GastbeitragWarum Sparringspartner für Topmanager ein echtes Plus sind

Ein Gespräch mit jemandem mit ähnlichen Erfahrungen und ohne Filter ist wichtig - selbst wenn man es schon bis nach oben geschafft hat.
Ein Gespräch mit jemandem mit ähnlichen Erfahrungen und ohne Filter ist wichtig - selbst wenn man es schon bis nach oben geschafft hat.Pixabay

Der Alltag im Top-Management ist nichts für Herdentiere. In Spitzenpositionen herrscht Einsamkeit – egal, ob der Job von einem Mann oder einer Frau erledigt wird. Kollegen auf Augenhöhe sind in erster Linie Konkurrenten, Vertraute hingegen Mangelware. Dabei wäre beim permanenten Erwartungs- und Leistungsdruck, der in der Chefetage herrscht, Unterstützung durchaus willkommen. Tatsächlich, so stellte eine Studie der Stanford Graduate School 2013 fest, haben nahezu alle Entscheider Bedarf an Sparringspartnern. Die Last der Verantwortung wiegt schwer, der Stress ist ein ständiger Begleiter. Doch nur ein Drittel nimmt für die eigene Performance externe Hilfe in Anspruch, die Mehrheit übt sich im Einzelkampf. Sei es, harte personelle Entscheidungen zu treffen oder tragfähige Strategien zu entwickeln – für etliche Aufgaben wäre es hilfreich, sich mit einem Vertrauten auf Augenhöhe auszutauschen. Gleichzeitig braucht es ehrliches Feedback zum eigenen Auftreten, doch daran mangelt es in einem Umfeld, das entweder auf die nächste Schwäche lauert oder negative Konsequenzen bei allzu unverblümter Offenheit für sich fürchtet.

Während Mentorenprogramme zur Förderung des Führungsnachwuchses in etlichen Unternehmen gang und gäbe sind, sind Sparringspartner für die Spitze hingegen ein rares Gut. Dabei bringt der Blick eines neutralen, erfahrenen und vertrauenswürdigen Rat- und Impulsgebers viel Gutes mit sich. Insbesondere dann, wenn der Input von einem Außenstehenden kommt, der nicht in den Zwängen und Hierarchien des Unternehmens verhaftet ist. Ein Sparringspartner, der den Alltag eines CEO aus eigener Anschauung kennt, hat nicht nur ein offenes, sondern auch ein geschultes Auge für Missstände und ein verständnisvolles Ohr für Nöte. Mal Beichtvater oder –mutter, mal Ratgeber, mal schonungsloser Kritiker – die Rollen, die ein Vertrauter hier einnehmen kann, sind so zahlreich wie erwünscht:

Befreiung aus der Isolation

Wo aus einstigen Weggefährten längst Untergebene geworden sind, aus Kollegen nach ihrem eigenen Vorteil trachtende Konkurrenten und aus engen Mitarbeitern im Zweifelsfall Ja-Sager, dort sind Spitzenmanager oft isoliert. Wichtige Informationen werden mitunter vom Umfeld zurückgehalten oder manipuliert, offene Worte sind kaum zu hören. Weibliche Top-Managerinnen sehen sich zudem häufig allein als Frau auf weiter Flur, die männlichen Zirkel der Chefetage bleiben ihnen meist verschlossen. Ein externer Sparringspartner muss weder taktieren noch abwägen, nimmt im Zweifel kein Blatt vor den Mund und liefert gegebenenfalls nützliche Informationen, die sonst vielleicht nicht durchgedrungen wären.

Spieglein, Spieglein an der Wand

Jeder hat blinde Flecken, auch Top-Manager. Selbst- und Fremdwahrnehmung können stark voneinander abweichen. Doch um das zu erkennen, braucht es unverfälschtes Feedback. Ein Sparringspartner kann helfen, die eigene Performance zu hinterfragen und Schwachstellen zu identifizieren. Sein Feedback kann ein wertvoller Richtungsweiser sein für den Umgang mit anderen. Schließlich kann ein Top-Manager nur so gut managen wie sein Selbstmanagement es erlaubt – Sparringspartner schenken ihm Raum zur Weiterentwicklung.

