Stilfragen„Der Casual Look braucht mehr Eleganz“

Strenesse-CEO Jürgen Gessler
Strenesse-CEO Jürgen Gessler


Jürgen Gessler ist seit Anfang des Jahres CEO des Nördlinger Modeunternehmens Strenesse New GmbH. Bis 2015 war er Chef von Porsche Design.


Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen in unserer digitalen Welt zunehmend. Alles wird individueller, da darf auch die Businessmode keine Uniform mehr sein. Freiheit in Passform und Stil macht den Office-Look zeitgemäß: Die Schnitte werden aktuell ein wenig weiter als noch in den Nuller Jahren. Zugleich ist die Businessmode heute weniger konventionell und bietet viel Spielraum, was Farben und Kombinationen betrifft. Schlussendlich besteht gute Mode noch immer aus hochwertigsten Materialien, detailgenauer Handwerkskunst und einem akkuraten Schnitt.

Was sind Dos and Don’ts im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption, in der Buchhaltung oder auf der Vorstandsetage?

Höflichkeit und Freundlichkeit stehen jedem gut. In Sachen Kleidung: Kurze Hosen sollte man eher in der Freizeit tragen als im professionellen Umfeld. Mode ist ein Kommunikationsinstrument – und sagt viel über ihren Träger aus.

Was sind die wichtigsten neuen Trends der kommenden Saison für Businessmänner und -frauen?

Teamgeist, gute Laune und Ausdauer. Modisch lassen sich sportive Elemente mit locker sitzenden Bundfaltenhosen sowie dem neuen Doppelreiher kombinieren. Lässig und stilbewusst dazu sind Sneaker oder Loafer – sowohl für Frauen als auch für Männer.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Auf jeden Fall einen perfekt sitzenden, schmal geschnittenen Travel-Anzug; damit liegt Mann immer richtig und wirkt entspannt maskulin und smart. Perfekt passt ein schlichter Kaschmirpullover, der auch mit einer Chino kombiniert werden kann. Das ist wirklich Business und Casual in einem. Außerdem natürlich der Parka. Der längere Trench. Der noch längere Wollmantel. Das sind alles Klassiker. Nicht zu vergessen: Der Smoking, heute auch gern zur Jeans getragen.

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Wir sollten in die Zukunft schauen, statt Vergangenes wiederzubeleben. Der Casual Look braucht aber definitiv weniger Straße und mehr Eleganz.

Kein Dresscode beim Bäcker

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Jeder, der seinen persönlichen Stil gefunden hat, ist auch eine Stilikone. Und alle, die immer nur die angesagteste Marke tragen, sind weiter auf der Suche und kein wirkliches Vorbild.

Welche modische Anschaffung war ihr bester Kauf?

Das sind immer die Stücke, die mich an besondere Menschen und Momente in meinem Leben erinnern.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Kein Dresscode, da ich sehr früh dran bin und die Brötchen auf dem Rückweg von meiner Joggingstrecke kaufe.

Ihre größte Stilsünde war …?

Ein Hemd in Kombination mit einem Pullunder.

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online?

Ich informiere mich über Mode überall: auf der Straße, in Boutiquen, im Kaufhaus und in den sozialen Netzwerken. Offline kaufe ich immer die Teile, die mehr als nur einen funktionellen Charakter haben. Laufschuhe dafür immer im Internet.

Kurz & knapp: Krawatte oder Fliege?

Weder noch. Beides sitzt mir zu eng am Hals.

Rasur: trocken oder nass?

Trocken, weil schneller.

Anzug: Doppel- oder Einreiher?

Das verfahre ich nach dem Prinzip 1:10.

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke?

Vom Mantel bis zum Outdoor-Parka!

Barfuß oder Lackschuh?

Barfuß = Freiheit.