ManagementWie Führungskräfte einen Streit unter Kollegen schlichten können

Eine Frau und ein Mann streiten
Streit unter Kollegendpa

Bei Streitigkeiten unter Angestellten halten es viele Chefs wie dieser Abteilungsleiter. „Sollte ich mich nicht lieber raushalten?“, fragte er mit Blick auf anhaltende Konflikte in seiner Abteilung die Experten vom Program on Negotiation der Harvard Law School. Auf keinen Fall, befand die geschäftsführende Direktorin Susan Hackley. „Die meisten von uns scheuen Konfrontation“, schrieb sie in einem Blogbeitrag. Umso hilfreicher ist es nach Ansicht der Expertin für Angestellte, wenn Vorgesetzte sich in einen Streit einschalten. Sie formulierte vier Tipps für Chefs, um Konflikte unter Mitarbeitern konstruktiv zu lösen.

#1 Das Problem identifizieren

Selbst in der harmonischsten Firma gibt es mal Streit. Oft gibt es einen konkreten Anlass, hinter dem aber schon lange gepflegte Animositäten stecken. Hackley rät Führungskräften, Schuldzuweisungen an bestimmte Personen zu unterlassen. Chefs sollten lieber das große Ganze fest im Blick haben. „Identifizieren Sie die vorliegenden Probleme und laden Sie Andere dazu ein, mit Ihnen über Lösungen nachzudenken“, rät die Verhandlungsexpertin. Vorgesetzte sollten dabei offen benennen, welche negativen Folgen der Streit auf das gesamte Unternehmen habe. Danach könnten sich alle Beteiligten auf das Positive konzentrieren: die Lösung des Konflikts.

#2 Andere Ideen berücksichtigen

„Andere Menschen schätzen eine bestimmte Situation vielleicht ganz anders ein als Sie“, gibt Hackley zu bedenken. Eine gute Vorgesetzte sollte deshalb bei der Streitschlichtung demonstrieren, dass sie offen ist für alle möglichen Problemlösungen und Input der Mitarbeiter zu schätzen weiß. Bei schwerwiegenden Konflikten kann laut Hackley auch ein Schlichter oder Ombudsmann zur Lösung beitragen.

#3 Konflikten vorbeugen

Chefs sollten aus Konflikten lernen. Manche Unstimmigkeiten hätten vielleicht schnell gelöst werden können und haben sich erst mit der Zeit zu einem ausgewachsenen Streit entwickelt. Die Harvard-Expertin rät Vorgesetzten daher dazu, eine offene Feedback-Kultur einzuführen. Angestellte sollten das Gefühl haben, dass ihre Anregungen gehört werden und keine negativen Folgen für sie haben. Das helfe dabei, Konflikte möglichst frühzeitig auszuräumen.

#4 Nicht verbiegen

Nicht jede Chefin hat vielleicht Lust darauf, sich ausführlich mit dem Seelenleben ihrer Angestellten zu beschäftigen. Das ist in Ordnung. Hackley listet eine Reihe von „Rollen“ auf, die ein Vorgesetzter bei Konflikten einnehmen kann. Sie reicht von „Heiler“ über „Brückenbauer“ bis „Zeuge“ und „Schiedsrichter“. „Wählen Sie eine Rolle, die auf Sie passt“, rät die Expertin. Andere Führungskräfte könnten dann bei künftigen Streitschlichtungen andere Rollen übernehmen.