UhrenBaselworld - Zeit war Geld

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Smartwatch inspiriert die Uhrenhersteller

Natürlich begrüßten den Fachbesucher nicht an jedem Stand lange Mienen. Frédérique Constant etwa plant vollmundig mit „zweistelligem Wachstum“ in 2017. Die Genfer Manufaktur suchte zwar vergangenes Jahr unter dem Dach des japanisches Produzenten Citizen Zuflucht, man verfolgt trotzdem weiter seine Linie, darunter die „Horological Smartwatch“. Ein Modell, das wie eine klassische mechanische Uhr aussieht, aber zudem über digitale Funktionen verfügt. Rund 40.000 Stück konnten bisher verkauft werden. In diesem Jahr will man die sehr eigene Smartwatch-Strategie um ein „E-Strap“ ergänzen – ein Armband, das jede analoge Uhr „smart“ macht.

E-Snap: smartes Armband für analoge Uhren
E-Snap: smartes Armband für analoge Uhren

Auch bei TAG Heuer ist die Laune weiterhin angriffslustig – was aber vor allem am Chef Jean-Claude Biver liegt, einem der Rockstars der Branche, der einst Blancpain wiederbelebte und später Hublot zum Erfolg führte (wo man diesmal eigens Depeche Mode einfliegen ließ). Während die Branche vor zwei Jahren noch rätselte, wie sie der Smartwatch von Apple begegnen sollte, blies der Chef der LVMH-Uhrensparte zur Offensive und ging eine Allianz mit Intel und Google ein. Das Ergebnis war eine Connected Watch für 1400 Euro, an deren Erfolg viele zweifelten – die sich bis Ende 2016 aber rund 56.000 Mal verkaufte (Biver hatte erst mit 20.000 geplant, dann Anfang 2016 100.000 Stück prophezeit, aber ein Erfolg ist die Uhr dennoch.) 2017 will er 150.000 verkaufen. In diesem Jahr war TAG Heuer sogar auf der Cebit, wo die zweite Version der „Connected Modular 45“ vorgestellt wurde. Deren digitale Basis kann gegen Aufpreis auch durch eine mechanische Uhr ausgewechselt werden. Neben Armbändern, Bandanstößen ein Zeichen für den Trend des „Customizing“.

Der Kundenwunsch, er wird der Uhrenbranche mehr und mehr Befehl. Und so habe TAG Heuer, verkündete Biver in einem Interview Anfang 2017, im vergangenen Jahr rund 14 Prozent mehr Umsatz gemacht. Mit der neuen „Autavia“ soll dieser zusätzlich befeuert werden.

Nomos-Uhr zum Abitur für 1000 Euro

Nomos verkündete ebenfalls schwächere Wachstumszahlen – mit einem zwinkernden Auge. Denn für den deutschen Hersteller hieß das: statt 30 Prozent Wachstum – wie jedes Jahr seit 2010 – „nur“ noch 24 Prozent. Nomos hat in Basel ein eigene Choreographie entwickelt: Man startet mit einer gediegenen, fast familiären Feier in einer Bar am Badischen Bahnhof, räumt am Tag darauf bei der Armbanduhr des Jahres einen oder mehrere Preise ab – und präsentiert dazu noch eine Innovation, die nicht selten eine Sensation ist. 2014 war es das Swing-System, vor zwei Jahren das Automatikwerk DUW 3001, in diesem Jahr eine Uhr, die ein neues Segment erschließt und ein wahrer Disruptor sein könnte: die Nomos Campus, die „Uhr zum Abitur“ für 1000 Euro.

Nomos war schon immer ein Preisbrecher bei mechanischen Uhren – und lästert gern über die „teuren Schweizer“. Doch mit dem Modell Campus greift man nicht nur in einer Preiszone an, sondern buhlt um eine neue Zielgruppe. Denn viele, für die eine TAG Heuer oder eine Rolex der klassische Einstieg war, müssen erkennen: Mit einem Monatsnettogehalt (was die Faustformel für die Anschaffung der ersten Uhr ist) kommt man nicht mehr weit, oder muss schon als Junioranwalt bei einer US-Kanzlei arbeiten. Eine Nomos-Uhr für 2000 bis 3000 Euro, sei es die Tangente, die Ahoi oder in diesem Jahr eine poppige, wasserdichte Uhr aus der Serie Aqua, war da schon immer eine Alternative. Jetzt gesellt sich die Campus dazu.

Und so herrschte bei Nomos in diesem Jahr „Champagnerlaune“ wie es auf dem Fact Sheet hieß: Produktion plus 23 Prozent, Mitarbeiter plus 14 Prozent … Bis zum „Abi 2017“, so die Glashütter, könne kein Hersteller die Campus mehr schlagen. Frühestens droht also 2018 Konkurrenz am unteren Rand der Preislagen.