Act D!fferent KonferenzWir Deutschen werden schnell missverstanden

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Danke für die Blumen-Floskeln und Ihr Gegenüber blüht auf

„I am so terribly sorry, Mrs. Kilian is not in“, gilt das überall auf der Welt als klare, eindeutige Information. Der gleiche Satz  auf Deutsch: „Oh es tut  mir so furchtbar leid, ich befürchte fast, Frau Kilian ist nicht da“, löst in uns Misstrauen aus. Floskeln verwirren und verunsichern uns. Wir bevorzugen „die klare Ansage“. In den meisten Kulturen ist das „freundliche Verpacken“ von Informationen unverzichtbar.

„I so much appreciate you took your time and the extra effort to come all the way from New York.“ Was im Deutschen schnell übertrieben und schmeichlerisch wirkt, ist international der Schlüssel zu einer guten Gesprächsatmosphäre.

„Fantastic, outstanding, marvellous“, Amerikaner präferieren Superlative,  die für uns schnell exaltiert klingen können. In Staaten wie Brasilien, Indien, China oder Südafrika dauert der Small Talk länger. Zwischen Männern in China gehört es zum guten Ton, sich Komplimente zu machen. Deshalb rate ich chinesischen Kunden: ,,Machen Sie beim ersten Treffen mit einem deutschen Mann bloß keine Komplimente. Der kriegt Angst.“

Es gibt auch Tabus

Religion, Politik und schwierige soziale Themen gehören zu den klaren Tabus. „Mensch, in Mexiko habt ihr momentan ein echtes Problem mit der Drogenmafia“, stellen die deutschen Kollegen einer mexikanischen Seminarteilnehmerin gerne fest. Diese empfindet es als zutiefst verletzend, regelmäßig auf die Missstände in Ihrem Heimatland angesprochen zu werden.

Wir geben einem Gespräch gerne Tiefe auch dadurch, dass wir Probleme direkt ansprechen. Die Dinge beim Namen zu nennen kann für unseren Gesprächspartner ein schmerzhafter „Gesichtsverlust“ sein. Auch Südafrikaner und  Inder werden nicht gerne auf die Gewalt und Massenvergewaltigungen in ihrem Land angesprochen. Es ist so, als würde man uns ständig an Hitler und den Zweiten Weltkrieg erinnern.

Schwärmen Sie einfach: ,,Mexiko hat eine spannende Kultur und 5000 Jahre Geschichte.“ Jeder redet gerne über sein Land – warum fangen wir nicht bei den schönen Dingen an? Dann klappt’s auch mit den Nachbarn – weltweit!

 

Susanne Kilian erlebte als Uno-Dolmetscherin, wie schnell es zu Missverständnissen kommt, die viel Zeit und Geld kosten. Aus den Erfahrungen ihrer mehr als 15-jährigen UN-Laufbahn hat sie einen „Kommunikations-Werkzeugkasten“ entwickelt. In ihren Seminaren und Vorträgen erstellt sie für und mit ihren Kunden wirkungsvolle sowie erfolgreiche Gesprächsstrategien. Im Juni 2015 erscheint Ihr Buch : „Don’t let me be misunderstood“.