LesestoffKourosh Mansory - der Autodidakt

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Kourosh Mansory - eine Mischung aus Salvador Dali und Mephisto
Kourosh Mansory – eine Mischung aus Salvador Dali und Mephisto
© Èriver Hijano

Herrenausstatter der Reichen

Auf dem Gelände einer alten Schuhfabrik hat Mansory die Zentrale seines Tuner-Imperiums errichtet. In Tschechien produziert er alle seine Teile, in Mannheim hat er eine Sattlerei. Insgesamt beschäftigt er 150 Mitarbeiter. Das Herzstück aber ist in Brand, diesem unbekannten Flecken im Nirgendwo. Hier arbeiten die Designer, hier sitzt die Verwaltung. Und hier werden die Autos in der Werkstatt getunt.

22 Mechaniker arbeiten an bis zu sechs Autos gleichzeitig. Sie bauen um, reißen raus, schrauben ab, montieren an und lackieren neu. Kotflügel, Kühlergrill, Haube, Spoiler, Schürzen, Schweller, Räder, Sitze, Lenkrad, Armaturenbrett, Türen, Fenster, Blechkleid – einfach alles. Markenzeichen ist der großzügige Einsatz von Carbon.

Mansory ist der teuerste Autotuner der Welt. Aber ist er auch der beste? Der Meister selbst winkt ab. „Das sollen andere entscheiden“, sagt er. Aber sein Lächeln sagt: Blöde Frage. Natürlich.

Seine Kunden gehören zu den Reichsten der Reichen. Sie leben in einer Welt, in der ein Lamborghini oder Bugatti nicht reicht, um Eindruck zu schinden. In der es immer ein bisschen mehr sein muss. In der Protz und Prunk nicht peinlich und prollig sind. Sondern Statussymbol. Man kann sagen, Mansory ist der Herrenausstatter der Reichen. Ein Spielzeugfabrikant in der Welt des verschwenderischen Luxus.

Es begann mit einem Bentley

Dabei hätte sein Business auch ganz anders laufen können. In den 70er-Jahren wurde der Sohn einer Kaufmannsfamilie aus dem Iran auf ein Internat nach England geschickt. Er sei nicht geflohen, sagt er, darauf legt er Wert. Weder vor dem Schah noch vor den Mullahs. Von England ging er nach Deutschland, lernte die Sprache am Goethe-Institut in München, studierte Hotelkaufmann, jobbte als Kellner im Löwenbräu.

Aber er liebte Autos. Sein erster Wagen war ein alter Mercedes 123, und irgendwie begann er, mit gebrauchten Autos zu handeln. Ganz gewöhnlichen Autos. Er hatte einen dieser typischen Gebrauchtwagenplätze an einer Ausfallstraße in München. Aber er wusste, dass das zu wenig sein würde – er wollte sich abheben. Also begann Mansory, seine Autos aufzupeppen. Ein individuelles Lenkrad hier, ein Schaltknüppel aus Holz da.

Das kam an. Andere wurden auf ihn aufmerksam. Darunter Großhändler. Mansory begann, die von ihm entworfenen Einzelteile in größerer Stückzahl zu produzieren. Wenig später kam eine Sattlerei hinzu. Er hatte seine Nische gefunden, belieferte Autotuner auf der ganzen Welt. Das Business lief so gut, dass er wachsen musste. Von München zog er 1999 nach Brand.

„Jetzt ist er durchgeknallt“

Aber immer nur andere Autotuner zu beliefern, langweilte ihn auch bald. Also fuhr er eines Tages nach München und kam mit einem brandneuen Bentley Continental GT für 180.000 Euro zurück. Seine Mitarbeiter waren entsetzt. „Jetzt ist er vollkommen durchgeknallt“, sagten sie. Einen Bentley, den Inbegriff britischen Understatements auf vier Rädern, tunen zu wollen, daran hatte sich noch niemand gewagt. Wahrscheinlich aus gutem Grund.

Mansory zerlegte den Wagen komplett, arbeitete an einem neuen Auftritt des Klassikers, an sportlichen Front- und Heckspoilern, an Schürzen. Er trimmte den braven Briten auf bitterböse. 2004 wurde der Bentley „made by Mansory“ auf der Tunermesse Essen Motor Show vorgestellt. Die sportlichen Tuningkits aus Carbon schlugen ein. Über 100 davon verkaufte Mansory im ersten Jahr, vor allem nach Kalifornien.