GastbeitragWarum Chefs ihre eigenen Kritiker schätzen sollten

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#3 Kritiker sind die Stützen des Unternehmens

Gerät ein Unternehmen in die Krise, wird es für Mitarbeiter meist ungemütlich. Harte Einschnitte stehen an, so manche Karriereträume liegen erst einmal auf Eis. Jetzt schlägt die Stunde der konstruktiven Verbesserer, die eben noch als unbequeme Nörgler galten. Jetzt könnten sich genau diese mutigen Mitarbeiter als die wahren Stützen des Unternehmens erweisen. Denn Kritiker, die Fehlentwicklungen bereits aktiv angesprochen haben, sind in der Regel auch bereit, die zur Verbesserung der Situation notwendigen Herausforderungen aktiv anzugehen. Sie halten den Betrieb in schwierigen Zeiten aufrecht, sind zu Veränderungen und höheren Anstrengungen bereit und motivieren andere Mitarbeiter, eventuelle Durststrecken ebenfalls durchzuhalten.

Die Ja-Sager wiederum, denen selbst bei den offensichtlichsten Missständen nie ein kritisches Wort über die Lippen kam, suchen meist schnell das Weite, wenn das Unternehmen ihrem Sicherheitsdenken nicht mehr entsprechen kann. Sie bewerben sich auf andere Jobs, um ihre Karriere weiter voranzutreiben. Die Hände machen sie sich nicht schmutzig.

#4 Kritiker helfen dem Chef

Nichts überzeugt Unternehmenslenker mehr als Zahlen und Fakten. Denn natürlich stehen Entscheidungsträger selbst unter dem Druck, Erfolge vorweisen zu müssen – etwa gegenüber dem Vorstand und den Aktionären. Selbstverständlich möchten sie sich in einem guten Licht präsentieren. Kritiker, die ihnen faktenbasiert und anhand konkreter Beispiele aufzeigen, welche Veränderungen im Unternehmen nachweislich zu einer Verbesserung beitragen könnten, helfen ihnen dabei. Sie zeigen auf die Lücken und Schwächen im System Unternehmen und tragen damit entscheidend zu Qualitätsverbesserungen bei. Wenn Chefs Kritiker in die Pflicht nehmen, statt ihre Einwände abzuwiegeln, ergeben sich daraus möglicherweise nutzbringende Änderungen und Lösungsansätze für notwendige Korrekturen. So wird aus einem wagemutigen Kritiker am Ende ein vom Chef gelobter Verbesserer.

#5 Kritiker leben Feedbackkultur

Junge Unternehmen leben im Arbeitsalltag vor, was etablierte Unternehmen meist erst noch lernen müssen: flache Hierarchien und einen offenen, regelmäßigen Austausch. Zu einer gesunden, zeitgemäßen Unternehmenskultur gehört auch eine entwickelte Feedbackkultur. Probleme, aber auch Statusmeldungen zu laufenden Projekten sind offen zu kommunizieren. Das Ziel sollte eine vertrauliche Atmosphäre sein, in der jeder Mitarbeiter seinen Beitrag leistet, Störfaktoren angesprochen und gemeinsam angegangen werden und Mitarbeiter sich und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.

Mehrere Studien belegen: Regelmäßige Rückmeldungen durch Vorgesetzte stehen in einem direkten Zusammenhang mit der Zufriedenheit der Mitarbeiter und deren Verbundenheit mit dem Unternehmen. Nur wenige Chefs holen sich jedoch gezieltes Feedback von ihren Mitarbeitern zu ihren eigenen Leistungen und ihrem Führungsverhalten ein. In einer offenen Unternehmenskultur ist aber auch dies wichtig. Dem Chef Rückmeldung zu seinen Zielen zu geben, ihn auch auf Fehler hinzuweisen und so Prozesse und Projekte in andere, möglicherweise erfolgversprechendere Richtungen zu lenken, fördert nämlich ebenfalls maßgeblich die Zufriedenheit von Mitarbeitern.

Und von der Zufriedenheit der Beschäftigten hängt bekanntermaßen zu großen Teilen auch der Erfolg von Unternehmen ab: Nur Mitarbeiter, die sich wertgeschätzt fühlen und sich voll mit ihren Potenzialen einbringen können, machen im Wettbewerb der Unternehmen den entscheidenden Unterschied und gehen die Extrameile, die das eigene Unternehmen nach vorne bringen. Es lohnt sich daher für Chefs, Kritik gezielt zuzulassen und sogar einzufordern.

 


Nela Novakovic trifft als Financial & Operations Director eines japanischen Pharmaunternehmens täglich taktische Entscheidungen. Sie leitet, verwaltet, entwickelt und perfektioniert strategische Maßnahmen im Bereich Finanzen, Operations, HR und IT bei der Kyowa Kirin GmbH