Capital Watch AwardMatteo Thun: „Meine Uhren sind ein stilles ‚No Design’-Statement“

Matteo Thun
Matteo Thun@Nacho Allegre


Der Architekt und Designer Matteo Thun gründete 1984 in Mailand sein eigenes Studio, das heute auch eine Dependance in Shanghai besitzt. Zuvor erhielt Thun im Kunststudium Unterricht von Oskar Kokoschka, er war Mitbegründer des Kollektivs Memphis, Uni-Dozent und Kreativdirektor von Swatch. Zahlreiche Firmensitze, Hotels und Produkte tragen seine Handschrift.


Wie würden Sie Ihren Uhrengeschmack beschreiben?

Wie Sie sicher wissen, habe ich in den 90er-Jahren lange Zeit die Art Direction bei Swatch verantwortet und zuvor für Bulgari und Alessi entworfen. Sehr verschiedene Stilwelten also. Mein persönlicher Geschmack ist klassisch geblieben. Ich mag Uhren, die superflach sind, einen Kalender besitzen und automatisch laufen. Im Design gern stark zurückgenommen.

Wie viele verschiedene Uhren tragen Sie im Laufe einer Woche?

Ich habe 2002 eine eigene Armbanduhren-Kollektion entworfen, für Männer und Frauen gleichermaßen tragbar. Die Uhren sind rund oder quadratisch, das Ziffernblatt kommt ohne Indizes und Markenlogo aus. Dafür gibt es eine Fülle von Farbnuancen, wobei die Farben des Zifferblattes immer auf die Farbe des Lederbands abgestimmt sind.

Nach welchen drei Kriterien suchen Sie eine (neue) Uhr aus?

Mir gefallen meine Uhren – sie sind ein stilles „No Design“-Statement.

Können Sie sich noch an Ihre erste Uhr erinnern?

Ja, eine Bulova Accutron, die habe ich zur Firmung geschenkt bekommen.

Ihr bester Tipp zum Zeitsparen im Alltag oder Job?

Meine Assistentin und ich setzen uns jeden Abend zusammen und besprechen den folgenden Tag. Ich orientiere mich dann an dem daraus resultierenden kleinen Zettel, der alle Termine auflistet und den ich in meiner Jackentasche mit mir trage. Den regelmäßigen Blick auf die Uhr habe ich schon vor langer Zeit verinnerlicht.

Ihr bester Tipp gegen Prokrastination beziehungsweise Verschieberitis?

Einen Euro für jede Minute Verspätung in eine Spardose stecken. Oder dem Wartenden überreichen.

Warum hat die Armbanduhr bisher die digitale Transformation überlebt?

Weil sie Ausdruck unserer Individualität ist.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten – in welches Jahr würden Sie reisen und warum?

Ins Jahr 1927, weil ich mich gern mit Flugpionier Charles Lindbergh über seine Erfahrungen unterhalten würde.

Welche Uhr ist Ihnen besonders lieb und teuer? Mit welchem Zeitmesser verbinden Sie ein besondere Erlebnisse, Anekdoten oder Menschen?

All die wunderschönen Uhren, die ich meiner Frau geschenkt habe – und die ich ihr noch schenken werde.


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