Prellbock, Prügelknabe und Überlaufventil

Top-Manager sind an vielen Fronten gefragt: Neben Mitarbeitern, Anteilseignern und Kunden schauen auch Aufsichtsrat und Medien kritisch auf ihr Handeln. Sie alle erwarten eine brillante Performance, geliefert von einer stabilen Persönlichkeit. Doch auch Spitzenleute sind nur Menschen, auch wenn sie manchmal schier Übermenschliches leisten sollen. Auch sie müssen Druck abbauen und über Ängste sprechen können, ohne dass ihnen dies als gefährliche Schwäche ausgelegt wird. Im privaten Umfeld ist dies manchmal nicht gut möglich. Bei einem vertrauenswürdigen Sparringspartner können auch die härtesten Manager einfach mal nur Mensch sein – und toben, fluchen oder weinen. Ihr neutraler Gefährte wird es ihnen nicht übel nehmen.

Licht im Dschungel der Lösungssuche

Etliche Anforderungen, Vorgaben und Abhängigkeiten machen das Erarbeiten einer Lösung in schwierigen Situationen nicht leicht für Unternehmenslenker. Und manchmal fehlt zudem der nötige Abstand, um umfassend auf das Problem zu schauen. Ein Sparringspartner hilft dabei, die Situation auf das Kernproblem zu reduzieren und gemeinsam Lösungen dafür zu entwickeln. Auch wenn er aus einer anderen Branche kommt, kann er wertvolle Impulse liefern und von eigenen Erfahrungen in vergleichbaren Situationen berichten. Der Austausch sorgt für förderliche Perspektivenwechsel, die den Weg zur Lösung ebnen können. Wer nur allein vor sich hin brütet, verirrt sich eher in selbstentworfenen Zukunftsszenarien – ein neutraler Sidekick kann hier ein wichtiges Korrektorat sein und bewahrt vielleicht sogar vor unglücklichen Schnellschüssen.

Erhalt und Ausbau der Macht

Eines eint alle Entscheider branchen- und geschlechterübergreifend: Niemand möchte wieder eine Stufe auf der Karriereleiter absteigen. Umso wichtiger ist es, die eigene Position zu sichern und auszubauen. Je fester ein Top-Manager im Sattel sitzt, desto souveräner kommt er in unwegsamen Gelände voran. Ein Sparringspartner dient dabei dem eigenen Machterhalt. Denn er hilft nicht nur beim Erarbeiten von Strategien und Lösungen, sondern auch beim Netzwerken mit Kollegen auf Augenhöhe. Seine Kontakte auf Geschäftsführungsebene sind in der Regel breit und erprobt. Davon lässt sich bei passender Gelegenheit fürs eigene Vorankommen profitieren, denn unternehmenspolitische Allianzen sind – im Gegensatz zu selbstgewählten Bündnissen – oft nur von begrenzter Tragfähigkeit. Gerade für weibliche Top-Manager ist das gegenseitige Verknüpfen in einer noch immer männlich dominierten Arbeitsumgebung von hohem Nutzwert. Eine geeignete Sparringspartnerin kann hier zur Gefährtin in Sachen Titelverteidigung werden.

Lehrmeister und Leuchtfeuer

Der Boden der Chefetage hält ungeahnte Fettnäpfchen und verborgene Tretminen parat. Manchmal mangelt es an Erfahrung oder an Bewusstsein, diese rechtzeitig zu erkennen und zu umgehen. Ein Sparringspartner, der das Terrain der obersten Liga aus eigener Anschauung kennt, hat vielleicht Fehltritte begangen, vor denen er den Top-Manager nun bewahren kann. Von diesen Erkenntnissen zu profitieren, kann manchmal über Sieg oder Niederlage im Kampf um den Machterhalt entscheiden. Gerade weibliche Top-Manager müssen ihrem Umfeld immer wieder beweisen, dass sie den Chefsessel zu Recht ihr Eigen nennen. Mancher Kritiker lauert bei ihnen geradezu auf Fehler und Schwächen. Jeder Fehler, der durch ein hilfreiches Sparring vermieden werden kann, trägt zur Festigung der eigenen Reputation bei.