UhrenBaselworld - Zeit war Geld

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Und das hat Capital in Basel bei den übrigen Marken entdeckt:

Patek Philippe

Der Branchenprimus pflegte trotz Krise wie stets diskret sein Image: den geschichtsträchtigen Ruf, eine betont intellektuelle Herangehensweise ans Metier, ein gepflegtes Understatement im Marketing – und natürlich handwerkliche Perfektion. Patek präsentierte einen ewigen Kalender mit der Referenz-Nummer 5320G, dessen Design im besten Sinne als Retro bezeichnet werden kann. Tag und Monat prangen oben, das Tagesdatum umgibt die Mondphase, das Schaltjahr unten rechts, die Tag/Nacht-Anzeige gegenüber. Das cremefarben lackierte Zifferblatt allein ist den Griff zur Lupe wert. Auch im Hause Stern wird in 2017 gefeiert: 40 Jahre Kaliber 240 und 20 Jahre für das sportliche Modell Aquanaut.

Rolex

Rolex Cellini Moonphase
Rolex Cellini Moonphase

Nüchtern und ohne großes Brimborium (wie Rennwagen vor dem Stand oder Popstars) präsentierte Rolex, die Schweizer Marke mit dem größten Umsatz weltweit, seine Neuheiten. Darunter ein Mondphasen-Modell („Cellini Moonphase“) mit einem echten Meteoriten-Splitter als Mond, sowie (Design-)News für die Serien „Oyster Perpetual Sea-Dweller“ und „Oyster Perpetual Sky-Dweller“. Letztere feiert 2017 ihr 50-jähriges Jubiläum.

Omega

Ob rund oder nicht – Geburtstage waren ein definitiver „Trend“ der Baselworld. So ehrte Omega gleich drei 1957 erstmals gebaute Modelle mit einer „Trilogy Limited Edition“. Highlight ist natürlich die Box mit gleich allen drei Klassikern: der Seamaster 300, der Railmaster und der Speedmaster. Aufwändige Röntgenaufnahmen garantierten eine originalgetreue Wiederauflage, wenn auch mit Materialien von heute. Denn Edelstahl gab es damals noch nicht.

Hublot

Geradezu feinstofflich präsentierte sich der Hublot-Bestseller „Classic Fusion“, für dessen neues Gewand Fiat-Erbe Lapo Elkann und seine Modemarke Italia Independent in den Kreativprozess einstiegen. Herauskamen mehrere mit feinsten Webstoffen des legendären Herrenschneiders Rubinacci bezogene Zifferblätter. Darunter knalliges Schottenkaro, Hahnentritt in Schwarz und Weiß. Unter den weiteren Premieren am Stand stach der „Techframe Ferrari 70 Years Tourbillon Chronograpüh“ heraus, bei dem man mit dem Sportwagenhersteller zusammenarbeite – und das Leder der Sitze in den Armbändern verarbeitete. Und das Ferrari-Rot natürlich. Apropos Farben: Hublot ist es gelungen, Saphirglas zu färben. Die LVMH-Marke hat Saphire mit Metallen verschmolzen – nun gibt es das Gehäuse der „Big Bang Unico“ auch in Blau und Rot.

Breitling

Breitling Navitimer Rattrapante
Breitling Navitimer Rattrapante

Die Marke, der seit Jahrzehnten die Piloten vertrauen, stellte die Colt Skyracer vor, die wie das Modell Avenger (neu als „Hurricane Military“-Edition) in einem Gehäuse aus Breitlight steckt. Ein exklusiver Werkstoff, der leichter aber härter als Titan ist und eine schwarz-marmorierte Oberfläche aufweist. In der „Navitimer Rattrapante“ wiederum tickt ein neues eigenes Chronographenwerk mit Schleppzeigerfunktion zur Messung von Zwischenzeiten, genannt B03. Um Breitling, eine der wenigen unabhängigen Marken, gab es Ende 2016 Verkaufsgerüchte – die auch in Basel nicht kommentiert wurden. Inhaber Théodore „Teddy“ Schneider soll seinen wichtigsten Mitarbeitern, darunter Deutschland-Geschäftsführer Martin Trautmann, schriftlich versichert haben: „Ich verkaufe nicht.“

Porsche Design

„Weniger Design ist mehr Design“, zitierten die Verantwortlichen am Stand von Porsche Design sinngemäß ihren Firmengründer F.A. Porsche. Neben einem Design-Wohnturm in Miami mit Küchen der Marke und einem neuen Laptop mit Gesichtserkennung sowie weiteren innovativen Features steht für das Kreativstudio aus Zell am See derzeit die Monobloc Actuator im Mittelpunkt. Wie alle Uhren von Porsche besteht auch ihr Korpus aus Titan, anti-allergen und kratzfest ohne zu gewichtig zu sein. Als Inspiration für die Neuentwicklung diente der Motor des Porsche 911 RSR, denn erstmals wird die Stoppfunktion nun durch eine Schaltwippe im Gehäuse der Uhr betätigt. Wasserdicht bleibt die Uhr dennoch.

Chanel

Dem Trend zur Eigenständigkeit bei Werken folgt auch Chanel. Mit dem 30. Geburtstag des eigenen Horlogerie-Engagements ging die Premiere des zweiten exklusiven Kalibers einher, erstmals eingesetzt in der Damenuhr Premiere Camelia Skeleton, deren filigranes Innenleben der Kamelienblüte Tribut zollt.

