AnalyseRüstungsexporte? nicht so wichtig

Leopard-Panzer, ein deutscher Export-Schlager
Leopard-Panzer, ein deutscher Export-Schlager
© Getty Images

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat den Export eines Rheinmetall-Gefechtsübungszentrum nach Russland gestoppt und die Kleinwaffen-Firma Sig Sauer soll laut Süddeutscher Zeitung illegal Waffen nach Kolumbien geliefert haben.

Durch diese beiden Ereignisse ist die Diskussion um deutsche Rüstungsexporte voll entbrannt. Immer wieder führen dabei die Verteidiger einer laxeren Exportpolitik auch Arbeitsplätze als Argument ins Feld. So warf etwa der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer seinem Koalitionskollegen Sigmar Gabriel vor, mit seinem Kurs Arbeitsplätze zu gefährden. Seehofers Wirtschaftsministerin Ilse Aigner sekundierte, dass die deutsche Rüstungsindustrie „Kompetenz und Arbeitsplätze“ verlieren könnte, wenn es so weiter ginge.

Dass Kompetenz verloren gehen würde, wenn Rüstungsunternehmen schließen müssten, ist unstrittig.
Aber wie viele Arbeitsplätze hängen an den deutschen Rüstungsexporten? Und wie wichtig sind sie für die deutsche Exportwirtschaft allgemein?

CAPITAL gibt einen Überblick anhand der fünf größte Rüstungslieferungen des vergangenen Jahres.

Alle Daten stammen aus dem Rüstungsexportbericht der Bundesregierung für das Jahr 2013. Nicht immer können wir genau aufschlüsseln, was exportiert wurde und welche Firmen beteiligt sind, weil der Bericht selbst da ungenau ist. Wo sich das sagen lässt, haben wir Medienberichte und auf die Waffenhandel-Datenbank des schwedischen Forschungsinstitut Sipri zurückgegriffen. Bei den Mitarbeiter-Zahlen der Unternehmen ist auch Vorsicht geboten, da etwa in der Mercedes-Fabrik in Wörth nicht nur militärisch genutzte Unimog-LKW gebaut werden, sondern auch zivile Modelle.

1 RADPANZER FÜR ALGERIEN

Radpanzer dieses Typs werden in Algerien in Lizenz gebaut
Radpanzer dieses Typs werden in Algerien in Lizenz gebaut
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Offizielle Beschreibung: LKW, Geländewagen, Materialkits zur Herstellung von gepanzerten Fahrzeugen und Teile für gepanzerte Fahrzeuge, LKW, Geländewagen (A0006)

Was verbirgt sich dahinter: Die Rüstungsexporte nach Algerien dürften vor allem Radpanzer der Marke „Fuchs“ umfassen sowie LKW und Geländewagen.

Welche Firmen sind beteiligt: Rheinmetall (21.081 Mitarbeiter), wahrscheinlich auch Mercedes (11.741 Mitarbeiter im Werk Wörth) und Krauss-Maffei-Wegmann (3.200 Mitarbeiter)

So groß ist der Deal: ca. 784 Millonen Euro

Anteil der Lieferung an gesamten Rüstungsexporten in das Land: 94,9 %

Anteil Rüstungsexporte an allen deutschen Exporten in das Land: 39,46%

2 PANZERHAUBITZEN FÜR KATAR

Panzerhaubitzen sind eine mobile Artillerie; hier sehen sie eine Bundeswehr-Einheit
Panzerhaubitzen sind eine mobile Artillerie; hier sehen sie eine Bundeswehr-Einheit
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Offizielle Beschreibung: Zugmaschinen, LKW, Kranwagen, Auflieger, Anhänger, Masten und Teile für Panzer, Panzerhaubitzen, gepanzerte Fahrzeuge, LKW, Landfahrzeuge

Was verbirgt sich dahinter: Panzerhaubitzen 2000 und Leopard-Panzer.

