TeambuildingEscape-Rooms - vom Freizeitspaß zur Teambuilding-Maßnahme

Ein Spielleiter beobachtet die Teams und gibt, wenn nötig, Tipps
Ein Spielleiter beobachtet die Teams und gibt, wenn nötig, TippsJewgeni Röppel

Kay Militzer und seine Kollegen wissen, wie man Probleme löst. Das kleine Team, sieben Männer und eine Frau, arbeitet bei Airbus in Hamburg. Alle sind Ingenieure oder Techniker und in der Welt der Zahlen und Logik zu Hause. Was sie nicht wissen: dass ihnen das in der kommenden Stunde wenig nützen wird.

Es ist ein Freitagabend Ende Januar, das Airbus-Team feiert seine verspätete Weihnachtsfeier. Im Foyer des Hamburger Escape-Room-Anbieters Team Breakout erklärt ihnen eine Spielleiterin, was in den nächsten 60 Minuten passieren wird: Die Gruppe geht in einen Raum. Die Tür wird sich schließen. Dann bleibt ihnen eine Stunde Zeit, um ein Reihe von Rätseln zu lösen – damit sie aus dem Escape-Room wieder herauskommen. Eingebettet ist das Spiel in ein Science-Fiction-Szenario, es geht um das Überleben der Menschheit. Ein paar Tipps gibt die Spielleiterin noch. Vor allem: „Seid neugierig wie in Kindertagen.“ Dann geht’s los.

Es ist erst sechs Jahre her, dass der erste Escape-Room in Deutschland eröffnete – doch längst sind sie ein Hype. Das Spielprinzip dabei ist immer gleich: Ein Team muss sich in einer vorgegebenen Zeit aus einem geschlossenen Raum befreien, indem es eine Reihe komplexer Rätsel löst. Unterschiedlich sind die Geschichten, in die die Rätsel eingebettet sind – die Spieler müssen aus einem Gefängnis ausbrechen, einen Schatz suchen oder einen Mordfall lösen –, und natürlich die Rätsel selbst. Was als abseitige Idee begann, hat sich in kurzer Zeit als Freizeitspaß etabliert – für Gruppen von Freunden, Junggesellenabschiede oder, seit Kurzem, als Teambuilding-Maßnahme oder Betriebsfeier. Etwa 400 Anbieter betreiben in Deutschland heute rund 1000 Räume. Das Spiel mit dem Ausgang ist ein boomendes Geschäft geworden.

Die Manufaktur

Eine kleine Lagerhalle im Norden von Stuttgart. Dort, in einem Wohngebiet in Bad Cannstatt, hat die Firma Paperdice eine Werkstatt eröffnet. Paperdice ist ein Zusammenschluss mehrerer Firmen, darunter Betreiber von Escape-Room-Standorten. Das, was hier passiert, nennen sie eine Manufaktur für den Bau neuer Räume. Drinnen riecht es nach Holz, Lack und dem rußigen Brennkopf eines CO₂-Lasers. „Die Werkstatt war eine Unabdingbarkeit“, sagt Sebastian Frenzel, der die Produktion leitet. In den Anfangstagen der Branche war es üblich, dass die Betreiber ihre Rätselräume auch selbst herstellten. Doch die Gründer von Paperdice merkten bald, dass es Leute gibt, die zwar Escape-Rooms eröffnen wollen, sie aber nicht selbst bauen können. 2015 nahm die Werkstatt den Betrieb auf und konstruiert seitdem Räume für die eigenen Standorte und externe Kunden.

Das Team ist seitdem gewachsen. „Wenn wir gemerkt haben, dass wir etwas nicht selbst können, haben wir einen Fachmann dazugeholt“, sagt Frenzel. Zu den zehn Angestellten gehören heute unter anderem ein Zimmermann, eine Bühnenbildnerin, ein Elektrotechniker und natürlich ein Game-Designer. Vier bis sechs Wochen bauen sie an einem Raum, für den Kunden dann 40.000 bis 60.000 Euro zahlen.

Die Arbeit ist dabei eine Mischung aus minutiöser Planung und Entdeckergeist. Es entstehen Labore, Regierungssitze oder Raumschiffe, und immer suchen die Escape-Room-Bauer nach den verrücktesten Requisiten: bei Wohnungsauflösungen, bei Lieferanten für Spielautomaten oder auf Flohmärkten.