StyleTraining im Anzug

Der Designer Ingo Wilts arbeitete unter anderem für Kenneth Cole und Tommy Hilfiger, aktuell ist er Chief Brand Officer und Vorstandsmitglied bei Hugo Boss.
Der Designer Ingo Wilts arbeitete unter anderem für Kenneth Cole und Tommy Hilfiger, aktuell ist er Chief Brand Officer und Vorstandsmitglied bei Hugo Boss.Hugo Boss

Capital: Wie fühlt es sich an, zurück in Metzingen zu sein, nach diversen spannenden Stationen, vorwiegend in den USA?

Ingo Wilts: Es war, wie nach Hause zu kommen. Ich wohne ja weiterhin in Amsterdam, konnte also recht schnell einsteigen, die neuen Kollegen kennenlernen und loslegen mit den ersten Kollektionen. Das war perfekt.

Mit welchen modischen Problemen hatte der Konzern bei Ihrem Dienstantritt zu kämpfen, was stand ganz oben auf Ihrer To-do-Liste?

Kämpfen musste ich nicht. Dafür ist Hugo Boss viel zu gut. Mein Ziel ist es, besonders die Kernmarke Boss qualitativ wie stilistisch fest im gehobenen Premiumsegment zu verankern. Auch arbeiten wir verstärkt daran, nicht allein auf „normale“ Looks zu setzen, sondern mehr Fashion zu wagen und modische Spitzen zu zeigen. Wir stehen weiterhin für Verlässlichkeit und ein hohes Produktniveau, doch aus dieser Komfortzone müssen wir unsere Kunden ein Stück weit herauslocken, sie überraschen. Mit Begehrlichkeit, Spannung, moderner Männlichkeit.

Wie ungewohnt war die neue Rolle als Chief Brand Officer und Teil des Boss-Vorstandes für Sie?

Ich war noch nie ein reiner „L’art pour l’art“-Designer und habe meinen Job immer schon zur Hälfte als zahlengetrieben aufgefasst. Das hat sich jetzt noch intensiviert, doch das liegt mir ebenso im Blut wie die kreative Entfaltung im Atelier.

Mit Ihrem Job stehen Sie in der Modebranche unter besonderer Beobachtung. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Ich lasse das nicht so an mich ran, sonst würde ich vielleicht nervös werden. Stattdessen mache ich es wie bei einem Marathon: Den läuft man nur nach vorn und schaut nie zurück.

„Ich designe nicht für Likes“

Welche Rolle spielen soziale Medien für die Modebranche?Hugo Boss Instagram

Ich designe nicht für Likes, soziale Medien sind für uns nur einige Instrumente unter vielen. Genauso wichtig sind Fotostrecken in Magazinen, die Schaufenster unserer Stores und natürlich unsere Laufsteg-Shows. Die Mode, die wir in diesem Kosmos zeigen, muss attraktiv, relevant und stilprägend sein. Das war vor Instagram nicht anders als jetzt.

Wie wichtig sind Kollaborationen, um neue Zielgruppen zu erreichen?

Wenn es passt, sind wir da durchaus offen. Wir hatten zum Beipsiel streng limitierte Kunst-Drucke auf Taschen oder eine tiefschwarze Capsule Collection, die mit einem unserer Parfüms verknüpft ist.