GastbeitragWarum es für Führungskräfte im KI-Zeitalter auf Empathie ankommt

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Empathie unterscheidet uns von Maschinen

Empathische Führung hat auf vielfältige Weise Auswirkungen auf Unternehmensprozesse. Zum Beispiel auf das Innovationsmanagement. Innovation gibt es nicht auf Knopfdruck, da ist Kreativität gefragt und die Vernetzung von Personen mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Trotzdem vertrauen viele Unternehmen nach wie vor auf den Stage-Gate-Prozess. Das Management definiert ein Ziel, wird es erreicht, geht das Projekt weiter, wenn nicht, wird es abgebrochen. Diese Entscheidung kann aber auch ein Algorithmus treffen, wenn man ihn mit den passenden Kennzahlen füttert und wenn das Ziel bekannt ist. Immer häufiger allerdings sind Technologien und Geschäftsmodelle noch vage, dann braucht es eine andere Strategie. Hier muss das Management Netzwerke organisieren für das Innovationsteam, es muss Freiräume schaffen und Vertrauen und manchmal auch Mut aussprechen. Das können Maschinen eher nicht.

Womit wir wieder beim Thema Führung wären. Die Entfaltungsmöglichkeit jedes einzelnen Mitarbeiters ist ein wichtiges Ziel von Führungsarbeit. Wie wichtig, habe ich selbst bei meinem jetzigen Arbeitgeber erlebt. Als ich 2015 das Management in Deutschland übernahm, war das Selbstvertrauen der Mitarbeiter nicht sonderlich ausgeprägt. Ich habe ganz bewusst empathisches Management praktiziert, wobei mir meine Ausbildung als Mediator zu Gute kam. Der Erfolg war durchschlagend: In zwei Jahren stieg der Umsatz von 195 auf über 300 Mio. Euro, das Unternehmen wirkt nun wie entfesselt.

Empathie, die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen, ist uns in die Wiege gelegt, sie unterscheidet uns von Maschinen. Im Lauf des Lebens scheinen manche (Führungskräfte) diese Fähigkeit zu verlieren. Sie müssen diese Eigenschaft aber erhalten oder wieder erlernen, sonst werden sie durch Maschinen ersetzt. Das klingt nur auf den ersten Blick bedrohlich. Denn übrig bleibt eine neue Generation von Führungskräften, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht Zahlen. Fazit: Die Arbeitswelt wird zwar automatisierter, aber auch menschlicher.


Swen Rehders ist Deutschland-CEO des japanischen IT-Dienstleisters NTT Data