mehr als die Hälfte der VoD-Nutzer gaben an, mehr Netflix, Amazon Prime & Co. zu schauen als noch vor einem Jahr.
  3. Es stimmt schon: Insbesondere ältere Menschen schauen noch regelmäßig klassisches Fernsehen. „Treu bleiben Zuschauer über 55“, stellt Deloitte fest.
  4. Allerdings sind die jüngeren Generationen nicht für das Format verloren. „Es geht für die Nutzer nicht um ein ‚entweder/oder‘: Viele schauen sich Serien und Filme mittlerweile lieber flexibel bei Streaming-Diensten an, schalten aber für Live-Events wie Fußballspiele oder aktuelle Nachrichten weiterhin gern den Fernseher ein“, teilte Deloitte mit. „Unsere Daten zeigen, dass die befürchtete Disruption der TV-Branche nicht stattfindet.“
  5. Es stellt sich beim Onlinestreaming weiterhin die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Insbesondere die kurzen Videos (SVoD, wie es sie auf YouTube gibt) sind dem Bericht zufolge in dieser Hinsicht keine Erfolgsgeschichte: „Mit 17 Prozent ist auch 2019 nur eine sehr kleine Konsumentengruppe bereit, für die kurzen Inhalte zu zahlen. Eine Zeitenwende bei der SVoD-Gratiskultur zeichnet sich vorerst nicht ab.“ Dazu muss aber auch gesagt werden: YouTube finanziert sich im Gegensatz zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk in erster Linie nicht über Abogebühren, sondern über Werbeeinnahmen.
  6. Das Fernsehen kann laut der Umfrage sogar von Online-Angeboten profitieren – wenn Inhalte und Strategie stimmen. „Die Serie ‚Babylon Berlin‘ war sowohl als VoD wie auch später im linearen TV ein Erfolg“, stellte Deloitte fest. „Für einen echten Blockbuster nehmen Nutzer auch ‚Unannehmlichkeiten‘ wie feste Einschaltzeiten in Kauf.“ Klassische Serien und Filme im Fernsehen könnten zudem durch kurze Videos auf Social Media ergänzt werden.

Für die Erhebung wurden den Angaben zufolge 2000 Teilnehmer zwischen 14 und 75 Jahren befragt.