Die Höhle der LöwenWie ein 79-Jähriger zum Gründer wurde

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Nach einigen Fehlversuchen fand er zu Gartengeräten. Ein paar Jahre zuvor hatte er aus einem Abflussrohr einen gebogenen und spitz zulaufenden Spaten gebastelt, mit dem er leichter Bäume verpflanzen konnte. Nun baute er eine Version aus Edelstahl und meldete ein Patent an. Als es ihm später immer schwerer fiel, das Unkraut in seinen Rosenrabatten zu jäten, entwickelte er 2013 außerdem eine Harke mit langem Stiel und dreieckigen Zacken. Damit konnte er Wurzeln auch im Stehen herausreißen. Weitere Funktionen, dachte er, seien nützlich – und fügte eine Spitze zum Auflockern der Erde hinzu und zwei scharfe Seitenkanten zum Entfernen von Gestrüpp. Das Gerät nannte er Ruwi Multiharke.

Die erste Erfindung von Rudolf Wild, der gebogene, spitz zulaufende Spaten
Die erste Erfindung von Rudolf Wild, der gebogene, spitz zulaufende Spaten

Acht Stunden stand er jetzt täglich in der Werkstatt und baute Spaten und Harken aus Edelstahl. Seinen Schreinermaschinen aus den 60er-Jahren gab er neue Funktionen: Mit der Furnierpresse bog er die Spaten, die Hobelschleifmaschine schärfte die Kanten der Harke. An den Wochenenden fuhr er mit seinem Wohnwagen auf kleine Gartenbaumessen und versuchte, Hobbygärtnern seine Produkte zu verkaufen.

„Als ich mit dem Spaten anfing, war meine Frau überhaupt nicht begeistert“, sagt er heute. Das Patent, der Wohnwagen, der Stand – all das war teuer. Und der Spaten brachte kaum etwas ein. Erst mit der Harke wurde es etwas besser. Auch seine Schwester verstand nicht, warum er so viel Zeit in etwas investierte, was kaum Ertrag brachte. Aber Wild trieb etwas anderes an. Immer wieder seien Leute zu seinem Stand gekommen und hätten gesagt, dass sie seine Geräte nicht mehr hergeben mögen. „Ich brauche diese Anerkennung“, sagt er. Als ihm sein Sohn vom „Löwen“-Casting erzählte, war er sofort begeistert.

Bei der Aufzeichnung der Show war Wild als Allerletzter dran. „Wie ich dann zu den ,Löwen‘ kam, wurde es ganz einfach“, erzählt er. Ralf Dümmel bot ihm 80.000 Euro für 30 Prozent seiner Anteile, zwei Wochen später fuhren Vater und Sohn nach Hamburg, um die Details zu besprechen. „Wir haben uns vorher eigentlich keine Gedanken gemacht“, sagt Rudolf. Deswegen waren sie auch nicht traurig, als Dümmel und sein Team ihnen anboten, sich um alles zu kümmern: Produktion, Vertrieb und Werbung. Rudolf Wild verpflichtete sich im Gegenzug, für Werbeauftritte zur Verfügung zu stehen. Die Rechte an Ruwi Gartengeräte gehören zu 70 Prozent ihm und zu 30 Prozent DS Produkte. Wilds Anteile an den Einnahmen fließen an seine alte Firma Baunacher Holzwerkstätten, die das Patent für die Harke besitzt.

Über all diese Details durfte Wild zu Hause niemandem etwas erzählen – Geheimhaltung bis zur Sendung. Auf der Fahrt nach Hamburg war er über eine Treppe gestürzt und hatte sich an der Hand verletzt. Zu Hause sprach er von einem Unfall in der Werkstatt. Wenn er dann nach Köln und Düsseldorf fuhr, um die Werbekampagne vorzubereiten, brauchte er jedes Mal eine Ausrede. Und als er sich einen SUV kaufte, dachten die Baunacher, er sei endgültig übergeschnappt.

Er habe jahrelang finanzielle Probleme gehabt, sagt Wild. Sein Haus im Garten hinter der Werkstatt musste er 2008 verkaufen. Wenige Jahre später fing er an, ein neues Haus zu bauen – eigenhändig, mit 71. Seine Nachbarn waren sich einig: Das wird nichts mehr. Aber nun werde das Haus wohl jemand anders für ihn fertigstellen, sagt Wild.