UhrenLuxusuhren: Vier CEOs über Gestern und Zukunft

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Patrick Pruniaux, Girard-Perregaux und Ulysse Nardin
Patrick Pruniaux, Girard-Perregaux und Ulysse Nardin

PATRICK PRUNIAUX, ULYSSE NARDIN & GIRARD-PERREGAUX
„Hand aufs Herz, die Exportzahlen 2018 waren sehr erfreulich, doch am Ende des Tages zählt für uns auch, dass wir mehr Konsumenten erreichen müssen! Für viele Menschen, und Gott sei Dank nahezu alle Altersklassen, ist eine Uhr ein reizvolles Produkt, das als faszinierend und vielleicht auch sexy wahrgenommen wird. Nur: Verglichen mit anderen Luxus- und Konsumgütern bleibt unsere Branche ziemlich klein.

Können wir wachsen? Ich bin da optimistisch, gelingen wird das aber nur mit der richtigen Strategie. Unser Produkt ist extrem langlebig, was die Aufgabe nicht leichter macht. Wir suggerieren gern, dass eine Uhr das Zeug zum Erbstück hat, aber mir ist das manchmal zu rückwärtsgewandt und konservativ gedacht. Das erzeugt nämlich neben einer Sicherheit für das Investment auch eine gewisse Barriere, macht den Kauf einer Uhr zu einer gewichtigen Entscheidung. Wo bleiben da die Kunden, die begeistert und emotional mitgerissen werden möchten zu einem Spontankauf? Da können wir bei Girard-Perregaux und Ulysse Nardin innerhalb des Kering-Konzerns einiges von unseren Kollegen, beispielsweise von Gucci lernen.

Wir blicken in unserer Branche manchmal zu obsessiv nach innen, aufs Werk, und hören unseren potentiellen Kunden nicht gut genug zu. Handwerk auf höchstem Niveau sowie die Innovationskraft unserer Uhrmachermeister und Ingenieure – dass muss in meinen Augen zunehmend der Anfang und nicht das Ende der Geschichte sein. Mit einer Marke wie Ulysse Nardin will ich zudem gar nicht everybody’s darling sein, ich will polarisieren und dadurch die richtigen, die treuen Käufer und Fans anziehen. Ob mit lauten Beats bei uns am Messestand, mit einem angriffslustigen Haifisch in unseren Werbekampagnen oder mit den Uhren selbst, die wieder und wieder versuchen, stilistisch wie auch in ihrer Konstruktion neue Wege zu gehen.

Bei Girard-Perregaux ist es meine Aufgabe, die Marke in die Zukunft zu führen. Mein Motto: Luxus darf nie das Gegenteil von Spaß sein! Ich finde in diesem Zusammenhang auch die Automobilbranche sehr interessant. Vor allem weil sie es schafft, zugleich inklusiv und exklusiv zu sein, die ganze Welt für ein neues Modell zu begeistern und – im Luxussegment – dann doch nur eine sehr kleine Gruppe in den finalen Kaufakt zu schleusen. Diese Seitenblicke lohnen sich, schließlich stehen wir mit noch ganz anderen Warengruppen in Konkurrenz als nur untereinander.“