Kunst = Kapital?„Schönheit alleine ist banal“

"It's worth it" von Jan Kuck© Jan Kuck

Kunst = Kapital?

Herr Kuck, wie funktioniert der Kunstmarkt?

Jan Kuck: Auf dem Kunstmarkt ist Kunst zwangsläufig Kapital und damit auch eine Ware, um deren Preis gefeilscht wird. Der Kunstmarkt scheint oft willkürlich und abgehoben. Gerade da man schnell viel Geld für etwas ausgeben kann, das weder einen praktischen Nutzen hat, noch leicht verständlich ist und auch viele schrille Gestalten anzieht.

Kunst wird gekauft, weil es einen Mangel gibt, den man nur mit ihr beheben kann, ein Bedürfnis. Bei Lebensmitteln würde man von Hunger sprechen. Welches Bedürfnis Kunst befriedigt, ist nicht so leicht zu sagen. Es geht dabei auch um Ästhetik, ich selber bin ein Schönheitsfanatiker. Alleine ist Schönheit aber banal. Es braucht auch inhaltliche Auseinandersetzung. Sammlern geht es auch um Reputation und Spekulation. Als Kunstkäufer zeigt man die Zugehörigkeit zum Lebensstil eines Schöngeistes. Kunst ist letztlich ein Luxusgut und das macht sie interessant, da Luxusgüter für viele Menschen Symbole eines sorgenbefreiten Lebens sind.

Kunst + Kritik

Und wie setzen Sie sich damit auseinander?

Jan Kuck: Natürlich ist der Kunstmarkt voller Zyniker, oder mit Oscar Wildes Worten, voller Menschen, die von allen Dingen den Preis kennen aber von keinem den Wert wissen. Aber dieses Wertbanausentum ist kein Alleinstellungsmerkmal der Kunstgesellschaft, sondern trifft auf viele von uns zu, selbst wenn gar keine Kunst im Spiel ist. Unter anderem deshalb habe ich meiner 15 kg schweren 0-Euro Münze aus Beton und Blattgold den Titel „It’s worth it“ gegeben, da der Preis einer Sache oft im diametralen Gegensatz zu ihrem eigentlichen Wert steht. Kunst ist darum für mich eine visuelle und damit sinnliche Form von Philosophie, da man durch sie wirklich grundlegende und aufrüttelnde Fragen stellen kann. Die interessantesten Fragen betreffen wunde Punkte. Es sind Fragen, durch die sich andere gestört fühlen.

In meiner Kritik geht es aber nicht ums Zerschmettern, nicht um Fundamentalopposition. Wir alle sind Teil des Kapitalismus und profitieren davon – damit will ich mich auseinandersetzen.

 

Zum Künstler:

Jan Kuck ist Konzeptkünstler und lebt in Berlin. Nach einem fast beendeten Jurastudium schloss er ein Magister-Studium der Philosophie und Geschichte ab (M.A.). Seit 2014 war Kuck in über 40 nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten.


Hier finden Sie den Capital-Kunstkompass 2017 mit Daten zu künstlerischen Trends.