Reise„Ist der Service anderswo mies, hat Daddy gute Laune“

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Wie erhält man sich die Lust am Business gehobener Gastlichkeit?

Sir Rocco Forte: Ich wollte nie Rennfahrer oder Rockstar werden, habe stattdessen mit 14 als Tellerwäscher in unserem damaligen Restaurant Café Royal gejobbt, stand an der Rezeption, im Weinkeller, prüfte später die Bücher. Der komplexe Mikrokosmos namens Hotel lässt einen entweder kalt oder nie mehr los. Unterschiedlichste Charaktere zu führen wie ein Dirigent sein Orchester, das bleibt eine spannende Herausforderung für die eigene Führungsstärke. Vor allem, weil es jeden Tag irgendwo im Betrieb richtig rund läuft, während eine andere Abteilung gerade zig Krisen meistert.

Irene Forte, gab es für Sie einen Plan B, eine reizvolle Alternative zur Hotellerie?

Irene Forte: Ich wollte immer eine Fußballmannschaft managen, ein Männer-Team. Bis mein Vater meinte, „My dear, das wird nie passieren.“

Sir Rocco Forte: Weil sie eigentlich wollte, dass ich ihr ein Team kaufe!

Irene Forte: Stimmt, das war mein unerreichbarer Traum. Stattdessen habe ich mit 16 angefangen, in den Ferien in einem unserer Hotels zu jobben, genau wie mein Vater früher. In unserem Golfresort Verdura auf Sizilien wollte ich eigentlich nur vier Wochen bleiben und blieb dann acht Monate. Später folgte ein Trainee-Programm unseres Brown’s Hotels in London – und jetzt bin ich schon sieben Jahre in der Firma.

Wir erleben seit Jahren einen weltweiten Bau-Boom von (Luxus-)Hotels. Wann ist dieser Markt in Ihren Augen ge- oder vielleicht auch übersättigt?

Sir Rocco Forte: Solange die lokale Wirtschaft wächst, etwa in Städten wie New York oder London, kann man natürlich weitere Hotels bauen. Manchmal dauert es allerdings, bis sich die Nachfrage dem wachsenden Angebot anpasst, etwa wenn gleich vier neue Häuser öffnen. Weniger dynamische Metropolen, die eine nicht so zahlungskräftige Klientel anziehen, kommen gleichwohl in Schwierigkeiten. Ein Stück weit zählt dazu Berlin, wo es vermutlich bereits mehr Zimmer gibt als in Manhattan, nur eben deutlich weniger finanzstarke Touristen.

Ihre aktuelle Expansion hat einen deutlichen Schwerpunkt in Italien. Warum?

Sir Rocco Forte: Ein Grund sind die fast 60 Millionen Touristen pro Jahr, die sich an Gastfreundschaft, Kultur, Landschaft und Küche erfreuen. Ein anderer sind die vielen Hotels unterschiedlicher Größe, die wunderschön nur leider etwas angestaubt sind. Da steckt für uns enormes Potenzial. Wer beispielsweise an der Amalfiküste ein Haus mit vielleicht 40 Zimmern aufmacht, wird es über viele Monate komplett ausbuchen können. Mir schwebt langfristig eine ganze Perlenkette solcher Häuser von Norden nach Süden vor. Und ein weiteres Haus in Deutschland!

Die Anbahnung neuer Projekte ist immer auch eine Geduldsprobe. Eine davon war Ihr Golfhotel Verdura auf Sizilien, das 2009 eröffnet wurde, oder?

Sir Rocco Forte: Oh ja! ich hatte in der Nähe der Küstenstadt Sciacca das perfekte Grundstück gefunden, direkt am Meer, einfach grandios. Statt eines roten Teppichs, den ich insgeheim für mein beträchtliches Investment erwartet hatte, begann eine echte Leidensprüfung. Denn: Es gab insgesamt 72 verschiedene Besitzer für die insgesamt 230 Hektar Brachland. Die alle an einen Tisch zu bringen und zum Verkauf zu bewegen war der erste kräftezehrende Akt.

Der zweite war die eigentliche Bauphase, die statt normalerweise drei Jahren dank der örtlichen Bürokratie gut acht Jahre gedauert hat. Schmerzvoll aber mit Happy End für alle Beteiligten, denn unser kleines Paradies mit seinen drei Golfplätzen ist für die Region mit bis zu 50 Prozent Arbeitslosigkeit ein wichtiger Lichtblick geworden.

Das neue The Westbund Hotel in Schanghai, das Ende des Jahres eröffnen soll, muss ebenfalls ein kulturelles Abenteuer gewesen sein.

Sir Rocco Forte: Vor allem der weite Flug jedes Mal hat mich körperlich gefordert, ich sollte häufiger meine Kinder schicken. Uns reizte einfach die Präsenz auf diesem Markt, der chinesischen Gästen hoffentlich Lust auf die Rocco-Forte-Häuser in Europa macht.

Irene Forte, für Spas zuständig zu sein, Massagetechniken zu suchen, Aromaöle und entspannende Musik auszuwählen – das klingt wie ein Traumjob.

Irene Forte: Ein Großteil meiner Arbeit liegt im Ausarbeiten und Überprüfen von Anwendungsprotokollen, die alles in Skizzen und bullet points bannen, was wir bieten wollen: von der Begrüßung des Gastes über das korrekt gedimmte Licht und vom ersten bis zum letzten Handgriff. Wenn ich also selbst mal auf der Liege liege, läuft in meinem Kopf die Checkliste mit, notiere ich mir in Gedanken, was ich lobenswert oder verbesserungswürdig finde. Entspannung ist etwas anderes.

Sir Forte, Sie sind mindestens das halbe Jahr unterwegs, teilen Sie zum Schluss zwei Erlebnisse mit uns.

Sir Rocco Forte: Auf den Malediven musste ich kürzlich für ein Glas mittelmäßigen Champagner 58 Dollar bezahlen. Das hat auch mich als Profi entsetzt. Und in Schanghai fiel mein Flug aus – ich schlief auf einer Airport-Bank.