BusinessjetsPrivatjets - der neue Jetset

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Eigene Flotte

Gute Nacht! Der Airbus-Businessjet verfügt sogar über ein komfortables Schlafzimmer
Gute Nacht! Der Airbus-Businessjet verfügt sogar über ein komfortables Schlafzimmer (Foto: dpa)

Vor einem Jahr hat Nicolas Lohn Everyair gegründet. Die Frankfurter Aktiengesellschaft betreibt 22 eigene Maschinen, die Banken oder Privatinvestoren gehören. Von kleinen Propellermaschinen, die auf jeder Buckelpiste landen können, bis hin zu Interkontinentalfliegern mit allem Komfort. Everyair wirbt mit dem Slogan: „Privatjet fliegen, Economy zahlen“. Wie ist das möglich? „Durch unsere diversifizierte Flotte können wir genau den Jet zur Verfügung stellen, der benötigt wird. Somit haben wir kaum freie Plätze“, sagt Lohn. Auch seien die Flieger über die ganze Republik verteilt, sodass Leerflüge meist entfielen. Ein eigens entwickelter Algorithmus helfe zudem bei Kalkulation und Koordination. Steht kein eigener Jet zur Verfügung, greift Everyair auf das Angebot anderer Flotten zu.

Auf den Standardrouten der Linienflieger werde es allerdings schwierig, den Economy-Preis einzuhalten, räumt Lohn ein. Aber ein Flug von Berlin nach Salzburg und zurück kostet bei Everyair 633 Euro pro Person, vorausgesetzt, drei Passagiere sind an Bord. Der Linienflug sei gerade mal vier Euro billiger, rechnet Lohn vor, dauere dafür aber beinahe doppelt so lange, wenn es keine Direktverbindung gebe. „Wir fliegen nicht Hub-to-Hub, sondern Point-to-Point“, sagt Lohn. „Everyair erreicht 3500 Flugplätze in Europa. Das sind zehnmal mehr, als Airlines anfliegen können.“ Besonders für Unternehmer, die sich jenseits der Metropolen bewegen, bedeute das einen enormen Zeitvorteil.

Über den Wolken

Die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton hat den Zeitgewinn bei Businessflügen ausgewertet. Das Ergebnis: Der Privatjet spart im Schnitt 127 Minuten gegenüber Linienflügen. Bei jedem fünften Flug beträgt der Vorteil sogar mehr als fünf Stunden. Eine Faustregel besagt, dass sich berufliche Privatflüge ab einem Jahresgehalt von 150.000 Euro rentieren.

Und was ist mit den ganz privaten Privatflügen – in der Freizeit? Zum Selbstkostenpreis fliegt etwa, wer über den Flyt.club bucht, eine Mitflugzentrale, die Hobbypiloten vermittelt. 850 haben sich bereits registriert. Die Idee basiert auf einer Bachelorarbeit von zwei Studenten aus Leipzig. Gesetzlich ist es erlaubt, zahlende Gäste an Bord zu nehmen, nur verdienen dürfen die Piloten nicht an diesen Flügen. Einen Flug von Hamburg nach Sylt gibt es so für 82 Euro, einen Tagesausflug von Berlin nach Prag für 148 Euro.

In die Maschinen der Hobbypiloten würde Jay-Z vermutlich nicht einen Fuß setzen. Aber er glaubt an den boomenden Markt. Und so hat er in das US-Start-up Jetsmarter investiert, ebenso wie das saudische Königshaus und Goldman Sachs. Jetsmarter will nicht weniger als „den Luxus demokratisieren“. Über eine App können einzelne freie Plätze in Privatjets gebucht, ungenutzte Ressourcen ausgeschöpft werden. Wer einen kompletten Privatflieger über Jetsmarter chartert, kann über die App die freien Plätze anbieten – und somit den Preis senken. Die Sharing Economy erobert den Himmel. In den USA gilt Jetsmarter bereits als das Uber der Lüfte.

Anbieter

Call a Jet: Deutscher Charterbroker. Über eine App Zugriff auf 12.000 Jets weltweit. Bietet auch Leerflüge an. callajet.de

Everyair: Das Frankfurter Unternehmen unterhält eine eigene Flotte. Wirbt mit Preisen „wie in der Economyclass“. everyair.de

Netjets: Premiumanbieter mit Teilhaberkonzept. Hat 700 Maschinen weltweit, gehört Warren Buffett. netjets.com

Surf Air: Auf ausgewählten Strecken setzt der Flatrate-Anbieter auf All-You-Can-Fly gegen einen Monatsbeitrag. surfair.com

Lunajets: Die Schweizer waren die Ersten, die in Europa Leerflüge und einzelne freie Plätze in Privatfliegern anboten. lunajets.com

Flyt.Club: Das Mitflug-Start-up aus Leipzig vermittelt Flüge mit Hobbypiloten gegen eine Kostenbeteiligung. flyt.club