Welche Firmen sind beteiligt: Rheinmetall (21.081 Mitarbeiter) und Krauss-Maffei-Wegmann (3.200 Mitarbeiter)

So groß ist der Deal: ca. 300 Millionen Euro

Anteil der Lieferung an gesamten Rüstungsexporten in das Land: 44,4%

Anteil Rüstungsexporte an allen deutschen Exporten in das Land: 53,59%

3 U-BOOTE FÜR ISRAEL

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Offizielle Beschreibung: Launcher für Flugabwehrraketensysteme, LKW, Anhänger, Geländewagen mit Sonderschutz und Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Flugabwehrsysteme, LKW, ballistischen Schutz

Was verbirgt sich dahinter: Dabei soll es sich vor allem um Torpedo-Abschussvorrichtungen für die U-Boote handeln, die Deutschland bereits in den vergangenen Jahren geliefert hatte.
Welche Firmen sind beteiligt: Wahrscheinlich Dynamit Nobel Defence

So groß ist der Deal: ca. 200 Millionen Euro

Anteil der Lieferung an gesamten Rüstungsexporten in das Land: 73,8 %

Anteil Rüstungsexporte an allen deutschen Exporten in das Land: 7,34%

4 KAMPFPANZER FÜR INDONESIEN

Marder-Panzer
Marder-Panzer
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Offizielle Beschreibung: Kampfpanzer, Schützenpanzer, Bergepanzer, Pionierpanzer, Brückenlegepanzer, Sattelauflieger und Teile für Panzer, Panzerhaubitzen, gepanzerte fahrzeuge, LKW, Geländefahrzeuge

Was verbirgt sich dahinter: Panzer aller Art

Welche Firmen sind beteiligt: Rheinmetall (21.081 Mitarbeiter)

So groß ist der Deal: ca. 178 Millionen Euro

Anteil der Lieferung an gesamten Rüstungsexporten in das Land: 60,2 %

Anteil Rüstungsexporte an allen deutschen Exporten in das Land: 9,43%

5 KLEINWAFFEN FÜR DIE USA

Gewehr von Heckler-Koch
Gewehr von Heckler-Koch
© Getty Images

Offizielle Beschreibung: Scharfschützengewehre, Revolver, Pistolen, Jagdgewehre, Sportgewehre, Selbstladebüchsen, Flinten, Sportrevolver, Sportpistolen, Schalldämpfer, Rohrwaffen-Lafetten, Ladestreifen, Mündungsfeuerdämpfer, Waffenzielgeräte sowie Ersatzteile

Was verbirgt sich dahinter: siehe oben

Welche Firmen sind beteiligt: Heckler & Koch (700 Mitarbeiter), Sig Sauer (200 Mitarbeiter), Feinwerkbau (140 Mitarbeiter), Mauser Jagdwaffen u.a.

So groß ist der Deal: ca. 153 Millionen Euro

Anteil der Lieferung an gesamten Rüstungsexporten in das Land: 25,1 %

Anteil Rüstungsexporte an allen deutschen Exporten in das Land: 0,69%

Die Rüstungsexporte haben in den letzten Jahren insgesamt deutlich zugenommen – nicht nur in EU- und Nato-Staaten, sondern auch in Drittländer. Diese Grafik zeigt die Entwicklung:

© Bundesregierung

2013 wurden insgesamt Rüstungsgüter im Wert von 5,846 Mrd. € ausgeführt. Das entspricht gerade einmal 0,5% Prozent aller deutschen Exporte.  Auf das ganze Land betrachtet sind die Exporte also nicht so wichtig.

Bei den Arbeitsplätzen muss man differenzieren zwischen reinen Rüstungskonzernen wie Heckler-Koch und Unternehmen, die auch bzw. vor allem zivile Güter herstellen, etwa Mercedes oder der Eurofighter-Produzent Airbus. Letztere sind nicht in ihrer Existenz bedroht, wenn die Rüstungsexporte abnehmen. Erstere schon eher. Das allerdings könnte man durch staatliche Hilfen für eine Umstellung der Produktion auf mehr zivile Güter auffangen – wenn die Politik es wirklich ernst meint mit ihrer neuen Strategie.