Kunst = Kapital?Kunstmarkt: „vor allem Networking“

"The Unqiue Switch"© Jean Bettingen

Kunst = Kapital?

Herr Bettingen, wie funktioniert der Kunstmarkt?

Jean Bettingen: Für einen aufstrebenden Künstler ist es zunächst schwierig im etablierten System der Galerien Fuß zu fassen. Das heißt, man wird dazu genötigt, sich neue, nennen wir es ruhig beim Namen, Vertriebswege, zu suchen. Ich glaube, es ist nicht mal überspitzt zu sagen: Ab einem gewissen Niveau ist das vor allem Networking. Die richtigen Leute zur rechten Zeit zu treffen und dann in ein bestimmtes Konzept reinzupassen. Vermarktbar zu sein.

Kunst + Kritik

Und wie gehen Sie damit um?

Jean Bettingen: Bei „The Unique Switch“ ist es ganz einfach: Die Editionsnummer ist der Preis. 1000 gleiche Drucke, die einen Lichtschalter abbilden, für einen Kaufpreis von einem bis 1000€. Der Kunstmarkt ist sonst oft undurchsichtig, weil so viele emotionale und ästhetische Faktoren mitspielen. Preise werden auch oft durch Investitionsfonds und so weiter verfälscht. Es besteht keine Transparenz, wie der Preis zustande kommt. Ästhetische und persönliche Präferenzen wollte ich heraushalten. Das Foto hat offiziell keinen Urheber. Interessant ist ja gerade zu sehen, ob einfach der Marktmechanismus und die Medien ausreichen, um eine Wertschöpfung zu generieren.
Die Spaltung von Kunstwerk und Produkt will ich mit meinem Projekt grundsätzlich hinterfragen. Die ist ja sogar bei der Steuer relevant. Für Kunst gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von acht Prozent, aber bei Fotografie über einer Auflage von 40 werden 17% erhoben. Für das Finanzamt handelt es sich bei „The Unique Switch“ also eindeutig nicht um Kunst.

 

Zum Künstler:

Jean Bettingen ist ein in Luxemburg lebender und arbeitender Künstler. Bevor er an der School of Visual Arts in New York seinen Master in Fine Arts (MFA) in der Fotografie erlangte, absolvierte er sein Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Innsbruck und forschte und publizierte anschließend im Bereich der Konsum-Kultur-Theorie.

 


Hier finden Sie den Capital-Kunstkompass 2017 mit aktuellen Daten zu künstlerischen Trends.