Interview„In jedem Moment erschafft man seine eigene Zukunft“

Catherine von Fürstenberg-Dussmann
Catherine von Fürstenberg-Dussmann ist Vorsitzende des Stiftungsrates der Dussmann Group. Der Dienstleistungskonzern setzt weltweit mehr als 2 Mrd. Euro um. In Berlin betreibt das Unternehmen ein Kulturkaufhaus.


Wie bleibt man zukunftsfähig? Und wo bleiben dabei die Menschen? Wie wird die Zukunft der Arbeit gestaltet – und vor allem der Weg dort hin? Was treibt Unternehmenslenker um? Wenn Unternehmen sich neu erfinden müssen, um sicher auf Kurs zu bleiben: Was ist unverzichtbar? Stefanie Unger hat Strategen und Denker namhafter Unternehmen nach diesen und vielen weiteren Faktoren befragt – mehr auf www.zukunftsfähig.com.


Was hält Sie nachts vom Schlafen ab?

Gewöhnlich bete ich, bevor ich einschlafe. Ich bete vor allem für Frieden in der Welt, weil es mich sehr besorgt, was die Menschen einander antun. Auch meine Kreativität hält mich nachts wach. Mein Kopf hört nie auf zu denken. Neue Ideen kommen mir oft buchstäblich über Nacht.

Von welcher Firma können wir am meisten lernen und warum?

Vermutlich kann man von seiner eigenen Firma am meisten lernen. Jedes Unternehmen ist ja ein eigenständiges Ökosystem. Es ist etwas Persönliches und Individuelles und steht im Zusammenhang mit Ihrer Vergangenheit, Ihrer Gegenwart und mit dem, was Sie erreichen wollen. Außerdem lernt man sicherlich von den Menschen, mit denen man zusammenarbeitet. Man kann aus den eigenen Fehlern lernen – und von seinen früheren Erfolgen. Ich lerne natürlich auch aus meinen eigenen Erfahrungen und versuche außerdem, von anderen zu lernen.

Was haben Sie denn von sich selbst gelernt?

Ich habe gelernt, wie es ist, für Dussmann tätig zu sein, auf unterschiedlichen hierarchischen Ebenen. Einmal habe ich unerkannt fünfeinhalb Wochen lang als Reinigungskraft in meiner eigenen Firma gearbeitet – und eine Menge dabei mitgenommen! Als Dienstleister helfen wir ja anderen dabei, ihre Probleme zu lösen. Das ist eine Bildungsreise, eine Evolution. Man entwickelt sich als Person und zugleich möchte man die Firma weiterentwickeln, die den eigenen Namen trägt.

Wer plant eigentlich die Zukunft der Firma Dussmann?

Das Unternehmen wird derzeit von einem sechsköpfigen Executive Board geführt, mit einem Sprecher. Einen CEO gibt es nicht mehr. Unser Chief Strategy Officer – CSO – ist ein sehr talentierter professioneller Stratege. Wir motivieren aber alle Mitglieder des Boards, zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens beizutragen, und das tun sie auch sehr erfolgreich. Am runden Tisch, genau an diesem hier, finden häufig Brainstormings statt. Ich frage: Was liegt Euch auf dem Herzen? Dann betrachten wir die Dinge von allen Seiten, und es ist großartig, welche Lösungen dieses Team dabei entwickelt.

Wenn Sie ein Problem erkennen und eine brauchbare Lösung anbieten können, werden Sie immer auch eine neue Nachfrage und damit neue Kunden generieren.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann

Wie lang- oder kurzfristig müssen wir die Zukunft aus Ihrer Sicht planen?

Ich glaube, dass man in jedem Moment seines Lebens seine eigene Zukunft erschafft. Wenn sich ein Hurrikan nähert, muss man ihn durchstehen… ganz egal, ob der nun Irma oder Amazon heißt, wie dies bei unserem Buchhandel der Fall ist. Dies gilt insbesondere für Unternehmen im Familienbesitz. Sie fragten mich eingangs, was mich nachts wach hält? Sie sollten mich vielleicht eher fragen, was geschieht, wenn ich morgens aufstehe: Denn rund 65.000 Menschen hängen von meinen Entscheidungen ab. Dazu vielleicht noch 200.000 Kinder. Das ist mein erster Gedanke, bevor ich morgens einen Fuß aus dem Bett setze. Was ich heute tue, kann jeden dieser Menschen in guter oder schlechter Weise beeinflussen. Ich denke, man muss das im Ganzen betrachten und den Menschen eine Beschäftigung bieten, in der sie sich entwickeln können; und sie dabei angemessen entlohnen. Darüber hinaus braucht man einen stimmigen Finanzplan und sollte lieber organisch wachsen als blind zu akquirieren.

Wie können wir die Probleme der Zukunft lösen?

Ich bin bereits durch die Arbeit des “House of One” in Berlin (Anmerkung des Herausgebers: ein weltweit einmaliges Bauprojekt, bei dem Juden, Christen und Muslime unter einem gemeinsamen Dach eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee errichten) religiös engagiert. Und wir arbeiten an diversen Themen, die vielleicht kein klassisches Facility Management in dem Sinn betreffen – aber die ein Problem angehen, mit dem unsere Kunden ständig zu tun haben. Auf diese Weise habe ich die Kultur des Dussmann Kindergartens entwickelt: Frauen wollen einem Beruf nachgehen, zugleich aber ihre Babys bei sich haben und sie angemessen versorgen. Warum sollte sich eine berufstätige Mutter schuldig fühlen? Unser Kindergarten ist zu jeder Zeit besetzt, und zwar an jedem Tag des Jahres, wenn der Kunde dies so wünscht. Wenn Sie ein Problem erkennen und eine brauchbare Lösung anbieten können, werden Sie immer auch eine neue Nachfrage und damit neue Kunden generieren.