KolumneWollen Sie Boni oder gute Manager?

Seite: 2 von 2

Dummheit an vorderster Front

Was heißt das in der Folge also für die Deutsche Bank & Co., die eisern an ihrem Bonussystem festhalten? Ganz einfach: Die Deutsche Bank belohnt weder die fähigsten, noch die innovativsten oder die leistungsstärksten Mitarbeiter, sondern lediglich die pfiffigsten und abgebrühtesten.

Unter diesen pfiffigen Managern können durchaus auch großartige Banker sein, das schließe ich gar nicht aus. Aber das Bonussystem gewährleistet das eben nicht. Es besteht nicht einmal eine Korrelation zwischen „Mensch, der Boni erhält“ und „guter Banker“, geschweige denn eine Kausalität, die ein Bonussystem begründen könnte.

Wenn John Cryan also mit Boni argumentiert und sie rechtfertigt, finde ich das aus Personalsicht schlicht dumm. Denn er schart nicht unbedingt die besten Banker um sich, nur weil sein Unternehmen beeindruckende Boni zahlt. Vielmehr stellt er damit sicher, dass er ein schädliches Gehaltssystem aufrechterhält und so seine eigene Bank korrumpiert.

Lassen Sie diesen Mist!

An Herrn Cryan und alle Bonuszahler kann ich daher nur zum wiederholten Male appellieren: Bitte lassen Sie diesen Quatsch! Boni sind ungemein schädlich.

Bei dieser Meinung bleibe ich übrigens, auch wenn die „Süddeutsche Zeitung“ und viele weitere Medien und Manager argumentieren: „Ohne die Aussicht auf die Bonus-Karotte macht man in diesen Kreisen keinen Finger krumm.“ Denn wenn diese Aussage stimmt, dann ist es jetzt erst recht an der Zeit, die Banken auf intelligentere, moderne Füße zu hieven und sie ins 21. Jahrhundert zu holen. Das wird bei manchen Managern den Effekt haben, dass sie ins Nachbarhaus wechseln, und das ist schmerzhaft. Aber gleichzeitig ziehen Institute ohne Boni andere Leute an, die obendrein vielleicht noch die besseren Banker sind.

Und weil ich weiß, dass kein Manager dieser Welt von schönen Worten und Vollmers Weisheiten leben kann, möchte ich noch einmal ganz klar sagen: Die schlichte Verdiensthöhe ist mir schnuppe, es geht mir gar nicht darum, dass die Manager unterm Strich weniger verdienen sollen. Aber lassen wir doch bitte den alten Bonuskrampf und die ewige Diskussion darum herum weg.

So, damit wäre dann auch mal wieder alles gesagt zu einem steinalten Thema, das sich doch immer wieder zum empörenden Dauerbrenner aufschwingt. Zu dem von unzähligen Kollegen eigentlich schon alles geschrieben und das eigentlich schon hinlänglich wissenschaftlich erforscht ist. Das man aber offensichtlich gerne weiterhin ignorieren möchte.