GründerWie zwei Väter ein digitales Abspielgerät für Kinder erfanden

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Struppi half

Das Hörspiel beginnt, sobald eine Figur auf der Box sitzt
Das Hörspiel beginnt, sobald eine Figur auf der Box sitzt

Mit Adidas-Kappe und Vans-Skaterturnschuhen sitzt er an diesem Herbsttag in den Boxine-Firmenräumen mit Blick auf einen Backsteininnenhof. Faßbender hat Grafikdesign studiert. Als er im Winter 2013 auf die Idee mit der Hörspielbox kommt, hat er gerade seinen Job als Kreativdirektor einer Werbeagentur aufgegeben, um den Kopf frei für Geistesblitze dieser Art zu haben.

15 Jahre lang hat er zuvor Kampagnen für Spielkonsolen, Handys, Mobilfunktarife entwickelt. Nun will er raus aus der Mühle und ist es leid, die Produkte anderer zu bewerben. Toniebox ist nicht seine erste Firma: Mit zwei Freunden gründete er 2008 Bolzklub.de, eine Online-Plattform für ehemalige Fußballer.

Sie stecken viel Zeit und Energie in das Start-up, arbeiten an den Wochenenden, im Urlaub, gewinnen Tausende User. Doch um wirklich ernst zu machen, müssten sie ihre gut bezahlten Jobs hinschmeißen und sich Bolzklub.de zu hundert Prozent widmen. Faßbender ist gerade Vater geworden. „Wir waren damals nicht reif genug, diesen Schritt zu gehen und uns auf das Abenteuer Gründen einzulassen“, erzählt er. Also schalten sie die Plattform ab und liquidieren die Firma.

Fünf Jahre später fackelt Faßbender nicht lange: Er durchforstet das Internet nach Studien zu Kinderdesign, zeichnet Entwürfe, klappert auf der Suche nach Materialien Handwerksbetriebe im ganzen Ruhrgebiet ab. Als sein Blick zufällig auf seine Sammlung von Struppi-Figuren fällt, ist auch die Idee mit den Hörspielfiguren geboren. „Das war ein Heureka-Moment. Ich wusste sofort, dass Kindern das gefallen wird“, erzählt er.

Der Grafikdesigner Faßbender weiß außerdem, dass er sich einen Geschäftspartner an Bord holen muss, der sich mit Technik und Finanzen auskennt. Marcus Stahl scheint der perfekte Partner. Er ist Ingenieur, die beiden haben sich im Vorstand des Elterninitiativkindergartens ihrer Kinder kennengelernt. Stahl, ein Mann mit schwarzem Poloshirt und Hornbrille, Sohn eines Konditormeisters und einer Erzieherin, war schon als Kind technikaffin.

Auf dem Speicher seiner Eltern schraubte er Elektrogeräte auseinander, baute Lautsprecher und ein Lichtpult für seine Band. Nach dem Realschulabschluss machte er zwei technische Ausbildungen, bevor er sein Abitur nachholte und Elektrotechnik studierte. 15 Jahre arbeitete er für Nokia und verantwortete dort zuletzt den Automotive-Bereich.

Als das Unternehmen 2008 seinen Standort in Bochum schließt und Tausende Mitarbeiter entlässt, kaufen Stahl und vier Kollegen diese Sparte in einem Management-Buy-out aus dem Konzern heraus und führen sie in Eigenregie weiter. Das läuft so lange gut, bis es unter den Gesellschaftern zum Machtkampf kommt, so erzählt es Stahl. Er landet in diesem Zug auf einem einflusslosen Posten, hat weiter einen tollen Dienstwagen, ein Riesengehalt – aber nichts mehr zu melden. „Ich war total durch den Wind. Das war eine sehr harte Zeit, schließlich hatte ich in das Unternehmen viel Herzblut und auch Geld gesteckt“, erinnert er sich.

Umso besser gelaunt ist Faßbender, als er in das triste, funktionale Büro seines zukünftigen Partners marschiert und ihm einen grünen Stoffwürfel mit der Janosch-Spielfigur Günter Kastenfrosch auf den Tisch stellt, um seinen Einfall zu demonstrieren. „Das war wie die Rettung, ein Hoffnungsschimmer“, erzählt Stahl. „Tausend Dinge gingen mir durch den Kopf: Das passt, ich habe Zeit, lass es uns tun.“ Im Oktober 2013 schreibt er seine Kündigung und verzichtet auf seine Einlagen, damit verliert er Hunderttausende Euro.