BusinessjetsPrivatjets - der neue Jetset

Die zweistrahlige Cessna ­Citation CJ2+ ist in Europa der meistgebuchte Businessjet
Die zweistrahlige Cessna ­Citation CJ2+ ist in Europa der meistgebuchte BusinessjetGetty Images

Wie es sich für einen Superstar gehört, landet der Rapper Jay-Z im Privatflieger in Berlin. Mit an Bord sind seine Frau Beyoncé, die gemeinsamen Kinder und deren Nannys. Auf ihrer Welttour ist der Jet das zweite Zuhause der Superstars. Mit luxuriösem Schlaf- und Wohnzimmer, einer edlen Küche, zwei Bädern und 15 Plätzen für die Entourage. Erst wenige Stunden vor dem ausverkauften Konzert im Olympiastadion Ende Juni landet die Challenger 850 auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld. Rund 40 Mio. Dollar hat die Maschine gekostet. Beyoncé schenkte sie ihrem Ehemann vor sechs Jahren – zum Vatertag.

Privatjets prägen immer noch das Image von Promipaaren und Milliardären. Dabei sind die Zeiten, in denen nur Wirtschaftsbosse, Spitzensportler und Film- und Popstars sich diesen Luxus gönnen können, längst vorbei. Neue Anbieter strömen auf den Markt, die zweierlei verbinden wollen: den Komfort des Privatfliegens mit moderaten Preisen.

Everyair aus Deutschland ist ein Beispiel. Oder Lunajets aus der Schweiz. Beide vermarkten ihre Angebote mit Slogans wie „Privatjet fliegen, Economy zahlen“ oder „Pay less, fly more“. Mit Surf Air gibt es sogar einen All-you-can-fly-Anbieter. Eine Flatrate fürs Fliegen auf ausgewählten Strecken. Andere Anbieter haben sich auf „Empty-Leg-Flights“ spezialisiert – Leerflüge zurück zum Heimatflughafen oder hin zum nächsten Kunden – und versprechen dabei Rabatte von 75 Prozent.

Das Potenzial ist enorm. Laut Richard Koe, Geschäftsführer bei Wingx Advance, einem auf Luftfahrt spezialisierten Beratungsunternehmen, heben 36 Prozent aller Privatjets in Europa ohne Passagiere ab. Das entspricht etwa 100.000 Leerflügen im Jahr. Desaströs für die Umweltbilanz, teuer für die Unternehmen. Koe ist sich sicher: Durch eine bessere Auslastung werden in den kommenden Jahren die Preise sinken. „Die Branche entwickelt sich zu einer Art Spotmarkt“, sagt Koe.

Möglich macht das moderne Software. In Echtzeit liefert sie Daten über Tausende Privatflieger, erfasst, wann und wo sie sich befinden. In Europa gibt es rund 2000 Jets, die 800 Gesellschaften gehören. Die zu koordinieren ist die Herausforderung. Bislang buchte ein Kunde einen Flug, vom Zielort flog die Maschine leer zurück. Durch eine bessere Vernetzung der Flieger lässt sich viel Geld sparen.

Vorreiter Netjets

In den 80er-Jahren befanden sich viele Businessjets in Privatbesitz, standen die meiste Zeit am Boden – und verbrannten Geld. So erging es auch dem US-Milliardär Warren Buffett. Dann hörte er von Netjets. Die kleine Firma war in den 60er-Jahren von drei US-Militärpiloten gegründet worden. 20 Jahre später revolutionierte sie den Markt der Privatflieger, indem sie auf das Konzept des Teileigentums setzte – und bis heute daran festhält. Über die Teilhaberschaft kaufen die Kunden ein bestimmtes Kontingent an Flügen, die sie beliebig nutzen können. Netjets garantiert, innerhalb von zehn Stunden vor Ort zu sein. Egal wo.

Buffett war begeistert. 1998 kaufte er Netjets. Mittlerweile ist die Flotte auf 700 Maschinen gewachsen, 100 Flieger sind in Europa stationiert, unter anderem auf dem Flughafen Egelsbach bei Frankfurt, den Netjets 2009 erwarb. Mit Preisen ab 5000 Euro pro Flugstunde gilt Netjets immer noch als Luxusanbieter.