ThemaWie Firmen kreativer sein können

Seite: 2 von 2

Was wäre, wenn die Menschen motiviert sind…

Ich glaube, dass diese Annahme falsch ist! Um mit Reinhard Sprenger, dem Autor des Buches „Mythos Motivation“ zu sprechen, sollten Unternehmen Mitarbeitern nicht unterstellen, dass sie grundsätzlich Leistung zurückhalten und mit bestimmten Mitteln dazu gebracht werden müssen, diese abzurufen. Besonders für Kreativität ist es aus einer Vielzahl an Forschungsarbeiten gut belegt, dass Menschen der intrinsischen Motivation bedürfen, um kreativ zu sein und extrinsische Elemente wie Geldprämien etc. diese intrinsische Motivation sogar verdrängen.

Für Tätigkeiten, die ein hohes Maß an Kreativität erfordern, müssen wir sogar davon ausgehen, dass ein Mensch grundsätzlich motiviert ist! Falls er das nicht wäre, könnte man ihn mit externen Mitteln nur sehr begrenzt und nicht nachhaltig bewegen und vor allem nicht dazu bringen, wirklich kreativ zu sein.

Trotzdem zeigt sich nun in vielen Unternehmen ein Bild, in dem Mitarbeiter allem Anschein nach nicht motiviert genug sind, ihre Kreativität einzubringen und Dienst nach Vorschrift machen. Ich glaube jedoch, es liegt nicht an von vornherein mangelnder Motivation sondern an Faktoren, die dafür sorgen, dass Menschen ihre Motivation verlieren.

Wenn diese Annahme richtig ist, dann lautet Fragen, die sich Unternehmen stellen müssen: „Wie könnten wir unsere Mitarbeiter nicht weiter demotivieren?“ Und „Wie könnten wir es unseren Mitarbeiter ermöglichen, ihre Kreativität zu nutzen?“. Diese andere Sichtweise auf das Problem macht auch andere Handlungsoptionen denkbar.

Die Kreativitätsforscherin Teresa Amabile von der Harvard Universität hat in einer faszinierenden und sehr umfangreichen Arbeits-Tagebuchstudie mit Menschen aus Projektteams in Unternehmen gezeigt, was Menschen motiviert und demotiviert und was Kreativität anreget oder diese stranguliert. Nachzulesen sind die Ergebnisse in Amabiles Buch „The Progress Principle“ aus dem Jahr 2011.

Fortschritt ermöglichen!

Was Menschen in Unternehmen am stärksten motiviert ist es, in einer Sache, die sie interessiert, in welche sie Energie hinein investiert haben, Fortschritte machen können und wenn das Unternehmen diesen Fortschritt ermöglicht.

Fortschritt ermöglichen kann bedeuten, dass Menschen Zeit bekommen, ein Thema zu erkunden oder auszuarbeiten, dass Ressourcen bereitgestellt werden, zu experimentieren und einfache Tests zu machen und dass die Prozesshürden dazu niedrig sind. Ein Gefühl von Fortschritt stellt sich bei Menschen auch ein, wenn sie Anerkennung (hier ist nicht Geld gemeint), Wahrnehmung und Rückmeldung zu ihrer Arbeit bekommen und sie das Gefühl haben, Unterstützung zu erfahren.

In vielen Innovationsmanagement- und Ideenmanagement-Prozessen, um das obige Beispiel noch einmal aufzugreifen, fehlen viele der genannten Faktoren.

Ein Beispiel eines Kunden mag dies noch einmal verdeutlichen: Ein Herr aus dem Controlling hat privat Spaß an der Programmierung von Apps. In einem Gespräch hat ihm ein Kollege aus einer anderen Abteilung von einem Prozessproblem berichtet. Rein aus Interesse und Neugier begann unser Controller in seiner Freizeit an einer Smartphone-App dafür zu basteln, die er dem Kollegen in einem weiteren Gespräch vorstellte. Nach diesem Gespräch wurde ihm vom Unternehmen eine gewisses Zeitbudget zur Verfügung gestellt, um auch während der Arbeitszeit weiter an der App zu arbeiten. In einem Gespräch mit mir meinte er lapidar: „Wenn die mir eine Geldprämie angeboten hätten, für den Fall, dass ich die App zu Ende entwickle, hätte ich die Arbeit sofort eingestellt.“