HistoryWie Herb Kelleher dem Billigflug den Weg ebnete

Herb Kelleher hat die erste große Billigfluglinie aus dem Nichts erschaffen
Herb Kelleher hat die erste große Billigfluglinie aus dem Nichts erschaffenGetty Images

Kommen zwei Männer in eine Bar, kritzeln auf eine Serviette – und revolutionieren damit den Luftverkehr. Was wie ein Witz beginnt, ist bis heute der Gründungsmythos von Southwest Airlines: Es ist Winter 1966/67, die Bar steht in San Antonio, Texas, und die Männer, die dort Platz nehmen, heißen Rollin King und Herb Kelleher. King, Geschäftsmann, hat eine Idee, die er an diesem Abend seinem Anwalt Kelleher unterbreitet: Er will den Himmel über Texas erobern. Mit einer neuen Fluglinie, die billige Direktflüge zwischen den texanischen Großstädten bietet.

King greift eine Cocktail-Serviette, schreibt drei Städtenamen darauf: San Antonio, Houston, Dallas. Dann verbindet er sie mit Strichen zu einem Dreieck. „Herb, lass uns eine Airline starten!“, sagt King. „Rollin, du bist verrückt!“, sagt Kelleher. „Let’s do it!“

Es ist die Geburtsstunde des Billigflugs – und Kelleher erzählt jahrzehntelang bei jeder Gelegenheit, dass sie sich wirklich haargenau so ereignet habe.

Mitte der 60er-Jahre jedenfalls ist Fliegen noch eine exklusive Angelegenheit. Flugbegleiterinnen helfen den Gästen noch aus dem Mantel, Essen serviert man selbst in der Economy auf Stofftischdecken. Dafür kostet ein Flug von Düsseldorf nach New York auch mehr als ein VW Käfer.

Wenige Airlines dominieren den Markt. Staatliche Regulierung schützt sie vor Wettbewerb, oft haben sie auf Routen ein Monopol. Preis- und Buchungssysteme sind so intransparent wie komplex, und die Gesellschaften interessiert es zudem wenig, abseits der Hauptrouten Direktflüge anzubieten.

Wie radikal anders ist da das Konzept von Kelleher und King. Ihre Air Southwest soll zunächst nur zwischen den drei texanischen Metropolen hin- und herjetten, die jeweils keine 400 Kilometer auseinanderliegen. Flüge ohne Bling-Bling und wochenlange Vorausbuchung. Dafür direkt, in schneller Taktung – und zum Discountpreis. 26 Dollar für den Oneway-Flug am Tag, nachts sogar nur 13 Dollar. So simpel, so günstig.

Titel bedeuten nichts

Dabei hat Herbert D. Kelleher, Jahrgang 1931, hochgewachsen, Kettenraucher, eigentlich keine Ahnung von der Fliegerei. Er ist Jurist, aufgewachsen in New Jersey, als jüngster Sohn eines Managers des Suppenkonzerns Campbell. Der Vater stirbt früh, die irischstämmige Mutter ist für Kelleher engste Bezugsperson. Stundenlang diskutieren beide über Politik, Ethik und Geschäfte. Ruth Moore Kelleher bringt ihrem Sohn bei, alle Menschen mit Respekt zu behandeln. „Sie sagte, dass Positionen und Titel nichts bedeuten“, wird Kelleher später erzählen. „Sie sind nur Verzierungen, die nichts über das Wesentliche eines Menschen aussagen.“

Eigentlich will Kelleher Journalist werden, aber ein Professor überzeugt ihn, Jura zu studieren. Er geht zur Law School der Universität von New York. Dort hat er bald einen Ruf als fleißiger Student, der trotzdem für jeden Spaß zu haben ist. Nach der Uni, mit 25, schlägt er eine klassische Juristenkarriere ein: zwei Jahre am Obersten Gerichtshof von New Jersey, zwei Jahre Mitarbeiter einer örtlichen Kanzlei, dann Partner einer Kanzlei in San Antonio, mit 30. Aber Juristerei allein erfüllt ihn nicht. Kelleher will mehr: selbst Unternehmer werden. Da kommt King mit seiner Idee gerade recht. Und gerade in den ersten Jahren braucht Southwest auch gar keinen Flugpionier – sondern einen Juristen.