GründerinnenDas sind die Gewinnerinnen der Cartier Women's Initiative

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Gleiches Gehalt für gleiche Arbeit als ethische Verpflichtung jedes Unternehmens

Bárbara Silva, Jurymitglied der Cartier Women’s Initiative 2020

Bárbara Silva unterstützt als CEO von Bestinnovation Firmen und Organisationen aus Lateinamerika dabei, internationale Investments zu erhalten. Sie selbst hält Anteile am Unternehmen Elibatt aus Chile, dass Lithium-Batterien mit dem Internet der Dinge verbindet. Außerdem ist Silva Initiatorin des Nonprofit Her Global Impact, das Gründerinnen mit erfolgreichen Frauen aus dem Silicon Valley verbindet. Als Direktorin der Singularity University Chile, Teil eines Netzwerkes weltweiter Veranstaltungen für den Austausch über neue Technologien und deren Auswirkungen auf das Business und die Gesellschaft, sorgt sie für Aufmerksamkeit für die Perspektive ihrer Heimat. Gleiches gilt für Silvas Rolle als Repräsentantin für Südamerika am Stanford Research Institute.

Welche Projekte, Firmen und Führungspersönlichkeiten beeindrucken Sie besonders? Und was eint diese?

Mich beeindrucken besonders die Führungspersönlichkeiten, die ihren Worten konkrete Taten folgen lassen. Es ist wichtig, den Unterschied zu sehen zwischen einem bloßen Marketing-Spruch ohne Substanz und Glaubwürdigkeit und der kraftvollen Botschaft eines authentischen Chefs, der transparent und konsistent in seinem Tun ist – und bescheiden auftritt.

Ich schenke solchen Projekten besondere Aufmerksamkeit, die Kreativität einsetzen, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Der Ausbruch von Covid-19 etwa hat die Bildung von etlichen innovativen Projekten mit Teilnehmern aus aller Welt ausgelöst: von der Entwicklung eines Impfstoffes über die Herstellung von Hygieneprodukten und Masken, etwa im 3-D-Druckverfahren, bis zur Bereitstellung von Patenten, damit Beatmungsgeräte leichter gefertigt werden können. Manche Unternehmen haben in Rekordzeit auf neuen akuten Bedarf reagiert. Sie alle kombinieren den Willen und die Fähigkeit zum Handeln mit einem Problem, dass der Markt lösen und bedienen will.

Die Unterstützung von Frauen im Job und auf allen Stufen ihrer Karriereleiter – Stichwort: female empowerment – ist schon lange Thema der öffentlichen Debatte und in vielen Unternehmen. Welche Zeichen für nachhaltige Fortschritte sehen Sie in diesem Bereich?

Zunächst signalisiert mehr als eine Frau im Vorstand zu haben, dass man als Unternehmen offen für Diversität ist und verschiedenen Standpunkten zuhört. Beim Vorstoß in die Chefetage wird Frauen helfen, wenn sie für steigende (Umsatz-)Zahlen sorgen. Als erfolgreiche Frauen sollten wir dabei so oft es geht in neue, von Frauen geführte Firmen investieren und ihnen zum Erfolg verhelfen. Zwei ganz konkrete Maßnahmen sind mir besonders wichtig: Gleiches Gehalt für gleiche Arbeit, und zwar nicht bloß als Option, sondern als ethische Verpflichtung jedes Unternehmens. Und außerdem die Möglichkeit für beide Elternteile, Erziehungsurlaub zu nehmen, wie es in vielen Ländern bereits Alltag ist. Das stärkt das Fundament einer Familie und vermittelt Kindern Sicherheit und Vertrauen.

Teilen Sie bitte den wichtigsten Karriere-Ratschlag mit uns und den Leserinnen und Lesern, den Sie je erhalten haben.

Ich hatte das große Glück, in meiner bisherigen Karriere von vielen Mentorinnen und Mentoren profitieren zu dürfen. Etwa von Joan Lyman, die ihre Firma Secureworks für 600 Mio. Dollar an Dell verkaufen konnte. Sie riet mir, mich auf mein Ziel zu konzentrieren und keine Sorge an etwaige Konkurrenz zu verschwenden. Von Pilar Manchón, der ein Exit durch Verkauf von Indisys an Intel gelang, lernte ich: Wer es schafft, seinen Kunden den von Produkten oder Angeboten in Form eines außergewöhnlichen Erlebnisses erfahren zu lassen, lässt jeden Mitbewerber hinter sich.

Auch Trish Costello hat mich sehr inspiriert, sie war CEO des Kauffman Fellow Program und gründete Portfolia, einen auf Frauen spezialisierten Investment-Fonds. Ihr Rat: Weil Frauen direkt oder indirekt an 80 Prozent aller Kaufentscheidungen beteiligt sind, ist es schon geschäftlich sinnvoll, sich mit einem Business auf ihre Bedürfnisse zu fokussieren. Und last not least hat mir Peter Diamandis einen wichtigen Denkanstoß gegeben, er ist Gründer der Xprize Foundation und der Singularity University. Seine Überzeugung ist, dass in den großen Problemen der Menschheit immer auch großartige Business Cases stecken. Du willst Milliardär werden? Dann übe eine positive Wirkung auf eine Milliarde Menschen aus.

Welches To-do auf dem Weg zu gleichen Möglichkeiten im Business für alle sollte für jeden Mann und jede Frau ganz oben auf der Agenda stehen?

Der derzeitige globale Notstand durch die Pandemie macht natürlich den Erhalt von Menschenleben zur obersten Priorität. Und nach dieser Krise, davon bin ich überzeugt, werden die Bildung und das Training autonomer Teams im Mittelpunkt stehen, die von überall aus zusammenarbeiten können. Und das macht das Geschlecht weit weniger relevant.

In welcher Situation sind Sie besonders für sich selbst, einer Kollegin oder einem Kollegen eingetreten?

Ich habe mal ein sehr großes Projekt mit einer Reihe von Geschäftsleuten entwickelt, deren Unternehmen rund 30 Prozent des Bruttosozialproduktes von Chile repräsentierten. Als eine Gruppe von Männern plötzlich meine Rolle als Managerin unter den Teppich kehren, ja, verschweigen wollte, habe ich sofort reagiert. Ich drehte einen kurzen Dokumentarfilm über Sinn und Zweck des Projektes und meinen Beitrag dazu, den ich einem Lokalsender zur Verfügung stellte. So fand das ganze Land am Schluss raus, wer für die Idee und ihre Umsetzung verantwortlich war.