StreamingDie besten Wirtschafts-Dokus

Seit Jahren sind Dienste für Streaming wie Netflix und Amazon Prime auf dem Vormarsch
Seit Jahren sind Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime auf dem VormarschMohamed Hassan from Pixabay

Streaming kann bilden. Während sich viele Menschen zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus in den eigenen vier Wänden aufhalten, dient es vielen aber auch als willkommener Zeitvertreib. Dies sind auf Netflix und Amazon einige der besten Filme und Dokumentationen zum Thema Wirtschaft. Auch Disney+ hat etwas beizutragen.

#1 „Dirty Money – Geld regiert die Welt“, Netflix

Alex Gibney ist in Hollywood der Mann für harte Wahrheiten. In „Enron: The Smartest Guys in the Room“ (2005) zeigte er, wie es zu einer der größten Firmenpleiten der US-Geschichte kommen konnte. Für den Dokumentarfilm „Taxi to the Dark Side“ (2007) über die US-Folterpraktiken im Afghanistankrieg erhielt Gibney den Oscar. In der von ihm produzierten Netflix-Serie „Dirty Money – Geld regiert die Welt“ entlarvt er nun die Profitgier und Korruption großer Unternehmen. In der ersten Staffel ging es etwa um den Dieselskandal bei Volkswagen oder Donald Trumps dubiose Geschäftspraktiken.

Der Schwiegersohn und Berater des US-Präsidenten, Jared Kushner, ist der Antiheld der zweiten Staffel, die seit 11. März auf Netflix verfügbar ist. In seinen Mietobjekten sollen erschreckende Zustände herrschen, heißt es in der Beschreibung der Folge „Slumlord Millionär“. Weitere Themen sind Wells Fargo oder das schmutzige Geschäft mit dem Gold.

#2 „Fyre: The Greatest Party That Never Happened“, Netflix

„Fyre“ feierte am 18. Januar 2019 bei Netflix Premiere und ist bereits ein Klassiker der Wirtschaftsdokumentationen. Denn diese Geschichte ist derart wahnsinnig, dass sie eigentlich erfunden sein muss. Aber Start-up-Manie und Instagram-Hedonismus haben sie möglich gemacht. Fyre sollte ein Coachella auf Steroiden werden. Die Organisationen Billy McFarland und Rapper Ja Rule versprachen ein luxuriöses Musikfestival auf einer Privatinsel. Supermodels wie Kendall Jenner und Bella Hadid ließen sich als Werbefiguren anheuern.

Influencer und zahlungskräftige Gäste erwarteten Glamour à la „Der Große Gatsby“. Bekommen haben sie „Der Herr der Fliegen“. Denn vor Ort war rein gar nichts für den Massenansturm vorbereitet. Bei aller Schadenfreude auf dem Sofa ist die Dokumentation des Emmy-nominierten Regisseurs Chris Smith eine wertvolle Mahnung, bei allem Blendwerk auf Instagram den gesunden Menschenverstand nicht aufzugeben.

#3 „Der 13.“, Netflix

Das Erbe der Sklaverei prägt bis heute das Wirtschaftssystem der USA. Und nicht nur dort. Auf den Baumwollplantagen der Südstaaten wurden ökonomische Mechanismen entwickelt und verfeinert, die bis heute bei der Buchhaltung und im Kreditwesen Anwendung finden. Die barbarische Unterjochung von Menschen legte zudem den Grundstein für den wirtschaftlichen Aufstieg der ehemaligen Kronkolonie.

Die soziale Ungleichheit perpetuiert sich bis in die Gegenwart. Die privat betriebenen Gefängnisse der USA sind überproportional stark mit Afroamerikanern belegt und machen ihre Besitzer steinreich. Filmemacherin Ava DuVernay („Selma“) geht in ihrer Oscar-nominierten Dokumentation „Der 13.“ dem Erbe der Sklaverei im Amerika von heute nach.

#4 „Rettet den Kapitalismus!“, Netflix

Robert Reich war unter US-Präsident Bill Clinton Arbeitsminister der Vereinigten Staaten. In seinem Buch „Rettet den Kapitalismus! Für alle, nicht für ein Prozent“ warnte der Ökonom 2015: Der Kapitalismus zerstört sich selbst, wenn er auf den Profit der wenigen setzt. Regisseur Jacob Kornbluth geht der Frage nach, warum die Schere zwischen Arm und Reich in den USA derart extrem auseinanderklafft, wie dies die Demokratie bedroht und wie Bürger sich wehren können.

#5 „Inside Job“, Amazon Prime Video (kostenpflichtig)

Für diese Dokumentation müssen auch Kunden von Amazon Prime etwas bezahlen. Aber wer den Oscar-Gewinner von 2011 verpasst hat, für den ist das gut angelegtes Geld. Im Original von „Inside Job“ führt Matt Damon als Erzähler durch die wahre Geschichte der Finanzkrise von 2008. Regisseur Charles Ferguson erklärt für Laien verständlich, wie es zu der Blase auf dem Immobilienmarkt kommen konnte – und warum die Weltwirtschaft vor einer Wiederholung nicht gefeit ist.

#6 „Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt“, Amazon Prime Video

Ist der Kapitalismus überhaupt noch zu retten? Diese Frage wirft der Dokumentarfilm „Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt“ auf. Seine These: Die US-amerikanische Investmentbank ist in den vergangenen Jahren zum Symbol für Maßlosigkeit und ausufernde Spekulationen im Finanzbereich geworden, die dank ihrer Verbindungen in die Politik vor dem womöglich verdienten Aus bewahrt wurde. „Goldman Sachs ist mehr als eine Bank. Sie ist ein unsichtbares Imperium, dessen Vermögen mit 700 Milliarden Euro das Budget des französischen Staates um das Zweifache übersteigt“, hieß es 2012 zur Erstausstrahlung. Der französische Dokumentarfilm lief damals auf Arte.

#7 „Star Wars: Episode 1 – Die dunkle Bedrohung“, Disney+

Apropos Imperium: 1999 fragten sich Fans, ob George Lucas mit „Star Wars“ allen Ernstes Zollkriege gemeint hat. Viele Zuschauer waren bei der Rückkehr der legendären Science-Fiction-Saga von den parlamentarischen Aussprachen zum intergalaktischen Handel genervt. Rückblickend aber erkannte die „Washington Post“ erschreckend aktuelle Parallelen. 2018 kam die Zeitung zu dem Schluss: „’Star Wars 1′ handelt in Wahrheit von Präsident Trump.“

Wer mit der chronologisch ersten Trilogie durch ist, kann sich noch dem dunklen Treiben der Handelsföderation in der Serie „Star Wars: The Clone Wars“ auf dem neuen Streamingdienst widmen. Oder mit anderen Fans angesichts der neuen „Star Wars“-Filme rätseln, wie sich ein Imperium, das keine Steuern erhebt, eigentlich den Bau von Todessternen leisten kann.