Interview„Ein klassisches Meisterwerk kann man nicht digitalisieren“

Floris van Bommel
Floris van BommelFloris van Bommel


Floris van Bommel führt mit seinen zwei Brüdern Reynier und Pepijn in neunter Generation die 1734 gegründete niederländische Schuhmanufaktur. Er ist zudem Creative Director einer nach ihm benannten jungen Marke und Protagonist der rund um den Globus produzierten Werbekampagnen.


 

Capital: Wie würden Sie Ihren Uhrengeschmack beschreiben?

FLORIS VAN BOMMEL: Ich stehe auf Klassiker. Updates mit neuen Materialien und neuen technischen Details sind aber okay.

Wie viele verschiedene Uhren tragen Sie im Laufe einer Woche?

Eine. Wenn ich wechsle, dann am Wochenende. Die jeweilige Uhr trage ich dann in der Folgewoche durch.

Nach welchen drei Kriterien suchen Sie eine (neue) Uhr aus?

Das oberste Gebot ist die „Liebe auf den ersten Blick“. Das zweite Kriterium: Mich an dieses Gebot zu halten und gleichzeitig zu überprüfen, ob mein momentanes Lieblingsobjekt wirklich richtig für mich ist. Und last, but not least: Möglicherweise auch länger darüber nachzudenken, ob ich nicht gerade zu impulsiv bin.

Können Sie sich noch an Ihre erste Uhr erinnern?

Meine Schlumpf-Uhr, auf der mit einem Schlumpf-Arm die Minuten und mit dem anderen die Stunden angezeigt wurden. Im Laufe der 80er-Jahre wurde ich dann „digitalisiert“, mit der weiterentwickelten Version des Modells.

Ihr bester Tipp zum Zeitsparen im Alltag oder Job?

Mein 30-Sekunden-Plan! Da ich immer zu spät bin, stelle ich vor allem morgens jede Aktion infrage. Jede Kleinigkeit, die ich glaube, noch zusätzlich tun zu müssen, beansprucht mindestens 30 Sekunden, die ich nicht habe. Ich wiederhole also ständig: „Dafür hast du, wenn überhaupt, 30 Sekunden“. Das hilft mir, fokussiert und in time zu bleiben, während ich mich gleichzeitig anziehe, frühstücke und versuche, pünktlich das Haus zu verlassen.

Ihr bester Tipp gegen Prokrastination/Verschieberitis?

Diese Frage beantworte ich später … Was im Alltag durchaus hilft, ist, Prioritäten zu setzen. Bei wichtigen Dingen: Just do it! Danach fühlt sich Entspannung umso besser an.

Warum hat die Armbanduhr bisher die digitale Transformation überlebt?

Die Schönheit eines klassischen Meisterwerks kann man nicht digitalisieren. Traditionelle Objekte, die ein solch hohes Maß an gewachsener Lebensart und Kultur verkörpern, behaupten ihren Platz zu Recht. Bei der Armbanduhr geht es um so viel mehr als den praktischen Nutzen der Zeitmessung. Sie ist ein kultiviertes Statement dafür, dass die Überdigitalisierung unserer Zeit nicht alles erobern kann.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten – in welches Jahr würden Sie reisen und warum?

Ich würde die Zeit um rund 15 Milliarden Jahre zurückstellen, also mindestens eine Milliarde Jahre vor der Entstehung unseres Universums. Wohin würde mich diese Zeitreise führen? Möglicherweise zum besten Blick hinter die Kulissen, den es je gab.

Welche Uhr ist Ihnen besonders lieb und teuer? Mit welchem Zeitmesser verbinden Sie besondere Erlebnisse, Anekdoten oder Menschen?

Für mich persönlich ist das die Rolex Datejust 36, ein All-Time-Klassiker. In meiner Kindheit und Jugend war dies die Uhr meines Vaters, die er gefühlt täglich und immer trug. Die Welt eines Kindes ist sehr klein. Lange Zeit war diese Uhr die Einzige, die aus meiner Perspektive ein Mann tragen konnte oder sollte. Mir war lange nicht bewusst, dass es überhaupt andere Optionen gab. So beginnt und endet für mich alles, mit der nostalgischen Rolex Datejust 36.