InterviewHelmut Jahn: „Architekten sind keine Künstler“

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Aber der Raum ist begrenzt. Führt das nicht automatisch zu Verteilungskämpfen?

In vielen Fällen sind hohe Gebäude die Antwort. In Frankfurt planen wir den Eden Tower, das sind Luxuswohnungen in einem Hochhausturm. In Berlin-Kreuzberg planen wir ein Wohngebäude, das ist das genaue Gegenteil: Es geht um erschwingliche Wohnungen, auch und vor allem für Flüchtlinge.

Gerade Hochhäuser stoßen aber oft auf Ablehnung, besonders in Berlin. Die Sorge um das alte Gesicht der Stadt ist groß.

Das ist Quatsch! Das ist Irrsinn! Wenn man als Architekt, als Stadtplaner einen Weg findet, um ein Ziel zu erreichen, das ist ja das eigentlich Interessante. Aber hier in Berlin etwa steckt man überhaupt keine Ziele! Hier sagt man: Man darf nicht höher als 120 Meter bauen. Wir arbeiten zurzeit an einem Hochhaus am Europa-Center, das ist 300 Meter hoch. Das hat jetzt schon eine Diskussion ausgelöst, und es wird interessant sein zu sehen, ob sich die Stimmung da ändert.

Helmut Jahn, heute 80, wurde vor über 50 Jahren in Chicago zum Architekturstar
Helmut Jahn, heute 80, wurde vor über 50 Jahren in Chicago zum Architekturstar (Foto: U. Zintel)

Immer höher bauen klingt wie eine Diskussion der Vergangenheit. Erfordert nicht gerade die Klimakrise, mehr auf Raum und Grün zu setzen als auf Verdichtung?

Gerade die hohen und die kompakten Häuser sind das beste Mittel, um in Städten mehr offenen Raum zu schaffen. Die Grundstücke in der Stadt sind heutzutage so viel wert, dass man es einem Bauherrn erlauben muss, mehr zu bauen. Dann nämlich kann er ein besseres Gebäude schaffen. Die Obergrenze für die Höhe eines Gebäudes sollte die sein, an der es technisch unsinnig wird.

Ein Bauherr, mit dem Sie zu tun hatten, hatte viel Geld – aber auch eigenwillige Wünsche. Wie war die Erfahrung mit Donald Trump?

Wir haben uns eigentlich gut verstanden, Donald Trump und ich. Nur am Ende nicht mehr. Nach einer Besprechung hat sein Bruder Robert Trump mich an die Seite genommen und mir gesagt: „Helmut, du musst das echt lassen. Du bist der Einzige, der Donald sagt, was er nicht machen kann. Nicht mal Ivana darf das.“ Er lässt sich nicht gern auf Fakten ein, die ihm widersprechen. Aber wenn es um Statik, Bauten und Ökonomie geht, ist das schwierig.

Sind Sie im Streit auseinandergegangen?

Das Gebäude wurde genehmigt, aber nie dort gebaut. Trump hat das Grundstück weiterverkauft. Er hat Geld gemacht durch das, was man „Zoning“ nennt, man könnte auch Bodenspekulation sagen. Das ist ­eigentlich die risikoloseste Methode, um Geld zu verdienen.

Sie haben die Firmenzentralen von Xerox, Bayer oder der Post gebaut. Heute zählen zu den glanzvollsten neuen Gebäuden die Bauten von Google, Facebook, Apple – würde so etwas Sie auch reizen?

Ich würde lügen, wenn ich jetzt Nein sagen würde. Natürlich wäre das ein Traum. Aber in der Regel gibt es für solche Gebäude keine Ausschreibungen. Solche Konzerne hat es ja gar nicht gegeben damals, als es noch üblich war, dass sich Betriebe ein architektonisches Denkmal setzen. Jetzt setzen die Internetkonzerne dieses Denken fort, weil sie Geld wie Heu haben.