GastbeitragWas wir von Skandinaviern lernen können

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Andere Länder sind echt netter…

…und damit auch kreativer, mutiger, innovativer. Skandinavische Länder zum Beispiel verwenden eine Menge Energie darauf, Dinge einfach nur „n-e-t-t“ zu sagen. Über jede typisch deutsche Formulierung kippt der Schwede nach Aussage von Ninni Managerin bei der deutsch-schwedischen Handelskammer erst einmal eine Flasche Weichspüler. Die Kommunikation wird dadurch langsamer, aber auch ungleich unbefangener. Denn in einer entspannten Umgebung fühlen sich Menschen wohler. Sie müssen sich weder abgrenzen noch beschützen.

Wir halten hingegen immer den Atem an, wenn wir Aggressionen spüren, im Großen wie im Kleinen. Egal, ob wir direkt involviert sind oder nicht. Wir sind mit einem Sensor ausgestattet, der uns Konfrontationsbereitschaft wahrnehmen lässt. Er kriecht uns unter die Haut und knufft uns zwischen die Schulterblätter. Konflikte bedeuten potentiell die Gefahr einer Konfrontation und sorgen für die Ausschüttung des Hormons Adrenalin, damit wir es ganz sicher noch bis zum nächsten Baum schaffen, wenn’s knallt. Unsere Wahrnehmung verengt sich, wir sind effektiv in einer Sache, schalten aber zugleich die Sensoren ab, die alles andere wahrnehmen würden, was es noch zu entdecken gäbe und zu Neuerungen führen könnte. Und das ist nicht effektiv.

„Es geht nicht nur darum, nett zu sein.“

„Es lohnt sich auch.“, erklärte mir deshalb Hans Olav, Gründer von Making Waves, einer Beratungsfirma in Oslo, während meiner Recherchereise durch 30 skandinavische Unternehmen.

„Wenn du Menschen ein gutes Leben bietest, dann hast du glücklichere und effektivere Mitarbeiter. Dann ist das ein gutes Geschäft für beide.“ Denn glückliche Menschen sind im Schnitt 20 Prozent produktiver. Im Job, aber auch privat. Und zu einem guten Leben gehört es, nach Aussage eines Bauarbeiters Jakob aus Schweden auch, Dinge nicht kompliziert zu machen, herumzumotzen oder böse zu werden, sondern einfach nur zu lächeln und nett zu sein.

Smilies für alle!

Also weg mit den 🙁 hin zu den 🙂 .  Wir können ja schon einmal das Nett-Sein und Lächeln üben. Auch, wenn dies erst einmal nur das Nummernschild tut. Ich glaube, wer sich für ein lächelndes Emoij entscheidet, der wird sich schnell der Absurdität seines eigenen Schwarzärgerns bewusst. Und Untersuchungen weisen darauf hin, dass Emojis/Emoticons einen ähnlichen Effekt auf das menschliche Gehirn haben, wie reale Gesichtsausdrücke.