Junghans

„Erst das Design, dann die Uhr“, lautet hier das Motto, schnörkellos-schön umgesetzt in der völlig neuen Modellreihe Form A und ihrem Chronographen-Bruder Form C. Das Zifferblatt ist konkav gewölbt, das Saphirglas auf dem Boden rauchig getönt, selbst das Band nimmt die Wölbung noch auf. Dazu lässt Junghans Max Bill in einer ganzen Box wieder aufleben: mit Tischuhr und Armbanduhr, fein verpackt. Beim Öffnen soll ein „Apple-Feeling“ aufkommen.

Carl F. Bucherer

Carl F. Bucherer Patravi Scuba Tech
Carl F. Bucherer Patravi Scuba Tech

Vielerorts wurde wie in den Jahren zuvor reichlich Blau geboten, verstärkt auch bei Damen-Uhren, einzig flankiert durch Braunnuancen, Bronzetönen und Grünvarianten von Flaschen- über Smaragd- bis hin zu Tannengrün, wie etwa bei der Sixties Iconic Square von Glashütte Original oder der Manero PowerReserve von Carl F. Bucherer. Hier fiel zudem die Patravi Scuba Tech ins Auge, deren royales Blau eine Hommage an die Wappenfarbe der Stadt Luzern ist, dem Firmensitz. Wo übrigens 2018 das 130-jährige Firmenjubiläum gefeiert wird.

Bulgari

Wie wichtig sind eigentlich noch Rekorde? Für Jean-Christophe Babin, CEO von Bulgari, erfüllen Bestleistungen in der Uhrenbranche neben allem Marketing-Nutzen vor allem einen Zweck: „Sie machen unsere Uhrmacher stolz“. Mit der Octo Finissimo Automatic, in der das hauseigene Werk BVL138 seinen Dienst tut, konnte das italienische Haus in diesem Jahr Konkurrent Piaget in der Kategorie „Dünnste Automatik-Uhr“ ablösen. Die Gewinnermaße: 5,15 Millimeter Gehäusehöhe, und damit 0,10 mm schlanker als Piagets Altiplano. Und noch ein anderer Umstand lässt Babin im Capital-Gespräch lächeln. Dank der Diversifizierung der Marke und einem in jüngster Zeit stetigen Output neuer Modelle kam man recht ordentlich durchs Krisenjahr 2016, weiter unterstützt durch die Performance des Kerngeschäfts Schmuck, Parfümlizenzen und der Abteilung für Accessoires.

Zenith

Ein wenig ausgeruht hat man sich auf dem legendären Werk El Primero, des genauesten Serien-Chronographen, entwickelt 1969. Das gab man ganz offen am Stand von Zenith zu, vermutlich, weil weil man die Defy El Primero 21 präsentierte, die erstmals Hundertstelsekunden messen kann. Und zwar dank eines separaten Chronographenwerks, das über dem eigentlichen Herz rotiert.

Chronoswiss

Die vor 34 Jahren in München gegründete Marke feiert den 30. Geburtstag ihres Modells Régulateur, der ersten Armbanduhr mit zentralem Minutenzeiger und kleinerer Zeiger auf dezentralen Zifferblättern. Oft kopiert, doch hier ursprünglich ausgetüftelt. Kein Wunder also, dass man es mit dem wuchtigen Flying Grand Regulator Skeleton (stolze 44mm Gehäusemaß) weiter auf die Spitze treibt, der weitgehend ohne Zifferblatt auskommt. Die Stundenskala leuchtet Kirschrot, auf dem Alligatorband fallen die Hornpartien auf.

Hermès

Kein Objekt ohne Hintersinn, Handwerk par excellence und eine Prise Poesie, diesem Image bleibt das als Sattlerei und Geschirrmacher gestartete Unternehmen aus Paris auch mit der Herrenuhr „Slim d’Hermès L’heure impatiente“ treu, die einen Countdown bis zu besonderen Momenten frei wählen lässt und mit zartem Ton dessen Ablauf ankündigt. Eine Uhr für Ungeduldige bedeutet der Name frei übersetzt. Das kürzlich gemeldete Geschäftsergebnis 2016 mit einem Umsatzwachstum von 7,5 Prozent gibt den Franzosen Recht bei ihrem fantasievollen Spiel mit unseren Luxuswünschen.

Breguet

Tief abgetaucht und mit einem echten Kunstwerk wieder an der Wasseroberfläche erschienen sind die Uhrenmagier bei Breguet. Anders lässt sich die phänomenale Marine Équation Marchante 5887 mit laufender Zeitgleichung, also einer Anzeige der Sonnenzeit, ewigem Kalender und Tourbillon unter ihren Komplikationen nicht beschreiben. Eines weniger Modelle mit eigener Website: marine.breguet.com.

Chopard

Neben einer Sonderedition, die das 90-jährige Bestehen des Autorennens Mille Miglia feiern, bei dem Chopard treuer Sponsor ist, standen „grüne“ Juwelen und Edelmetalle im Fokus der Marke. Dazu trat Chopard vor Jahren dem Bündnis Fairmined bei, um unblutige Edelsteine und konfliktfreies Gold beziehen zu können. Ein „work in progress“, der für die Inhabergeschwister Caroline und Karl-Friedrich Scheufele eine Herzensangelegenheit darstellt. Auf der Uhrenseite begeisterte die „L-U.C. Lunar One“ mit einer Mondphase, die den Genfer Nachthimmel abbildet.