ZeitfragenWenn die Uhr die Spülmaschine ausräumen könnte

Judith Borowski von Nomos Glashütte
Judith Borowski von Nomos GlashütteNomos Glashütte


Judith Borowski arbeitete zunächst als Journalistin, Redakteurin (u.a. „Financial Times Deutschland“) und Buchautorin, ehe sie 2001 zu Nomos Glashütte kam. Dort ist sie Geschäftsführerin für Marke und Design und auch verantwortlich für die Unternehmenstochter Berlinerblau.


Capital: Wofür würden Sie sich gerne mehr Zeit nehmen?

JUDITH BOROWSKI: Für gute Freunde, gute Bücher und mehr Bildung.

Was bedeutet für Sie Entschleunigung?

Morgens die Zeitung wirklich von A bis Z zu lesen. Und den Zug anstelle des Flugzeugs zu nehmen.

In der Hektik des Alltags vergisst man viel zu oft …

… in Ruhe zu essen, Sport zu treiben und zurückzurufen.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, in welches Jahr würden Sie reisen – und warum?

Mitten in die wilden 20er-Jahre Berlins. Oder nach 1968. Der gesellschaftliche Aufbruch damals, das Hinterfragen, Aufbegehren, die Suche nach neuen Formen des Miteinanders – all das war enorm wichtig für unser Heute. Für Politik und Medien, die Liebe, fürs Essen, für Musik, die Bildende Kunst und das Design. Wie wichtig, das wird deutlich im Vergleich zur Gegenwart in jenen Ländern, die einst hinter dem „Eisernen Vorhang“ lagen und für die 1968 vornehmlich konnotiert ist mit dem Prager Frühling. Dieses Infragestellen und Aufbegehren würde uns – in neuer, veränderter Form – vielleicht auch heute wieder guttun. Viel zu vieles machen wir einfach, weil es eben so ist: Obgleich es vielleicht wesentlich bessere Alternativen für unser Tun geben könnte.

Wie sieht für Sie die Uhr der Zukunft im Jahr 2100 aus?

Bitte noch immer wie eine „Tangente“ von Nomos Glashütte!

Wofür schlägt ihr Herz: Handaufzug, Automatik, Quartz, Digital oder Smart?

Ich liebe den Handaufzug, doch da ich etwas vergesslich bin, trage ich lieber eine automatische Uhr. Die zieht sich schon beim Tippen dieser Zeilen von selbst auf.

Welchen Tag und/oder welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

Den 9. November 1989. Und 9/11. Und jene entsetzlich-schlaflose Nacht, als Donald Trump tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde.

Welche Komplikation, welches Feature würden Sie gern einmal in eine Uhr integriert sehen?

Pssst … Ich fände es wirklich super, wenn meine Uhr die Spülmaschine ausräumen könnte.

Ihr liebstes Buch mit Uhren-Bezug (egal ob Sachbuch oder Belletristik)?

„Die Zeit, die Zeit“ von Martin Suter, in dem sich der Protagonist Peter Taler mit der Möglichkeit konfrontiert sieht, die Zeit zurückzudrehen.

Ihr liebster Film, bei dem es um Zeit oder Uhren geht?

Da fällt mir leider gerade keiner ein.

Die größte Herausforderung …

… für einen Uhrmachermeister heute?

Ruhig, konzentriert und gelassen zu bleiben.

… für die Uhrenbranche insgesamt?

Ebenfalls: ruhig, konzentriert und gelassen zu bleiben. Und die Digital Natives für mechanische Zeitmesser zu begeistern.

… in Ihrem derzeitigen Job?

Nicht alles auf einmal zu tun, sondern wie unsere Uhrmacher: ruhig, konzentriert und gelassen. Und dabei stets neugierig zu bleiben.