GastbeitragWarum ein digitales Ökosystem eine neue Führungskultur braucht

Kommunikation ist das A und O der digitalen FührungskulturGetty Images

Digitale Technologien verändern die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten nachhaltig. Sie eröffnen uns neue Möglichkeiten, uns zu vernetzen, auszutauschen, Informationen zu teilen und zusammenzuarbeiten. Von Unternehmen – egal ob Start-up oder Dax-Konzern – verlangt die Digitalisierung eine grundlegende Transformation ihrer Strukturen. Vor allem eine Neuausrichtung der Führungskultur ist essentiell, damit neue Geschäftsmodelle funktionieren und Innovationen erfolgreich umgesetzt werden können – es braucht „Digital Leadership“. Doch warum macht die Digitalisierung diesen Wandel überhaupt erforderlich? Warum ist unsere klassische Vorstellung von Führung in einem digitalen Ökosystem überholt?

Weil die Digitalisierung eine neue Ausgangsbasis schafft, denn eine ihrer elementaren Fähigkeiten ist es, zu verbinden: Unternehmen, Prozesse, Informationen, IT Systeme und vor allem Menschen. Aktuell existieren in Unternehmen häufig noch vielfältige kommunikative Barrieren zwischen Bereichen, Hierarchieebenen oder Standorten. Genau diese Barrieren lassen sich mithilfe digitaler Technologien aufbrechen. Information sollte in Zukunft kein Privileg mehr sein. Herrschaftswissen und ein Denken in festen Zuständigkeitsbereichen erschwert die Lösung von immer komplexeren Aufgabenstellungen in einer digitalen Arbeitswelt. Teamarbeit ist im digitalen Zeitalter wichtiger denn je – vor allem auch die Bereitschaft zur Vernetzung über unterschiedliche Unternehmensbereiche hinweg, die für die digitale Transformation eine ganz wichtige Grundlage ist. Denn es werden keine singulären Aufgaben, sondern immer nur Prozesse digitalisiert werden können.

Fördern, vertrauen, einbeziehen

Wie muss eine Führungskultur also aussehen, die den Anforderungen des digitalen Zeitalters gerecht wird? Digital Leadership verlangt nach einem „Mindset of shared success“. Das setzt ein Management voraus, das fördert, vertraut und einbezieht, das Flexibilität und Kooperation unterstützt. Gleichzeitig braucht es Mitarbeiter, die gemeinsam den Erfolg des Unternehmens gestalten wollen – unabhängig von Hierarchien. Hier steckt in meinen Augen großes Motivationspotenzial, denn Mitarbeiter können so viel unmittelbarer die Ausrichtung ihres Unternehmens mitbestimmen. Ganz wichtig ist dabei ein klar kommuniziertes gemeinsames Ziel, das sicherstellt, dass alle Handelnden auch in die gleiche Richtung agieren.

Zwei weitere wichtige Grundpfeiler einer erfolgreichen digitalen Führungskultur sind für mich außerdem Vielfalt und Agilität. Dabei steht Vielfalt für weit mehr als die übliche Gender-Diskussion. Es geht um interkulturelle und interdisziplinäre Teams und somit den Zugang zu einem weitaus größeren Pool an Talenten. Denn um Lösungen für komplexe Probleme entwickeln zu können, sind unterschiedliche Blickwinkel und Herangehensweisen notwendig. Zugleich ist Agilität gefragt – was deutlich mehr bedeutet, als einfach nur flexibel zu sein. Gefordert sind proaktives und vorausschauendes Handeln und die Fähigkeit, gegebenenfalls recht kurzfristig auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Anstelle von starren Zielvorgaben treten Visionen oder Haltepunkte, an denen das Management immer wieder neu entscheiden muss, ob der bereits eingeschlagene Weg der richtige ist.

Keine Angst vor grundlegenden Veränderungen

Eine moderne Führungskraft muss es auch aushalten können, das eigene Tun und Handeln immer wieder infrage zu stellen. Und gleichzeitig muss sie in der Lage sein, die Mitarbeiter zu motivieren und zu befähigen, eigenständig zu agieren. Dies gelingt vor allem durch Zuhören und Interaktion und dem gemeinsamen Herausarbeiten, warum ein Ziel und eine Aufgabe von Bedeutung sind. Es ist wichtig, jedem Einzelnen die Möglichkeit zu geben, sich weiter zu entwickeln und zu lernen. Und natürlich auch Spaß an der Arbeit im Team und dem Erreichten zu haben.

Doch wie gelingt es mir letztendlich, meine Unternehmensorganisation fit für die digitale Zukunft zu machen? Für eine neue, digitale Leadership-Kultur braucht es erst einmal Mut und die Fähigkeit zuzuhören. Und wer das Potenzial der Digitalisierung nutzen will, darf auch vor Schnelligkeit und grundlegenden Veränderungen keine Angst haben.